Programm mit Problemen

Ian baut sich eine Uhr. Der Zehnjährige hat sich gleich für mehrere Angebote angemeldet.
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Ian baut sich eine Uhr. Der Zehnjährige hat sich gleich für mehrere Angebote angemeldet.
  • Guido Menker
    vonGuido Menker
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Das Kinderferienprogramm des Rotenburger Jugendzentrums ist seit Jahrzehnten eine Institution. In den letzten Jahren hat das Team rund 2 000 Teilnehmerplätze anbieten können. Jetzt macht Corona diesem Ferienspaß einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. 56 Angebote sind es zurzeit, es gibt ganze 50 Anmeldungen bei 310 zur Verfügung stehenden Plätzen.

Rotenburg – Der Lockdown ist vorbei, und auch das Rotenburger Jugendzentrum ist seit dem 8. Juni wieder geöffnet. Aber alles bleibt anders. Und das gilt auch für das Kinderferienprogramm. Mit einem deutlich reduzierten Angebot versuchen Rita Kryszon und Holger Kunz, zu retten, was zu retten ist. „Viele haben gar nicht mitbekommen, dass wir überhaupt etwas anbieten, manche Eltern waren außerdem verunsichert“, sagt die Leiterin des Jugendzentrums an der Bergstraße. Letztendlich war erst sehr kurz vor den Ferien klar, was möglich sein würde – auf die Herausgabe des üblichen Programmheftes hat man verzichtet, weil es zu knapp geworden wäre, es noch rechtzeitig über die Schulen zu verteilen. Immerhin gibt es positive Rückmeldungen. Von den Kindern, die in diesen Tagen dabei sind und die Angebote in vollen Zügen genießen, sowie von einigen Eltern, die gar nicht mehr mit einem Ferienprogramm gerechnet haben und sich nun sehr erfreut zeigen.

Für Holger Kunz und Rita Kryszon bedeutet die aktuelle Situation zwar mehr Übersichtlichkeit und weniger Organisation, aber auch ein gewisses Maß an Enttäuschung. „Ich empfinde das alles gar nicht als entspannt, denn so ist es eigentlich viel schwieriger“, meint Rita Kryszon. Sonst sei auch in den Ferien richtig Leben in der Bude, weil Kinder und Jugendliche eben diese Lebendigkeit zum Ausdruck bringen, die sie so sehr liebt. Und jetzt: gähnende Leere im Jugendzentrum und auf dem Außengelände. „Da geht was verloren. Etwas, das mir fehlt. Und das ist wirklich schade.“

Im Werkraum sitzen fünf Teilnehmer an den Tischen und bauen sich eine eigene Wanduhr. Ian ist einer von ihnen, und er sagt, dass er gleich mehrere Angebote wahrnehmen wird. Auch Leonie und Angelique sind nahezu jeden Tag mit von der Partie. Sie waren auch mit im Zoo Hannover. Holger Kunz war mit sieben Kindern in einem Kleinbus dort hingefahren. Viele weitere Ausflüge wird es nicht geben. Einmal noch geht es zum Kletterpark Höhenweg, und eine Tour führt eine Kleingruppe zum Wasser-Ski nach Neuhaus. Zwar wäre seit Anfang vergangener Woche wieder mehr möglich gewesen, „aber das ist selbst für uns zu kurzfristig“, unterstreicht Rita Kryszon. Das war mal anders. Eigentlich gehören zahlreiche Tagesausflüge zum Ferienprogramm, und eben die sind in der Regel ganz fix ausgebucht. Die sonst übliche Beteiligung zahlreicher Vereine, die Jahr für Jahr jede Menge Angebote unter dem Dach des Jugendzentrums in den Ferien auf die Beine stellen, fällt in diesem Jahr deutlich geringer aus. Gut für die Kinder und ihre Eltern: Diesmal sind alle Programmpunkte kostenlos. Und so dürften sich die Ausgaben für das Ferienprogramm unter 1 000 Euro bewegen – im Normalfall kommen da Kosten von rund 15 000 Euro zusammen. Wenig Programm, wenige Teilnehmer – die einzige, die sich ein wenig mehr freuen dürfte, ist Kämmerin Kristina Hollmann.

Dass das inzwischen reduzierte Team – Marcus Libbertz hat das Jugendzentrum vor Kurzem wieder verlassen – dennoch mit ganzem Herzen bei der Sache ist, zeigt sich im Gespräch mit der Kreiszeitung, aber besonders im Werkraum, wo Ian und vier weitere Teilnehmer immer noch an ihren Uhren basteln. Rita Kryszon und Holger Kunz freuen sich zudem auf das, was noch so kommt in den nächsten Wochen – und hoffen, dass sich vielleicht doch noch ein paar Kinder mehr anmelden. Das geht am besten telefonisch unter 04261 / 2276.

Corona und die Folgen für das Rotenburger Jugendzentrum

„Die Vorgaben der Landesregierung beinhalteten eigentlich immer eine schlechtere Stellung für die Jugendarbeit.“ Das sagt Rita Kryszon, Leiterin des Rotenburger Jugendzentrums, in der Sitzung des Jugendausschusses. Dort legt Kryszon einen umfassenden Bericht für die vergangenen Monate vor. Den Blick richtet sie dabei auf die Zeit vor Corona, aber eben auch auf die Zeit, seitdem die Pandemie unser Leben bestimmt. „Auch jetzt sind die Regeln noch wesentlich strenger und komplizierter als in anderen Bereichen“, moniert sie. So dürfen sich im Jugendzentrum zeitgleich maximal zehn Personen aufhalten – inklusive der Mitarbeiter. Es gilt ein Abstandsgebot von anderthalb Metern. Zudem ein Hygiene- und Wegekonzept, Trennscheiben und gesperrte Sitzplätze. Kryszon: „Alle Vorgaben kamen immer extrem kurzfristig, vom Landesjugendring wurde das auch immer kritisiert.“ Seit dem 8. Juni ist das Jugendzentrum wieder geöffnet. Alle Lockerungen, die es vorher schon gab, hätten für die offene Jugendarbeit nicht gegolten. „Gestartet sind wir mit dem offenen Angebot und Kursangeboten. Bei den Kursangeboten war die Resonanz wesentlich besser als im offenen Bereich.“ Mit den Abstandsregelungen könnten sich die Jugendlichen nicht anfreunden, ergänzt Rita Kryszon: „Es ist auch schwer vermittelbar, warum sie im Jugendzentrum 1,5 Meter Abstand halten müssen, aber vorne auf dem Bürgersteig nicht.“ Eine Situation, mit dem das „JuZe“ nicht alleine dasteht. Die Rückmeldungen aus anderen Jugendzentren oder Einrichtungen seien ähnlich, auch dort blieben die Jugendlichen weg. Vor Corona hatte das Rotenburger Jugendzentrum rund 50 Besucher am Tag. Nach der Corona-bedingten Schließung läuft es jetzt eher schleppend an. Während des Lockdowns gab es nur die Möglichkeit, über soziale Medien, Telefon und in Ausnahmefällen persönlich Kontakt zu halten. Genutzt haben diese Wege fast nur junge Erwachsene mit Beratungsbedarf und starker Mitarbeiterbindung. Vielfach sei es um psychische Probleme gegangen.  men

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