Erkrankte mit mildem Verlauf können nicht verlegt werden

Quarantäne im Diakonieklinikum

Diakonieklinikum Rotenburg
+
Auf der Normalstation für Covid-Patienten im Diakonieklinikum liegen derzeit auch reine Quarantäne-Patienten.

Es gibt keine medizinische Notwendigkeit für sie, im Krankenhaus zu bleiben. Doch weil es woanders keine Quarantäne-geeignete Unterbringungsmöglichkeit gibt, sind derzeit mehrere an Covid-19 erkrankte Patienten im Diakonieklinikum untergebracht.

  • Corona-Patienten verbringen 14-tägige Quarantäne im Krankenhaus.
  • Knappe Kapazitäten: Verlegung der Patienten nach Hause oder ins Pflegeheim nicht möglich.
  • Patienten zeigen derzeit vorrangig britische Virusmutation.

Rotenburg – Im Rotenburger Diakonieklinikum sind derzeit einige Covid-19-Patienten untergebracht, die aus dem Krankenhaus entlassen werden könnten – keine schweren Verläufe, keine medizinische Notwendigkeit, dort zu bleiben. Sie können aber nicht entlassen werden, weil sie keine Möglichkeit der Selbst-Isolation während der Quarantänezeit haben: Sie sind pflegebedürftig oder haben Angehörige Zuhause, die zu den Hochrisikogruppen gehören. Das ist ein Problem, sagt Dr. David Heigener, Chefarzt des Zentrums für Pneumologie.

Der Mediziner hat derzeit etwa zehn Patienten, die er aus rein medizinischer Sicht entlassen könnte. Doch da die Pflegeheime zwar durchaus Einzelfälle, aber keine so großen Ausbruchsgeschehen wie beispielsweise im vergangenen Dezember mehr haben, fallen die Isolationseinheiten dort weg. „Wir können einige Patienten nicht nach Hause schicken, sie sind also 14 Tage bei uns auf der Station“, so der Lungenfacharzt. Viele von ihnen zeigen keine der typischen Symptome, würden normalerweise in häuslicher Isolation bleiben können. Doch das Personal ist knapp, überall. Auch bei den ambulanten Pflegediensten. „Es fehlen einfach die Kapazitäten. Also ist zurzeit keine Abverlegung möglich.“

Die Patienten sind teils erstmals pflegebedürftig oder auch in Kurzzeitpflege. Eine Hotellösung komme nicht infrage: Dazu bräuchte es Erkrankte, die in der Lage sind, sich dennoch selbst zu versorgen. „Ein Traum wäre ein Pflegeheim mit einer Isolationsstation für Covid-Patienten“, sagt Heigener. Bei der Suche unterstützt jetzt auch der Landkreis. Er hofft, dass sich eine Einrichtung findet, „dass sich was tut“.

Denn: Auch finanziell ist die Aufnahme der Quarantäne-Patienten ein derzeit nicht kalkulierbares Risiko für das Krankenhaus. Ob der medizinische Dienst der Krankenversicherung die Kosten für deren Betreuung trägt, sei noch nicht raus. „Wir stellen natürlich das Wohl der Menschen in den Vordergrund, aber das dicke Ende kommt erst noch“, mutmaßt Heigener. „Wir konnten nicht anders handeln, aber das wird nicht das Problem der Krankenkassen sein.“ Ohnehin sei Unterstützung im vergangenen Jahr einfacher zu bekommen gewesen, jetzt sei diese an immer mehr Bedingungen geknüpft.

Insgesamt sind derzeit 27 Patienten mit einer Covid-Erkrankung im Diakonieklinikum untergebracht. Fünf von ihnen liegen auf der Intensivstation, 22 auf der Normalstation. Bei allen geht der Arzt davon aus, dass sie an der britischen Mutation des Coronavirus erkrankt sind. Es würden nicht alle sequenziert, aber die, bei denen man es täte, zeigten die britische Variante. Diese ist wesentlich ansteckender als die klassische Variante, ob sie aber zu schwereren Verläufen führe, könne er bisher nicht beurteilen. „Das ist noch schwer rauszuarbeiten.“

Dr. David Heigener

Auffällig sei aber, dass mittlerweile viele jüngere Patienten im Krankenhaus sind. „Der Klassiker ist der 79-Jährige ohne Impftermin“, erklärt Heigener. Viele zeigen Begleiterkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder sind übergewichtig. Erfreulich sei, dass es keine Über-80-Jährigen mit schweren Verläufen mehr gebe: Da scheinen die Impfungen offensichtlich zu wirken, erklärt Heigener. Deswegen sei es wichtig, diese weiter „mit hohem Engagement“ voranzutreiben.

