Ministerpräsident Stephan Weil sieht die Stadt Rotenburg auf einem guten Weg

Weil in Rotenburg: „Prima, läuft gut!“

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Bürgermeister und Ministerpräsident radeln vorne weg.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Balsam für die Bürgermeister-Seele: Stephan Weil ist am Gründonnerstag zu Gast in der Kreisstadt und findet nur lobende Worte. Die nimmt sein Parteifreund und Bürgermeister Andreas Weber (SPD) gerne entgegen, gerade jetzt. Rotenburger Werke, Empfang im Rathaus, Radtour, Eisdiele und Pressehaus – das Programm in gut drei Stunden Rotenburg ist straff für den Landesvater, aber gehetzt wirkt er nicht. Terminstress ist Alltag – der Wahlkampf hat begonnen.

Angelverbot im Kinderferienprogramm? „Weber knickt ein.“ Unfallschwerpunkt Obi-Kreuzung? „Der Bürgermeister hätte längst handeln müssen.“ Kein Osterfeuer in Rotenburg? „Weber verbietet alles.“ Und wann baut er endlich das Kino? In diesen Tagen ist der Chef im Rathaus für viele Kommentatoren in den sozialen Netzwerken eigentlich für alles verantwortlich. Umso gelegener kommt der Besuch aus Hannover. 

Denn Stephan Weil nutzt seine zweite Stippvisite als Ministerpräsident in der Kreisstadt, um ihr ein gutes Zeugnis auszustellen. „Rotenburg? Prima, läuft gut!“, sagt er beim kurzen Empfang im Ratssaal, bevor er sich ins Goldene Buch der Stadt einträgt. Für die Landespolitik sei Rotenburg ja nicht auf einem anderen Planeten, sagt er, man blicke immer mal wieder hierhin. Und wenn er dann sehe, wie sich die Stadt bewege, dann komme er, der ja auch mal Kämmerer der Landeshauptstadt war, zu der Bilanz: „Ich habe den Eindruck einer Stadt gewonnen, die gut unterwegs ist.“

Ministerpräsident Stephan Weil (l.) trägt sich bereits zum zweiten Mal nach 2013 ins Goldene Buch der Stadt ein. 

Mit dem Rad durch Rotenburg 

Um dieses Urteil zu festigen, muss er erstmal aus dem Anzug raus. Weil huscht vom Ratssaal schnell ins Büro des Bürgermeisters, tauscht Bundfaltenhose gegen Jeans und Sakko gegen rote Outdoor-Jacke. „Andreas, wir können“, sagt er zum Bürgermeister. Genossen duzen sich. Dann geht es aufs Rad. Die Entourage aus Lokalpolitikern und Verwaltung, von ADFC, Bürgerbusverein, Presse und Staatsschutz folgt. „Abenteuerlich“, nennt Weber das Vorhaben, Rotenburg und seine Baustellen dem Ministerpräsidenten radelnd näherzubringen. „Ich habe schon größere Leistungen vollbracht“, entgegnet dieser trocken – im Nieselregen.

Man schaut kurz in der Integrierten Gesamtschule vorbei, legt einen Zwischenstopp am Neubau der Kita Lönsweg ein, Weil berichtet vom Besuch in den Werken, der ihn fasziniert habe. Eine so große soziale Einrichtung mitten in der Stadt? „Das ist gut fürs Klima.“ Und dazu die Umwelt! Rotenburg summt und brummt, Bienen freundlich sei man ja, für Radfahrer sowieso, und alles so schön bunt, Blumen, tolle Beete – die Stadt arbeite beeindruckend an ihrem Erscheinungsbild. Gerade die Mittelzentren in der Größe Rotenburgs seien die Säule Niedersachsens, schwärmt Weil.

Beim Halt in der „Eismanufaktur“ von SPD-Stadtratsfraktionschef Gilberto Gori – der Ministerpräsident gönnt sich drei Kugeln (Rotenburger, Baobab und Pistazie) – und anschließendem Kurzbesuch im Pressehaus noch ein bisschen Wahlkampf. Tobias Koch ist auch dabei, der soll Ralf Borngräber im Januar im Landtag folgen. „Ein guter junger Mann“, lobt Weil den Kandidaten. 

Es sei nicht verkehrt, wenn ein Politiker einen richtigen Beruf habe, zumal einen so dicht am Puls der Zeit. Der Gelobte hält sich bescheiden im Hintergrund, radelt in zweiter oder dritter Reihe auf seinem Hollandrad und erzählt, dass dieser richtige Beruf gerade das Osterfest durchkreuzt habe: Am Samstag ist Koch als Polizeibeamter beim brisanten Zweitligaderby Hannover gegen Braunschweig im Einsatz.

Vom Smaltalk zu ernsten Themen 

Im beschleunigten Verfahren werden noch ein paar Themen abgehandelt. Flüchtlinge, Bildung und Umwelt, dann noch das, was in Rotenburg für erhöhten Puls sorgt: In der Frage zum HVV-Beitritt des Landkreises habe das Land in finanzieller Hinsicht ein gutes Angebot gemacht, sagt Weil, und auch „die Rotenburger Rinne ist mir ein Begriff“. Die Sorgen bezüglich des Frackings dort nehme er sehr ernst, aber ob die Trinkwasservorranggebiete nun im Landesraumordnungsprogramm von der Erdgasförderung ausgenommen werden sollen? „Da bin ich etwas blank, was Fragen zur Fachplanung betrifft.“

Rathaus-Mitarbeiterin Inga Bäsmann hat die Zeichnung von Stephan Weil angefertigt.

Dann geht’s weiter, Parteitermin in Ritterhude – Weil gratuliert einer 104-Jährigen, die 90 Jahre SPD-Mitglied ist. Beeindruckend sei das, oder? Vorher muss aber der Anzug wieder an, alte Leute erwarteten das, runter vom Rad, rein in die Limousine, Weber winkt zum Abschied, und Weil tröstet den vor Ort viel Kritisierten der vergangenen Wochen: „Bürgermeister von Rotenburg, das muss doch die Vorstufe zum Paradies sein!“

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