Rotenburger Diakonieklinikum engagiert Personal von den Philippinen

Projekt gegen Pflegemangel

Das Diakonieklinikum in Rotenburg setzt in der Pflege auf Hilfe von den Philippinen. Olaf Abraham (r.) und neben ihm Sonja Döhren sowie Eugenia Henke und Elisabeth Najork (v.l.) freuen sich über die neuen Kollegen, zu denen auch Nathan Jr Tijam und Joana Gil Nino gehören.
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Das Diakonieklinikum in Rotenburg setzt in der Pflege auf Hilfe von den Philippinen. Olaf Abraham (r.) und neben ihm Sonja Döhren sowie Eugenia Henke und Elisabeth Najork (v.l.) freuen sich über die neuen Kollegen, zu denen auch Nathan Jr Tijam und Joana Gil Nino gehören.

Rotenburg – Der Aufwand ist groß, aber Olaf Abraham als Pflegedirektor am Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg verspricht sich sehr viel von diesem neuen Weg. Schließlich geht es darum, dem Pflegemangel zu begegnen: Mit einer coronabedingten Verspätung von einem Jahr sind jetzt die ersten zehn von zunächst 33 vorgesehenen Pflegekräften von den Philippinen in Rotenburg angekommen und haben ihre Arbeit aufgenommen.

„Der Pflegemangel schlägt durch, und dass er auch uns treffen wird, ist uns schon länger klar“, betont Abraham. Die Entscheidung, sich nach zusätzlichen Pflegefachkräften aus dem außereuropäischen Ausland umzuschauen, sei 2019 gefallen. Wie aber geht man vor? Wer kann dabei helfen? Und wie läuft das alles ab? Viele derartige Fragen waren zu klären – am Ende ist die Entscheidung für eine Zusammenarbeit mit der Frankfurter Vermittlungsorganisation True Care gefallen. „Es ist schon eine komische Sache“, sagt Abraham, „aber True Care macht auf uns einen guten Eindruck.“ Es sei ein Projekt mit langfristigen Perspektiven – und zwar für beide Seiten.

Das Diakonieklinikum selbst ist damit allerdings nicht raus aus diesem Prozess. Im Gegenteil: Der Aufwand ist groß – auch hier vor Ort. Schließlich ist es wichtig, alles so gut wie möglich vorzubereiten, um den neuen Kollegen am Ende einen guten Einstieg zu verschaffen. Elisabeth Najork sowie Eugenia Henke aus dem Bereich der Integrations-Koordination sowie die Personalreferentin Sonja Döhren arbeiten intensiv in diesem Projekt mit.

Mit am Tisch sitzen beim Gespräch darüber an diesem Montagmorgen der 28-jährige Nathan Jr Tijam sowie die 27-jährige Joana Gil Nino. Sie gehören zu der ersten Gruppe von zehn Frauen und zwei Männern, die sich für einen Wechsel von den Philippinen nach Deutschland entschieden haben. „Es war zu Anfang noch schwierig. Viele neue Worte. Mit den Kollegen geht es sehr gut“, sagt die junge Frau. Sie beide sind zum ersten Mal in Deutschland, vor allem die Kälte macht ihnen zu schaffen.

Die neuen Mitarbeiter kommen zunächst in vom Diako angemieteten beziehungsweise zur Verfügung gestellten Wohnungen unter. Sie haben einen Vertrag als Pflegehelfer, nach einem halben Jahr müssen sie eine Kenntnisprüfung absolvieren und damit das deutsche Examen nachholen, um als Pflegefachfrau oder -mann weitermachen und dafür entsprechend neue Verträge abschließen zu können. Pflegedirektor Olaf Abraham unterstreicht allerdings: „Es handelt sich um sehr gut ausgebildete Mitarbeiter. Sie haben ein Studium, einen Bachelor und einige sogar einen Master.“ Joana Gil Nino ist jetzt am Diako in der Neurologie tätig. In ihrer Heimat war sie in der Notfallversorgung sowie in der Dialyse beschäftigt. Nathan Jr Tijam setzt das Diako in der Gastroenterologie ein. Er kennt diesen Bereich. Die junge Frau erklärt: „Wir haben es hier mit anderen, für uns neuen Geräten zu tun, aber die Kollegen unterstützen uns sehr.“

An genau diese Situationen haben die beiden Integrations-Koordinatoren bereits im Vorfeld gedacht: „Wir haben einen Mentoring-Kurs angeboten, um Ansprechpartner für die neuen Kollegen gerade in der ersten Zeit auf den Stationen des Krankenhauses zu haben“, sagt Elisabeth Najork. Da geht es um sprachliche, aber eben auch um fachliche Fragen.

