„Die Prinzen“ überzeugen in der ausverkauften Stadtkirche

Mit „Backstagepass ins Himmelreich“

Sebastian Krummbiegel (Dritter v.l.) und seine Mitstreiter haben das Publikum auch nach 26 Jahren noch im Griff. - Foto: Heyne

Rotenburg - Von Ulla Heyne. „Ich wär so gerne Millionär“ – ob „Die Prinzen“, die diesen Hit am Sonntagabend mit mehreren hundertstimmstarken Zuschauern in der Rotenburger Stadtkirche zelebrierten, mit ihren eingängigen Melodien wie „Mann im Mond“ oder „Küssen verboten“ tatsächlich Millionäre geworden sind, ist Spekulation.

Tatsache ist: „Eine Band, die sich seit 26 Jahren hält und für ein seit Wochen ausverkauftes Haus sorgt, hat auch jenseits der Charts nichts von ihrer Faszination eingebüßt!“, so Heidi Kohlmeyer vom Stiftungsvorstand anlässlich des 14. Stiftungskonzerts in elf Jahren. Und auch die Prinzen wunderten sich angesichts der geradezu frenetischen Publikumsresonanz: „Warum sind wir erst nach fünf Jahren wieder nach Rotenburg gekommen?“

Zwischen der Begrüßung und diesem Fazit von Frontmann Sebastian Krummbiegel lagen zwei Stunden geballten Ohrenschmauses: Die Prinzen lieferten ab, wie gewohnt: mit sauber durchkomponierten und in gefälligen Arrangements gesetzten Popsongs, viele davon längst Ohrwürmer, zumeist in sauberer Intonation der Vokalarbeiter, und vor allem gut gelaunt und mit mitreißender Performance. Da wurde ganz Rotenburg zum Backgroundchor; viele Besucher zeigten sich auch jenseits der Radiohits textsicher, etwa beim gesungenen Plädoyer fürs Fahrradfahren oder dem nur scheinbar patriotischen „Das alles ist Deutschland“. 

Satte Arrangements mit E-Gitarre, Bass, Keyboard und Drums wechselten ab mit reduzierten Soli, etwa vom „musikalischen Chef mit liebevoller Strenge“ Wolfgang Lenk an der akustischen Gitarre beim „Backstagepass ins Himmelreich“, einem modernen Bekenntnis zum Glauben. Davon finden sich auf dem jüngsten Werk, einem „Familienalbum“, noch mehr, etwa, als Jens Sembdner sich fragte: „Wo bin ich, wenn ich schlafe?“

Zweifellos: Die Band ist in die Jahre gekommen, wo man sich vermehrt mit essenziellen Fragen wie der nach der Dies- und Jenseitigkeit beschäftigen darf. Und man hält musikalisch Rückschau, und das nicht zu knapp: „Es war nicht alles schlecht“ ist denn ein griffiges Fazit, dem sich die meisten Besucher gern anschließen. Da wirkt „Du musst ein Schwein sein“ inhaltlich fast ein bisschen deplatziert. Gefeiert wird es trotzdem, ebenso wie natürlich „Alles nur geklaut“. Das findet Anton Henning mit zehn Jahren einer der jüngsten Besucher, besonders gut. 

„Die Prinzen“ spielen das 14. Stiftungskonzert in Rotenburg

Auf die Frage, ob er freiwillig mit Papa Stefan hier ist, der sich für das nächste Programm seiner A-Capella-Gruppe „Take this“ inspirieren lässt und die Show „fast noch besser als vor fünf Jahren“ findet, meint der Junior fast entrüstet: „Natürlich!“ Seinem Vater hat es vor allem die jamaikanische Spaßnummer „Suleiman“ mit Trommelsolo von Tobias Künzel angetan. Der beweist, wie nacheinander so gut wie alle Bandmitglieder, wie vielseitig die Prinzen nicht nur stilistisch, sondern auch in ihrer Wahl der Instrumente aufgestellt sind. Eindrucksvoll belegen sie dies mit dem ersten und dem letzten Stück, in denen die ehemaligen Sänger des Leipziger Thomanerchors quasi zurück zu ihren Wurzeln kehren: Zwei Choräle in der Stadtkirche als Rahmen für das Stiftungskonzert – stimmiger und stimmlich runder kann ein Konzert kaum sein.

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