Borco-Höhns beantragt Schutzschirmverfahren

Probleme beim Marktführer

Der Sitz von Borco-Höhns in Rotenburg. Foto: Röhrs

Das Rotenburger Fahrzeugwerk Borco-Höhns GmbH & Co. KG hat vergangene Woche beim zuständigen Amtsgericht in Walsrode ein sogenanntes Schutzschirmverfahren beantragt.

Rotenburg - Von Guido Menker. Das Gericht hat daraufhin Stefan Denkhaus von der Hamburger Kanzlei „BRL Boege, Rohde, Luebbehuesen“ zum vorläufigen Sachwalter für die Fahrzeugwerk Borco-Höhns GmbH & Co. KG, die Heineke-Borco GmbH & Co. KG sowie die Hinrich Heineke GmbH bestellt. Das teilt ein Sprecher des Unternehmens auf Anfrage der Kreiszeitung in einer E-Mail mit. Aufgrund einer drohenden Zahlungsunfähigkeit habe das Unternehmen das Schutzschirmverfahren beantragt, wodurch es zu einem Gläubigerschutz komme, um nun einen Sanierungsplan ausarbeiten zu können. Das Schutzschirmverfahren sei Teil der Insolvenzordnung und könne „journalistisch“ als Vorstufe eines möglichen Insolvenzverfahrens bezeichnet werden, so Thomas Schulz von der mit der Öffentlichkeitsarbeit beauftragten „tsc.komm“ in Köln.

Die beiden Geschäftsführer Andreas Elsässer und Alexander Starnecker haben demnach die rund 270 Mitarbeiter des Erbauers von Verkaufsfahrzeugen und -anhängern in einer Belegschaftsversammlung am Freitag darüber informiert, dass die weitere Sanierung mittels eines Schutzschirmverfahrens verwirklicht werden soll. „Die Gespräche zu unserem Wachstums- und Sanierungskonzept waren mit Finanzierern sowie mit Gesellschaftern weit fortgeschritten, konnten jedoch nicht zeitgerecht abgeschlossen werden“, wird Elsässer in der Mitteilung zitiert. „Wir wollen und werden jedoch die Aufbruchstimmung in der Belegschaft und bei unseren Kunden in unsere nach wie vor führenden Produkte nutzen. Somit ist das Schutzschirmverfahren ein mehr als geeignetes Instrument, um eine erfolgreiche Sanierung zu gestalten.“

Die Gesellschafterseite plant nun, über das Schutzschirmverfahren das Wachstums- und Sanierungskonzept zu unterstützen, um eine erfolgreiche Zukunft des Unternehmens zu ermöglichen, heißt es. Eine solche Nachricht sei zu diesem Zeitpunkt des Verfahrens bemerkenswert, teilt Schulz mit.

Das Marktumfeld für Verkaufsfahrzeuge sei in jüngster Vergangenheit durch weitere Auflagen, Regularien und Verunsicherungen im Rahmen der öffentlichen Debatten um die Zukunft von Dieselfahrzeugen geprägt gewesen. Dieser Entwicklung zum Trotz habe Borco-Höhns rund um die Hausmesse Anfang März Bestands- und Neukunden vom Produkt des Qualitätsführers begeistern können, was diesen März zu einem der verkaufsstärksten Monate in der Unternehmensgeschichte gemacht habe. „Mit der Umsetzung unseres Zukunftskonzepts werden wir unsere Position als Branchenprimus in Deutschland kurzfristig und in Europa mittelfristig weiter ausbauen können“, lässt Alexander Starnecker mitteilen. Zuversichtlich äußert sich auch Ernesto Harder von der IG Metall in Bremen: „Wir sehen die Arbeitsplätze nicht als bedroht an und stehen in Kontakt mit dem Arbeitgeber.“

Das Amtsgericht bestätigt auf Anfrage das beantragte Verfahren, das bis zu drei Monate läuft. Nach Aussage von Schulz seien zurzeit keine Arbeitsplätze bei Borco-Höhns gefährdet, und seines Wissens nach laufe die Produktion weiter. Die Mitarbeiter hätten am Freitag gefasst auf die Nachricht reagiert – auch, weil sie vom Versuch eines Wachstums- und Sanierungskonzeptes wussten. Von einer Katastrophe sei man weit entfernt, so Schulz. Auch, weil die Gesellschafter weiterhin an die Zukunft des Unternehmens glaubten.

Durchschnittlicher Umsatz: 30 Millionen Euro

Die Anfänge des Unternehmens Borco-Höhns gehen nach eigenen Angaben auf das Jahr 1954 zurück. Mit drei Mitarbeitern hat Richard Höhns einst eine Fabrik für Agrar- und Pkw-Anhänger gegründet. Heute sei Borco-Höhns mit Sitz in Rotenburg der unangefochtene Marktführer im mobilen Verkauf in Deutschland und beschäftigt rund 270 Mitarbeiter. Das schreibt das Unternehmen auf seiner Homepage. Zuletzt erwirtschaftete das Unternehmen einen durchschnittlichen Jahresumsatz von rund 30 Millionen Euro. Geschäftsführer sind Alexander Starnecker und Andreas Elsässer. Der frühere geschäftsführende Gesellschafter Lothar Geißler ist heute nur noch Gesellschafter und will sich zu dem beantragten Schutzschirmverfahren nicht äußern.

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