Gemeinschaftliche Umfrage unter Jugendlichen in Rotenburg abgeschlossen

Prozess statt Ergebnis

Straßensozialarbeiter Eduard Hermann
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Straßensozialarbeiter Eduard Hermann
  • Guido Menker
    vonGuido Menker
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Rotenburg – Freundschaft, Hilfsbereitschaft und Respekt, aber auch Familie und Ehrlichkeit – das sind aus Sicht der Jugendlichen in Rotenburg Werte und Normen, die ihnen besonders am Herzen liegen. Das ist eines der Ergebnisse einer Umfrage, die die beiden Straßensozialarbeiter Eduard Hermann und Franziska Gölitzer zusammen mit einer Erzieher-Klasse der Elise-Averdieck-Schule unter Schülern der Jahrgänge sieben bis zehn an der IGS sowie am Ratsgymnasium durchgeführt haben.

Wie sieht sie eigentlich aus, die Lebenswelt von Jugendlichen in Rotenburg? Nicht von außen, sondern von innen betrachtet. Genau darum ging es den beiden Machern der Aufsuchenden Jugendsozialarbeit in der Kreisstadt zusammen mit dem Dozenten Bernd Janssen von der Elise-Averdieck-Schule. Diese gemeinschaftliche Erhebung sei fundiert und damit sehr wertvoll, ist Hermann überzeugt. Zusammen mit Franziska Gölitzer und Bernd Janssen hat er die Ergebnisse im Rotenburger Jugendausschuss vorgestellt.

Wer nun allerdings glaubt, es gibt ein Fazit, mit dem sich womöglich auf Jahre hinaus klären ließe, welche Wünsche und Bedürfnisse Jugendliche in der Kreisstadt haben, sieht sich getäuscht. Das Ergebnis lasse sich eben nicht in Stein meißeln, sagt Janssen, sondern es sei offen, weil sich die Wahrnehmung des Ist-Zustandes und der Bedarf Jugendlicher in einem fortwährenden Prozess befänden. Die Aufsuchende Jugendsozialarbeit sei ein guter und wichtiger Begleiter in diesem offenen Prozess.

343 Schüler haben sich an dieser Umfrage beteiligt, die in Form von zehnminütigen Interviews mehrere Fragen aufgegriffen hat. 164 Mädchen und 179 Jungen haben mitgemacht. Die Schwerpunkte waren Freizeitgestaltung, Medien, Identität und Wohlbefinden. Mehr als 20 angehende Erzieher zeigten sich begeistert und nahmen die Umsetzung dieser Befragung in die Hand. Ein Eindruck bei der Auswertung: Jungen und Mädchen in den Jahrgangsstufen 7 bis 10 zeigen kein deutliches Interesse an geschlechterspezifischen Angeboten. Derart spezifische Angebote seien daher infrage zu stellen.

Ein weiteres Resultat: Das Engagement für gesellschaftliche Themen der Jugendlichen könnte deutlich vom aktuellen Diskurs in der Gesellschaft geprägt sein. Interessant, so Franziska Gölitzer: „Integration wurde insgesamt am wenigsten genannt. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Jugendlichen in Rotenburg Integration möglicherweise als selbstverständlich ansehen.“

Freundschaft und sportliche Aktivitäten haben der Umfrage nach einen hohen Stellenwert bei der Freizeitgestaltung Jugendlicher. Dass sich viele von ihnen in Rotenburg ein Kino wünschen, könnte – neben dem Umstand, das Kino als solches zu nutzen – auch Ausdruck des Wunsches nach einem Ort der Begegnung sein. Informationen über Freizeitangebote wünschen sich die Jugendlichen allen voran via Handy und damit über die verfügbaren sozialen Medien. Nur etwas mehr als die Hälfte der Mädchen und Jungen übrigens ist der Meinung, dass es in Rotenburg zu wenige Plätze gibt, um sich treffen zu können. Sie treffen sich überwiegend an öffentlichen Plätzen – also an Orten abseits des Elternhauses und der Schule. Ein Ort ohne Kontrolle also, der allerdings die Möglichkeit bietet, sich einfach zu begegnen.

Welche Schlüsse sind aus dieser Umfrage, die noch viele weitere, sehr detaillierte Ergebnisse liefert, zu ziehen? Das wird ganz sicher immer wieder auch Thema im Jugendausschuss sein. Aber auch auf anderer Ebene lassen sich die Erkenntnisse grundsätzlicher Art als Grundlage für politische Entscheidungen nutzen. Ein gutes Beispiel dafür ist die bereits auf den Weg gebrachte Neugestaltung der Skateranlage am Bahnhof. Jugendliche selbst waren involviert, als es um die Frage ging, wie die Anlage aussehen und beschaffen sein soll. Ist sie erst einmal fertig, ist dies die wohl beste Voraussetzung, dass die Anlage – fernab von „Kontrollen“ – auch genutzt wird und zugleich als Treffpunkt dient. Mit Blick auf die Befragung sagt Bernd Janssen sehr deutlich, dass sich die Ergebnisse in großen Teilen mit denen der bundesweiten Studien deckten, die immer wieder durchgeführt werden.

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