Vorwurf: Gefährliche Körperverletzung

Prozess um Schüsse am Cleanpark in Rotenburg beginnt

Prozessauftakt im Schwurgerichtssaal des Landgerichts in Verden
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Prozessauftakt im Schwurgerichtssaal des Landgerichts in Verden. Wegen der Vielzahl an Verfahrensbeteiligten soll, wann immer es möglich ist, in der Stadthalle am Holzmarkt in Verden verhandelt werden.

Vor dem Landgericht in Verden hat der Prozess nach der Schießerei in Rotenburg im Januar auf dem Gelände des „cleanpark“ begonnen. Ein in Untersuchungshaft sitzender 19-jähriger Scheeßeler soll mit einem Revolver einem 21-Jährigen mehrfach in die Beine geschossen haben.

Verden/Rotenburg – Ein halbes Jahr nach einer Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen junger Männer auf dem Gelände einer Waschanlage an der Otto-von-Guericke-Straße in Rotenburg ist am Montag am Landgericht Verden der Prozess gestartet. Zwei 19-Jährige aus Scheeßel und Lindlar (Nordrhein-Westfalen) und zwei 20-Jährige aus Lauenbrück und Scheeßel sind angeklagt wegen gefährlicher Körperverletzung. Der in Untersuchungshaft sitzende 19-jährige Scheeßeler soll mit einem Revolver einem heute 21-Jährigen aus 80 Zentimeter Entfernung mehrfach in die Beine geschossen haben.

Reichlich bewaffnet waren der Anklageschrift zufolge die Beteiligten auf beiden Seiten. Die Angeklagten mit mehreren Schlagstöcken, Machete, Pfefferspray und dem Revolver. Eine Gruppe um den damals mit Schüssen verletzten 21-Jährigen mit Axt und Brecheisen. Die Gruppe um den Mann mit den „multiplen Schussverletzungen“ soll die Angeklagten zum späteren Tatort bestellt haben. Laut einem Gerichtssprecher waren es sechs Geschädigte. In der Anklageschrift heißt es, dass diese sich selbst bewaffnet haben, um die Angeklagten „in einen Hinterhalt zu locken und Rache zu nehmen“ – weil sich der 20-Jährige aus Scheeßel in Anwesenheit des 20-Jährigen aus Lauenbrück und des 19-Jährigen aus Lindlar in eine Auseinandersetzung zwischen einem Mann und einer Frau eingemischt habe. Bei der Tat am 18. Januar 2021 gegen 21 Uhr beim Cleanpark soll das Paar aber nicht gewesen sein.

„Mindestens gleichgültig“ Tod in Kauf genommen

Mit dem Golf des 19-Jährigen aus Lindlar sollen die Angeklagten zum „cleanpark“ gefahren sein. „Im bewussten und gewollten Zusammenwirken setzten die Angeklagten die mitgeführten Gegenstände gegen die Geschädigten ein“, verlas der Staatsanwalt. Der 20-jährige Scheeßeler habe Pfefferspray eingesetzt. Geschlagen habe der 19-Jährige aus Lindler mit einem Teleskopschlagstock, und der 20-Jährige aus Lauenbrück soll die flache Seite der Machete zum Schlagen eingesetzt haben. Scheinbar während des Ganzen habe der derzeit inhaftierte 19-Jährige den Revolver gezogen. „Er gab mehrer Schüsse in die Luft ab“, so der Staatsanwalt. Unklar sei, ob er damit die „Stimmung anheizen oder die Gruppe auseinanderbringen wollte“. Dann habe er „aus 80 Zentimeter Entfernung viermal auf die Beine des mit der Axt bewaffneten Geschädigten“ geschossen. Dass dieser sterben könnte, „war ihm mindestens gleichgültig“. Danach seien die vier Angeklagten geflüchtet.

Auf diesem Gelände in Rotenburg fielen am 18. Januar die Schüsse.

Einen Tag nach der Tat war ein Haftbefehl gegen den Angeklagten erlassen worden, mit dessen Golf das Quartett nach Rotenburg gefahren war. Einen weiteren Tag später gegen die anderen drei Männer. Aktuell sitzt nur noch der mutmaßliche Schütze in Untersuchungshaft. Ihm wird mit einer zweiten Anklageschrift unerlaubtes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vorgeworfen. Bereits im Juni 2020 sollen in seinem Zimmer in Scheeßel zum Verkauf verpackte 183 Gramm Marihuana und 2 940 Euro Bargeld sichergestellt worden sein. Anklage wurde jedoch erst im Mai 2021 erhoben.

Ob die Geschädigten ihre Waffen auch eingesetzt haben, dazu sagt die Anklageschrift nichts aus. „Gegen einige der Zeugen sind Strafverfahren eingeleitet worden“, merkte der Vorsitzende Richter Lars Engelke an. Und dass ein Teil der Zeugen ihm bereits aus einem großen Verfahren um gewalttätige Auseinandersetzungen im Jahr 2016 in einer Verdener Flüchtlingsunterkunft, damals in der Verdener Berufsschule, bekannt seien. In welcher Rolle damals, ließ er offen.

Neun weitere Prozesstage

„Wer überhaupt noch etwas sagt, ist schwer zu prophezeien“, so Engelke. Zeugen haben das Recht, die Aussage zu verweigern, wenn sie sich selbst damit belasten. Ob die Angeklagten sich äußern werden, ist noch unklar. Am Montag hatten sie dazu keine Möglichkeit. „Ein Geständnis hat am Anfang den größten Wert“, signalisierte er den vier Angeklagten. Damit könne man auch den für sie „finanziell belastenden“ Prozess „abkürzen“.

Derzeit geplant sind neun weitere Verhandlungstage bis zum 22. September. Fortgesetzt werden soll am 22. Juli um 9 Uhr in der Verdener Stadthalle.

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