Purrucker löst Rinck ab

Wechsel an der Spitze der Rotenburger CDU-Fraktion

Tilman Purrucker (links) folgt an der Spitze der Rotenburger CDU-Fraktion auf Klaus Rinck.

Rotenburg - In der Rotenburger CDU-Stadtratsfraktion gibt es einen Führungswechsel. Die Christdemokraten haben einstimmig Tilman Purrucker zum neuen Vorsitzenden gewählt. Der 69-Jährige löst damit Klaus Rinck ab, der jetzt einen der beiden Stellvertreterposten übernimmt, den zuvor Purrucker bekleidet hat. Als weitere Stellvertreterin sitzt ab sofort Franziska Kettenburg mit am Vorstandstisch, weil CDU-Urgestein Heinz-Günter Bargfrede seinen Posten zur Verfügung gestellt hat. Mirco Klee haben die CDU-Ratsmitglieder in seinem Amt als Schriftführer bestätigt. „Ich gratuliere Tilman Purrucker ganz herzlich zur Wahl zum Fraktionsvorsitzenden. Ich habe als Parteivorsitzender gut mit Klaus Rinck zusammengearbeitet. Diese gute Zusammenarbeit wird mit dem neunen Vorsitzenden sicher fortgesetzt“, teilt der CDU-Gemeindeverbandsvorsitzende Eike Holsten mit.

„Es hat gar nicht geknallt“, versichert Purrucker auf die Frage nach dem Warum für die personellen Veränderungen. Nach dem angekündigten Rückzug von Bürgermeister Andreas Weber (SPD) habe sich die CDU-Fraktion in dieser Woche „intensiv mit der neuen Lage auseinandergesetzt“ und dabei vor allem auch nach Wegen gesucht, um die „derzeit stark emotional aufgeladene Stimmung im Rat in ein konstruktives Klima“ zu überführen. Der bisherige Fraktionschef Klaus Rinck habe seinen Kollegen dazu einen Vorschlag gemacht, der einstimmig angenommen worden sei.

„Aufgrund meiner Haltung zur Frage, ob an der IGS Rotenburg eine dritte Oberstufe eingerichtet werden soll, habe ich mich in den letzten Jahren zahlreichen persönlichen Angriffen ausgesetzt gesehen. Mit den in der Presse erhobenen Vorwürfen, die CDU-Fraktion habe es unter meiner Leitung von vornherein darauf angelegt, Herrn Bürgermeister Weber aus dem Amt zu drängen, haben diese Attacken eine neue Dimension erreicht“, wird Rinck in einer Mitteilung Purruckers zitiert. Der parteilose Ekkehard von Hoyningen-Huene, für die Grünen im Stadtrat, hatte gegenüber der Kreiszeitung erklärt, dass es das Ziel der führenden Akteure der konservativen Seite gewesen sei, „den SPD-Bürgermeister Andreas Weber loszuwerden“. Er schrieb von einflussreichen Gegnern Webers, „die nun ihr Ziel erreicht haben.“ In dieser „mit Wut aufgeladenen Atmosphäre“ könne er, so Rinck, die Fraktion kaum noch – wie er es gern tun würde – sachorientiert nach außen hin vertreten. In einer solchen Situation sei es nötig, sich selbst im Interesse Rotenburgs zurückzunehmen.

Tilman Purrucker dankt seinem Vorgänger und erklärt, dass er „großen Respekt“ vor der für ihn neuen Aufgabe habe. Der frühere, langjährige Leiter der Rotenburger Kreismusikschule gehört seit Beginn dieser Wahlperiode dem Stadtrat an. Aber bereits seit Ende der 90er-Jahre habe er sich als beratendes Mitglied im Rotenburger Kulturausschuss nach und nach an die Rotenburger Kommunalpolitik herangetastet. Seit seinem Einzug in den Stadtrat habe er sehr genau hingeguckt, was die erfahrenen Kollegen machen. „Das ist immer spannend, und für mich ist das ein Lernprozess“, sagt er. Mit Blick auf die neue Aufgabe stellt er zugleich fest, dass man es ja nun nicht mit einem „Totalkrieg“ zu tun habe, „aber es herrscht keine gute Stimmung“. Er wolle versuchen, eben diese Stimmung zu verbessern und für „mehr Respekt im Umgang“ miteinander sorgen. Die Diskussionen über den Antrag auf Einführung einer Oberstufe für die Integrierte Gesamtschule (IGS) „haben zuletzt für extremen Unmut gesorgt, und es ist eine Spaltung erfolgt“, so der 69-Jährige. Das sei Teil der Stimmung, die zuletzt von mehreren Seiten beklagt worden ist. Bei der neuen Aufgabe komme ihm die Führungserfahrung aus der langen Zeit mit großer Verantwortung aus der Kreismusikschule durchaus zugute. Mit der CDU-Fraktion habe er ein gutes Team: „Jeder ist mit einer unglaublichen Ernsthaftigkeit dabei.“ Gleichwohl sei festzustellen, dass Klaus Rinck mit seiner Position in Sachen IGS oftmals zu sehr allein ganz vorne stand. „Es haben ihn zwar alle unterstützt, aber vielleicht sind wir zu wenig mit nach vorne gegangen.“ Dennoch versichert Tilman Purrucker stellvertretend für die gesamte CDU-Fraktion: „Die waren nicht einfach nur Claqueure.“

„Tendenziell keine Ablehnung“

Der Rat der Stadt Rotenburg hat im November zum zweiten Mal nach 2018 die Einführung einer Oberstufe an der Integrierten Gesamtschule (IGS) in Rotenburg abgelehnt. Oberstufen-Befürworter Andreas Weber (SPD) hatte seine Zukunft als Bürgermeister von der Abstimmung abhängig gemacht. Der Rat lehnte die Oberstufe in geheimer Wahl mit 18 zu 15 Stimmen ab. Weber will nun im Januar einen Antrag auf vorzeitigen Ruhestand stellen; er braucht dafür im Rat eine Dreiviertelmehrheit. „Tendenziell“, so CDU-Fraktions-Chef Tilman Purrucker, „werden wir den Antrag nicht ablehnen.“

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