Nicht vergessen sollte man indes, dass man weiterhin andere Menschen mit dem Virus infizieren kann, selbst wenn man geimpft ist. Deswegen sind die Hygienemaßnahmen wie das Tragen der Maske vorerst weiter unerlässlich, so der Mediziner. Aber das Risiko sei geringer als bei den Nicht-Geimpften.

Heigener hofft, dass die aktuelle Welle wieder abebbt. Es seien momentan viele Patienten im Krankenhaus. Er spricht von einem oftmals „diffusen Ausbruchsgeschehen im Landkreis“. Bei vielen Menschen, die an Covid-19 erkrankt sind, lässt sich nicht mehr einordnen, woher sie es haben. So hat es auch der Landkreis mitgeteilt, sprach in einer Meldung vor wenigen Tagen ebenfalls von „einer Vielzahl von Infektionsketten“ statt einzelner großer Fallgeschehen. Heigener vermutet, dass die Fallzahlen nicht mehr rasant steigen werden, sich die Inzidenz aber noch eine ganze Weile im aktuellen Niveau bewegen wird. Das zeigen auch die Werte von Donnerstag: Mit einer Inzidenz von 101 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner steuert der Landkreis wieder auf die Notbremse zu.

Das Krankenhaus verfügt für den Fall der Fälle über einen dynamischen Stufenplan. Kommen auf einmal mehrere Patienten, auch mit schweren Verläufen, kann sofort umgeschichtet werden. „Aber zu einem hohen Preis“, so Heigener – planbare Eingriffe müssen dann verschoben werden. Aber die Versorgung ist gewährleistet. Zwar gibt es auch unter Mitarbeitern immer wieder Quarantänefälle, bisher sei aber alles machbar. „Es ist für alle anstrengend, wir versuchen, es im Lot zu halten.“

Inzidenz überschreitet wieder die 100er-Marke

Die Zahl der Neuinfektionen innerhalb einer Woche in Bezug auf 100 000 Einwohner liegt am Donnerstag bei 101. Mit dieser Sieben-Tage-Inzidenz bewegt sich der Landkreis Rotenburg weiterhin an der Grenze zur Notbremse. Zwar lag der Wert am Mittwoch wieder unter 100, doch bleibt er die kommenden beiden Tage oberhalb dieser Grenze, würde der Landkreis am Samstag eine neue Allgemeinverfügung herausgeben. Die mit der Notbremse verschärften Regelungen würden dann ab Montag gelten.Seit Montag gibt es nach Angaben des Gesundheitsamts 41 neue Corona-Fälle. Damit sind bislang 3 559 Menschen positiv getestet worden. Als aktuell infiziert gelten 357 im Landkreis wohnhafte Menschen, von denen 18 im Krankenhaus behandelt werden. Die meisten Fälle verzeichnet die Stadt Rotenburg mit 121, gefolgt von Zeven (60) und Bremervörde (57). Im Südkreis sieht die Verteilung so aus: Sottrum 19 Fälle, Scheeßel 22 Fälle, Fintel 10 Fälle, Bothel 16 Fälle und Visselhövede 15 Fälle. 743 Kontaktpersonen sind in Quarantäne. Fragen zu Corona beantwortet das Bürgertelefon montags bis freitags von 9 bis 13 Uhr unter 04261 / 983983.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Israel greift Hamas-Tunnel an - Feuerpause nicht in Sicht

Israel greift Hamas-Tunnel an - Feuerpause nicht in Sicht

Bundesregierung: „Antisemitische Kundgebungen nicht dulden“

Bundesregierung: „Antisemitische Kundgebungen nicht dulden“

Rund 1750 Raketenabschüsse auf Israel - Viele Tote in Gaza

Rund 1750 Raketenabschüsse auf Israel - Viele Tote in Gaza

Massive Raketenangriffe: Israel antwortet mit Luftschlag

Massive Raketenangriffe: Israel antwortet mit Luftschlag

Meistgelesene Artikel

Visselhöveder „Tupperdose“ auf Rädern

Visselhöveder „Tupperdose“ auf Rädern

Visselhöveder „Tupperdose“ auf Rädern
Neues Flugplatz-Bistro: Zwischenstopp nicht nur für Piloten

Neues Flugplatz-Bistro: Zwischenstopp nicht nur für Piloten

Neues Flugplatz-Bistro: Zwischenstopp nicht nur für Piloten
Verkehrsausschuss für Stärkung der wichtigsten Buslinie im Kreis

Verkehrsausschuss für Stärkung der wichtigsten Buslinie im Kreis

Verkehrsausschuss für Stärkung der wichtigsten Buslinie im Kreis

Kommentare