Auf zwei Rädern zu offiziellen Anlässen – Weber muss aktuell improvisieren

Der radelnde Bürgermeister Weber will kein Star sein

Mit dem Dienstrad geht es für Bürgermeister Weber aktuell auch zu weiter entfernten Terminen. - Foto: Krüger

Rotenburg - Von Michael Krüger. Alles nur Blödsinn, Klamauk, eine PR-Aktion und letztlich gar nicht, das Wort sei verziehen, „nachhaltig“? Andreas Weber schüttelt den Kopf. Der Bürgermeister sitzt in seinem Büro im Rathaus und schwärmt stattdessen. Stadtradeln, die zweite Auflage in Rotenburg – ein voller Erfolg für ihn. „So eine Aktion, die Freude und Wir-Gefühl schafft, die außerdem nichts kostet und Hunderte machen mit, das ist doch großartig!“

Der Bürgermeister ist wieder ein „Stadtradel-Star“, auch wenn er den Begriff nicht so wirklich mag und mehr aus Verlegenheit wieder einer wurde. Weil sich außer ADFC-Chef Manfred Petersen niemand bereit erklärt hatte, den Autoschlüssel tatsächlich drei Wochen für die bis zum 18. Juni laufende Aktion komplett abzugeben und auch nicht als Beifahrer irgendwo einzusteigen. Nun also radelt Weber wieder vorne weg, wie bei der Premiere im September, als er aber wegen eines wichtigen Termins in Sachen „SuedLink“ in Soltau zwischenzeitlich doch passen musste. Nun aber hält er durch. 598 Kilometer standen Donnerstagnachmittag auf dem Tacho, ein paar dürften mittlerweile wieder hinzugekommen sein.

Wie ernst Weber die Aktion nimmt, wird daran deutlich, wie er Arbeit und Dienstfahrrad unter einen Hut bringt. Denn auch wenn man ihn als grüßenden Radler im Stadtbild schon von jeher kannte, stehen nun auch die Auswärtstermine unter anderen Vorzeichen. Da packt der 58-Jährige schon mal den Anzug in den Rucksack und tauscht Touren- gegen Rennrad ein, um nicht zu spät zu kommen. Auswärtstermine im Verdener Dom, bei der Verabschiedung von Kollege Michael Niestädt in Lauenbrück oder erst am Dienstag beim Bürgermeistertreffen in Zeven: Weber fährt mit dem Rad hin. Dass dabei Zeit für andere Arbeiten vernachlässigt wird, verneint er. „Gegebenenfalls muss ich abends mal eine Stunde länger bleiben, weil etwas liegen geblieben ist. Aber das ist es mir wert.“

Einen Teil ihrer Zeit für die Aktion des Klimabündnisses, dem größten kommunalen Netzwerk zum Schutz des Weltklimas, zu opfern, fällt offensichtlich vielen Rotenburgern leicht – zu nicht so verschärften Bedingungen wie die „Stars“. Fast 700 registrierte Nutzer gab es Donnerstag, knapp 600 hatten bis zum Abend bereits ihre Kilometer eingetragen: insgesamt 63.500. Und es dürften noch mehr werden, die Anmeldung ist bis zum letzten Tag möglich. Das Ziel, nach den 99.348 Kilometern des Vorjahres die 100.000 zu knacken, ist längst revidiert.

Einmal um den Äquator soll es pro Woche gehen, also mehr als 120.000 Kilometer insgesamt. Andrea Rieß vom Rotenburger Umweltschutzbüro, die die Fäden der Organisation in der Hand hält, berauscht sich an den Zahlen: „Wir liegen momentan in Niedersachsen auf Platz eins der fahrradaktivsten Kommunen!“ Das bedeutet, so viele Kilometer pro Einwohner hat bislang kein Dorf und keine Stadt im Land geradelt. Bundesweit liege man in dieser Wertung auf Platz neun von aktuell 180 Kommunen, die ihre Aktion bereits abgeschlossen haben. 476 seien für 2016 insgesamt angemeldet. Und selbst die Rotenburger Kommunalpolitik, bislang nicht allzu berühmt für ihre Radbegeisterung, hält sich tapfer: die elf aktiven Orts- und Stadträte liegen auf Platz fünf in ihrer Kategorie im Landesvergleich.

Dass das Stadtradeln aber nicht nur ein Spaß ist, merkt man auch am Ehrgeiz des Bürgermeisters. Als er hört, wie viele Kilometer einzelne Mitarbeiter im Rathaus schon auf dem Zettel haben, kommt er ins Grübeln: „Vielleicht muss ich mir nochmal einen Tag freinehmen, dann lege ich 500 drauf.“

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