Der Radioexperte

Spannend ist der Blick ins Innere der alten Radios.

Gegensätze ziehen bekanntlich sich an. Nicht zuletzt deshalb drängt es sich auf, den 59-jährigen Michael Püschel zu fragen, ob er denn ein Nostalgiker ist. „Teil, teils“, sagt er. Also „Jein“. Denn einerseits fasziniert ihn die Technik alter Röhrenradios, aber andererseits hat er es beruflich mit zukunftsweisenden Entwicklungen zu tun. Sein Geld verdient er in der Solartechnik und als Gebäudeenergieberater. Nebenbei engagiert er sich als Kassenwart und Techniker im Bremer Rundfunkmuseum – das größte seiner Art in Deutschland, sagt er. Wir haben ihn in Rotenburg besucht.

Rotenburg – In den hohen Schränken türmen sich die Ersatzteile. Röhren, Kondensatoren, Widerstände. Alles genau sortiert und in einer unglaublichen Bandbreite. Die Werkzeuge befinden sich in detailliert beschrifteten Schubladen. Die kleine Radio-Werkstatt von Michael Püschel wirkt nicht nur aufgeräumt, sondern auch äußerst professionell. Auf dem Tisch liegt ein Stück Arbeit. Es handelt sich um ein Radio von Nordmende. Püschel checkt es durch und nutzt dafür verschiedene Messgeräte. Kondensatoren und die Röhren sind wesentliche Schwachpunkte. Der Mann kennt sich aus.

Für die Küche war dieses kleine Gerät vorgesehen.

Rückblick: Michael Püschel ist zehn Jahre alt, als er damit beginnt, sich im Sperrmüll anderer Leute zu bedienen. Er hat es auf Radiogeräte abgesehen. Er nimmt sie mit nach Hause. Einige davon funktionieren, einige nicht. „Was ist da eigentlich drin, warum laufen sie nicht?“ Der Schüler ist begeistert und beginnt, sich mit den Geräten zu beschäftigen. Er besorgt sich Fachbücher und steigt in das Thema ein. „Mit zwölf habe ich dann einen ,alten Hasen’ kennengelernt. Ein Antennenbauer und gelernter Rundfunk- und Fernsehmechaniker.“ Dem schaut der junge Mann über die Schulter. Er bekommt Tipps und erfährt von den Tricks – auch im Umgang mit den Messgeräten. „Irgendwann konnte ich es.“ Fortan kümmert er sich um Radios und Fernsehgräte, bringt sie wieder ans Laufen. Anfang der 90-er Jahre „ist aber Feierabend“. Die Leute trennen sich mehr und mehr von den alten Geräten und steigen auf moderne Technik um. 2001 dann erfährt Michael Püschel neuen Schwung für sein Hobby. Er beginnt, sich im Bremer Fundfunkmuseum zu engagieren – und ist bis heute mit von der Partie. „Ich bin Kassenwart und kümmere mich um die technisch besonders schweren Fälle.“

Michael Püschel ist ganz in seinem Element: Er checkt ein Nordmende-Radio durch. Fotos: Menker

Die alten Radios sind ihm ans Herz gewachsen. „Es ist der Klang, der heute von den modernen Geräten einfach nicht erreicht wird.“ Püschel gewährt einen Einblick in das auf dem Tisch liegende Nordmende-Gerät. Hoch-, Mittel- und Tieftöner – eingefasst in einen hölzernen Korpus – sorgen für diesen weichen, satten Sound. Er liebt ihn so sehr, dass er viele Stunden am Tag eines seiner Geräte laufen lässt. „Das muss gar nicht laut sein, es hört sich auch so ganz gut an.“ Wie ein schönes Instrument, meint Püschel. So gut, dass er nach wie vor überwiegend aufs Fernsehen verzichtet. „Wir hören abends Radio“, sagt er. Der Flachbildfernseher kommt an vielleicht 30 Tagen im Jahr zum Einsatz.

Schön anzusehen ist auch dieses Radio der Marke Tonfunk.

Saba, Blaupunkt, Grundig, Nordmende, Telefunken und Schaub-Lorenz – das sind die Marken, für die die Menschen in früheren Jahren viel Geld bezahlt haben. Unterhalb eines der Ersatzteilschränke steht ein Saba-Gerät aus dem Jahr 1954. Es sieht fast aus wie neu – und es ist ein ganz besonderes Gerät. Püschel: „Es ist das erste Radio mit einem automatischen Sendersuchlauf.“ 850 Mark musste man dafür damals auf den Tisch legen. Viel Geld sei das gewesen. Sammler zahlen heute vierstellige Summen dafür.

Püschel hat auch eine Bluetooth-Box von Bose. „Erstaunlich, welchen Klang die liefern, aber seien wir mal ehrlich: In fünf Jahren landet das Ding wahrscheinlich auf dem Müll.“ Reparaturen sind heute nicht mehr vorgesehen. Die alten Geräte hingegen sind mit wenigen Handgriffen wieder flott zu kriegen.

Info: Wahre Schätze

Das Bremer Rundfunkmuseum an der Findorfstraße 22 - 24 ist 1978 als Verein von funkbegeisterten Radio-Sammlern gegründet worden. Seit 2001 mischt dort auch der Rotenburger Michael Püschel mit. Er engagiert sich als Kassenwart und kümmert sich um technische Problemfälle. Das Museum ist immer dienstags bis donnerstags von 10 bis 15 Uhr geöffnet. Der Eintritt für Erwachsene kostet drei, für Kinder 1,50 Euro. Familien zahlen sechs Euro. Auf 500 Quadratmetern Ausstellungsfläche sind rund 700 Exponate aus allen Epochen der Rundfunk-, Fernseh- und Tontechnik zu sehen. Die meisten Geräte funktionieren noch. Weitere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.bremer-rundfunkmuseum.de.

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