Licht, Reflektoren, Öl

Radfahren im Herbst? Mit Experten-Tipps gut durch die dunkle Zeit

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Rotenburg - Von Elena Zelle. In diesen Wochen herrscht bei Hans-Jürgen Geils, dem Inhaber von Zweirad Schütz in der Rotenburger Innenstadt, nicht gerade Hochkonjunktur. Als Radfahr-Experte ist er in diesen Woche dafür umso mehr gefragt.

„Viele fahren nur bei gutem Wetter und stellen ihr Fahrrad jetzt in den Keller“, erklärt er. Aber den einen oder anderen Hartgesottenen gibt es dann doch. Wer im Herbst und Winter radelt, sollte aber ein paar Dinge in Sachen Sicherheit beachten. Geils gibt Tipps, wie man sicher durch den Herbst kommt.

Ganz wichtig ist in der dunklen Jahreszeit natürlich die Beleuchtung. Glücklicherweise bedeutet Licht am Fahrrad heute nicht mehr unbedingt, dass man sich beim Treten völlig verausgaben muss: Die meisten neuen Fahrräder haben einen Nabendynamo, der das Treten nicht erschwert. Was in Sachen Licht noch Sinn ergeben kann, sind Lampen mit einem sogenannten Kondensator – das ist ein Standlicht für das Fahrrad. „Das Licht leuchtet bis zu fünf Minuten nach“, erklärt Geils. „So wird man zum Beispiel an Kreuzungen besser gesehen.“ Diese Lampen kann man auch nachrüsten, die Kosten für vorne liegen laut Geils bei etwa zehn, für hinten bei rund 20 Euro.

Auch in Sachen Kleidung können Radfahrer einiges für die Sicherheit tun: Geils empfiehlt zum Beispiel reflektierende Klettbänder für die Arme oder Beine. Noch auffälliger sind Warnwesten. „Die haben sich schon manche angeschafft, wenn es mal brenzlig war“, sagt Geils.

Hans-Jürgen Geils weiß es: Warnwesten sind für Radler in diesen Wochen und Monaten durchaus sinnvoll.

Anders sieht das beim Helm aus: Der wird von Erwachsenen weniger getragen, obwohl das durchaus Sinn ergeben würde, wie Geils betont. Manche Helme bieten sogar doppelten Schutz: „Die haben ein zusätzliches Licht, damit man besser gesehen wird.“ Das ist eine kleine rote Lampe hinten am Helm.

Wer in den kalten Monaten Fahrradfahren will, sollte sich auch seine Bremsen anschauen, wenn sie per Seilzug arbeiten. Am besten ölt man die Bowdenzüge noch einmal, sonst kann sich dort Feuchtigkeit sammeln und die Züge frieren im Winter fest. Bei Hydraulikbremsen ist das nicht nötig.

Auch die Kette sollte im Winter gut geölt sein, sonst kann sie rosten und sogar reißen, warnt Geils. Je nach Witterung ist das Ölen alle vier bis sechs Wochen fällig. Am besten wirft man auch noch mal einen kritischen Blick auf die Pedale: Sie sollten gerade im Winter nicht zu blank sein, sonst kann man leicht abrutschen. Gleiches gilt für das Profil der Reifen.

Oder man lässt den Profi ran und bringt sein Fahrrad vor dem Winter zur Inspektion. Einmal im Jahr ist die sinnvoll, sagt Geils. In welcher Jahreszeit man sein Fahrrad durchchecken lässt, ist aber nicht so wichtig. Die Kosten hängen vom Fahrrad ab und liegen laut Geils bei ungefähr 30 Euro – wenn etwas kaputt ist, wird es natürlich teurer. 

Regeln für Radler: Guter Schutz und Beleuchtung

Zusätzlich schützen können sich Fahrradfahrer im Herbst und im Winter zum Beispiel mit Helmen, Warnwesten oder Reflektoren an der Kleidung. Vorschrift ist all das nicht. Anders sieht das bei Licht und Reflektoren am Fahrrad aus. Verkehrssicherheitsberater Christoph Steinke von der Polizei Rotenburg erklärt die gesetzlichen Regeln. 

Christoph Steinke

Das A und O ist die Beleuchtung – ein Fahrrad muss Licht haben, vorne weiß und hinten rot. Auch Anstecklichter sind inzwischen erlaubt, wenn sie „im Dunkeln oder bei Dämmerung fest mit dem Fahrrad verbunden“ sind. Wichtig ist: Das Licht darf nicht blinken. „Das irritiert andere Verkehrsteilnehmer.“ Radfahrer sollten außerdem darauf achten, dass sie andere nicht blenden und ein amtlich genehmigtes Licht mit Prüfzeichen kaufen – eine Welle mit einem K. „Da passt die Lux-Zahl.“ Wer nicht sicher ist, ob er das Licht schon anschalten muss oder ob es noch hell genug ist, kann sich an den Straßenlaternen orientieren: „Sobald die angehen, sollte man auch beim Fahrrad das Licht anmachen.“

Außerdem muss das Fahrrad Reflektoren haben: ein weißer vorne und ein roter, der sogenannte Z-Reflektor, hinten. Auch an den Pedalen müssen Rückstrahler sein und in den Rädern vorne und hinten jeweils zwei. Ersatzweise für die zwei Reflektoren in den Speichen geht laut Steinke auch ein reflektierender Streifen am Rad oder sogenannte Speichenstäbchen, die auf jede Speiche geschoben werden.

Auch vor dem Hintergrund eines Unfalls Ende Oktober in Fintel, bei dem ein Radfahrer an seinen Verletzungen gestorben ist, kontrolliert die Polizei auch in Rotenburg zu dieser Jahreszeit verstärkt. Wann genau, das verrät Steinke natürlich nicht. Aber wer zum Beispiel ohne funktionierendes Licht erwischt wird, muss 20 Euro Verwarnungsgeld zahlen – und schieben. Außerdem muss er sein Fahrrad reparieren und es dann ohne Mängel bei der Polizei vorführen. „So lange darf man natürlich nicht fahren.“

Was man auf dem Fahrrad nicht vergessen sollte: Auch Radler müssen sich an die Verkehrsregeln halten. „Rechts vor links gilt für den Radfahrer genauso wie für jeden anderen auch.“ Und Steinke nennt ein anderes Beispiel: „Fahrradfahrer fahren oft auf Gehwegen, wo sie nichts zu suchen haben.“ Durch hohe Büsche oder Zäune wie in der Verdener Straße in Rotenburg werden sie leichter übersehen, als wenn sie – wie dort vorgeschrieben – auf dem Fahrradstreifen auf der Straße fahren würden. 

Fahrradunfälle im Landkreis

„Die Wahrscheinlichkeit, als Fahrradfahrer bei einem Unfall verletzt zu werden, ist ganz groß“, sagt Christoph Steinke, Verkehrssicherheitsberater der Polizei Rotenburg. Von 230 Unfällen mit Radfahrern im Landkreis 2016 endeten 178 mit Verletzten. 

In der dunklen Jahreszeit passieren zwar nicht mehr Unfälle mit Radfahrern, weil sich einfach weniger Menschen aufs Rad schwingen als im Sommer. Aber es ist dennoch gefährlicher. Radfahrer sind schlechter zu sehen und sie laufen etwa durch nasse Straßen oder Glätte Gefahr, auszurutschen und zu stürzen, wie Steinke betont.

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