Die Mitarbeiter von den Philippinen haben vor ihrer Abreise in eine neue Zukunft ein Vorbereitungsprogramm in Manila absolviert. Voraussetzung für die Teilnahme an diesem Programm war für sie neben einem Sprachkursus mit dem Abschluss B2 auch eine Fortbildung, in der sie sich mit der hiesigen Kultur und der Form der Pflege in deutschen Krankenhäusern beschäftigen. „Da gibt es doch eine Reihe von Unterschieden“, weiß Abraham zu berichten. Parallel ging es für das Diako darum, die Kollegen zumindest online kennenzulernen. Abraham berichtet von guten und sehr offenen Gesprächen. Mitte vergangenen Jahres waren alle erorderlichen Vorbereitungen für die erste Gruppe getroffen – „doch dann kam uns Corona dazwischen, an eine Ausreise nach Deutschland war nicht zu denken“.

Alles habe sich hingezogen, die Verzögerung erstreckte sich am Ende über ein Jahr. Der Pflegedirektor: „Das war für die Kolleginnen und Kollegen furchtbar.“ Zugleich ist dieses Projekt für das Diako von enormer Bedeutung, denn mit Corona hat sich der Fachkräftemangel über all in der Pflege noch einmal verschärft, wenngleich Abraham nur von einer Fachkraft wisse, die die Segel gestrichen und sich angesichts der Belastungen einen anderen Job gesucht hat.

Fast 700 Frauen und Männer sind am Diakonieklinikum in der Pflege beschäftigt. Abraham unterstreicht, dass man sich nicht mit dem Erfüllen der gesetzlichen Vorgaben allein eben nicht zufrieden gebe, sondern die Pflege über diesen Standard hinaus besetzen wolle. Und so wundert es nicht, dass die Kooperation mit True Care fortgesetzt wird; der nächste Vorbereitungskursus auf den Philippinen habe bereits begonnen. „Wir erwarten im Februar kommenden Jahres die nächsten 18 Kolleginnen und Kollegen.“ Dieser Kursus dauert dort ein halbes Jahr. Das Projekt sei auf Dauer angelegt. Einige der zugereisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möchte ihre Frauen und Männer – zum Teil haben sie auch schon Kinder – nachholen nach Deutschland. Zu spüren sei, so Elisabeth Najork, dass es mit dem beschleunigten Fachkräfteverfahren inzwischen recht gut laufe: „Die Behörden haben sich da sehr bewegt.“

Nachdem die ersten der zunächst geplanten 33 philippinischen Kollegen ihren Job angetreten haben, ziehen Najork und ihre Kollegin Eugenia Henke eine erste positive Bilanz: „Es war für sie ein großer Sprung, den sie gemacht haben, aber wir stellen schon jetzt bei ihnen einen großen Lernprozess fest.“ Vor allem sprachlich machten sie sehr große Fortschritte. Najork und Sonja Döhren versichern, dass diese neuen Fachkräfte langfristig bleiben sollen, nicht also nur hier sind, um kurzfristig den Fachkräftebedarf zu decken. „Wir wollen, dass sie bleiben“, so Najork.

Das Rotenburger Diakoniklinikum hat für den Konzern Agaplesion mit diesem Schritt übrigens eine Art Pilotprojekt unternommen. Alles sei natürlich sehr genau geprüft worden im Vorfeld. „Unsere Erfahrungen werden natürlich zurückgespielt, andere Kliniken sind ja ebenfalls an diesem Thema dran“, weiß Abraham. Was er schon jetzt sagen kann: Die neuen Kollegen sind nicht nur gut ausgebildet, sondern sie „sind auch sehr nett. Und das macht dieses Projekt gerade so gut, das freut mich ganz besonders.“

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