Das älteste italienische Restaurant in Rotenburg

„Rabotti, rabotti“

Zu Weihnachten sind sie alle da: Weihnachtsmann, Pinocchio und Chef: Salvatore Trogu in seinem Restaurant. - Foto: Schwekendieck

Rotenburg - Von Michael Schwekendiek. Es klingt italienisch – ist es aber nicht! „Rabotti, rabotti“ kommt eher aus dem Russischen, vielleicht auch aus dem Polnischen. Aus dem Mund von Salvatore Trogu (60), Restaurantinhaber aus Rotenburg, klingt es überzeugend italienisch, als er gefragt wird, was er denn Weihnachten so machen wird: „Rabotti, rabotti“ – zu deutsch: „Arbeiten, arbeiten!“

Sein Lokal, das „Pinocchio“ im Zentrum Rotenburgs, ist inzwischen eines der ältesten Restaurants in der Kreisstadt. Seit mehr als 30 Jahren ein Begriff und meistens bestens besucht. „Rund 80 Prozent bei uns sind Stammgäste“, berichtet der Chef mit einigem Stolz.

Er selbst hat inzwischen mehr als die Hälfte seines Lebens dort verbracht. Mit 23 Jahren hat er seine Heimat Sardinien verlassen. Da war er mal als Maurer und dann auch als Pizzabäcker tätig. „Aber im Winter war mir das zu tot“, erinnert sich Salvatore Trogu. Keine Touristen, keine Geschäfte. Er packt ein kleines Köfferchen, steigt in den Zug und peilt Walsrode an, wo jemand aus seinem Heimatdorf eine Pizzeria betrieb. Dort beginnt er seine Karriere zunächst als Tellerwäscher und dann als Pizzabäcker. Wenige Jahre später ruft ihn ein anderer Sarde nach Rotenburg: Mario Zou, der dort noch immer einen Namen hat, obwohl er seine beiden Restaurants längst abgegeben hat. Zou setzt ihn in seinem damals neuen Lokal an der Goethestraße ein, das sich schon sehr bald einen guten Ruf erwirbt. Chef Salvatore ist nahezu immer vor Ort, der Laden brummt. „Wir sind sehr, sehr zufrieden, und das Finanzamt ist auch sehr, sehr zufrieden“, stellt er fest. Und in der Tat: Auch bei unserem Gespräch, an einem ganz normalen Donnerstagmittag, ist das „Pinocchio“ voll besetzt. Seine acht Mitarbeiter haben gut zu tun.

Was sich denn geändert habe in den 30 Jahren, fragen wir nach. „Die Gäste ernähren sich immer besser. Sie legen mehr Wert auf frische Produkte, frische Zutaten und Gewürze“. Am Herd steht - immerhin auch bereits seit 1988 - Chefkoch und Mitinhaber Giuseppe Lasio. Pizza, Pasta, Salate, Fleischgerichte, und immer wieder fangfrischen Fisch – die beiden Chefs haben sich dabei längst auf deutsche Geschmäcker eingestellt.

Weihnachten holt sich auch Salvatore Trogu schon mal eine gebratene Gans ins Haus. In Sardinien kommt zum Fest eigentlich ein Lamm auf den Tisch, aber Sardinien ist Sardinien – und hier ist Deutschland. Außerdem ist der Italiener seit vielen Jahren mit einer Hassendorferin verheiratet. Aber etwa zwei Mal im Jahr zieht es die beiden dann doch auf die italienische Insel. Im Sommer genießen sie gerne die Wärme und das Urlaubsflair in Sardinien.

Im Winter ist man lieber hier. Erstaunlich. Denn so attraktiv ist das norddeutsche Wetter dann ja eigentlich auch nicht. „Aber hier ist mehr los, und man ist auch schnell in Hamburg oder Bremen.“ Außerdem verbringen die Familien Zou und Trogu alle Jahre wieder gerne das Weihnachtsfest gemeinsam. Wenigstens den Heiligen Abend. Denn an den Festtagen wird gearbeitet, genauso wie Silvester.

Und wenn mal die Rente kommt, werden auch die Trogus wohl mindestens die Hälfte des Jahres in Deutschland verbringen. Hier ist man inzwischen zu Hause. Hier lässt sich gut leben, und eines Tages kann vielleicht auch ein Italiener wieder in aller Ruhe den Fußball genießen. Darüber wurde jetzt besser nicht geredet. Die Redaktion hatte dem Pinocchio-Chef, eingefleischter Fan des AC Milan, ausdrücklich ein „nettes und ungezwungenes Gespräch“ versprochen.

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