KLIMASCHUTZ VOR ORT Projekt Lebensart an der Mühlenstraße

Prima Klima in der Haus-WG

Die Kunst, nachhaltig in einer Haus-WG zu leben, sorgt nicht nur bei Michaela Hoppe-Dörhöfer (v.l.), Astrid Schwarze-Bruns und Sabine Oldenbüttel, sondern auch bei den anderen elf Mitbewohnern für große Freude. Für das Gesamtprojekt gab’s sogar den Umweltschutzpreis. Foto: Menker

Rotenburg - Von Guido Menker. Umwelt- und Klimaschutz können nicht nur Spaß machen, sondern auch das eigene Leben bereichern. Genau das ist herauszuhören, wenn man sich mit Bewohnern des Projekts „LebensArt“ an der Mühlenstraße in Rotenburg für ein ausgiebiges Gespräch an einen Tisch setzt. Sabine Oldenbüttel, Astrid Schwarze-Bruns und Michaela Hoppe-Dörhöfer wirken entspannt und überzeugt, lebensfroh und zufrieden. Der Tisch im Gemeinschaftsraum ist lang, von draußen strömt reichlich Licht durch die großen Fenster. Prima Klima also in dieser Hausgemeinschaft, die einen ganz eigenen Weg für das Zusammenleben entwickelt hat. Ein Weg, der gekennzeichnet ist von zahlreichen Maßnahmen zum Umwelt- und Klimaschutz, die bereits nach nur anderthalb Jahren ganz offensichtlich zu einer Selbstverständlichkeit geworden sind.

Acht Wohnungen, 14 Bewohner und dazu drei Hunde. „Die Gemeinschaft spielt bei uns eine sehr große Rolle“, sagt Astrid Schwarze-Bruns. Zusammen mit ihrem Mann Stefan Bruns sowie dem Ehepaar Zimmermann hatte sie für den Bau dieses Hauses eine GbR gegründet. Die wiederum hat es an den Verein „LebensArt“ vermietet. Wer in diesem Haus eine Wohnung beziehen möchte, muss nicht nur Mitglied werden, sondern von den anderen Bewohnern grünes Licht für einen Mietvertrag bekommen.

„Wir alle wollen nicht alleine, auch nicht zu zweit leben“, sagt Michaela Hoppe-Dörhöfer. Damit spricht sie allen Mitbewohnern aus der Seele. Denn die Gemeinschaft unter der Überschrift „LebensArt“ spiele in diesem Haus eine ganz besondere Rolle. Jeder habe zwar seinen eigenen Bereich, aber eben immer auch die Möglichkeit, Gesellschaft zu finden. Und sei es nur an diesem großen Tisch im Aufenthaltsraum.

Dieser Raum wirkt wie eine zentrale Anlaufstelle in dem barrierefreien Gebäude, das dem höchsten Energie-Standard KfW 40+ entspricht. „Wir nutzen keine fossilen Brennstoffe“, sagt Astrid Schwarze-Bruns. Den Strom erzeugt eine Fotovoltaik-Anlage, Erdwärme sorgt für eine angenehme Temperatur. „Unser Verbrauch ist gering, das Haus ist bestens gedämmt“, sagt Astrid Schwarze-Bruns.

Doch damit nicht genug: Lediglich vier Autos sind auf die Bewohner zugelassen. Sie leben das Prinzip Carsharing. Wenig Autos, dafür umso mehr Fahrräder sind auf dem Hof zu entdecken. Für alle zusammen gibt es drei Waschmaschinen im Keller, und dort ist auch ein Werkzeug-Raum zu finden. Jeder hat seinen Teil dazu beigetragen – und jeder kann sich dort bedienen. Es gehe eben auch beim Einkauf darum, Ressourcen zu schonen, unterstreicht Sabine Oldenbüttel den Ansatz. Das gilt auch für viele Lebensmittel, die für die Gemeinschaft in Großgebinden beschafft werden. Mehl, Zucker, Haferflocken, Milch, Butter, Käse, Gemüse und Obst – der Vorratsraum ist gut bestückt, wer sich bedient, trägt es in die Liste ein. „Ja, das erfordert eine gewisse Disziplin“, weiß Michaela Hoppe-Dörhöfer. „Aber das klappt“, fügt Schwarze-Bruns hinzu, „ich hatte eigentlich mehr Stress befürchtet.“ Aber der sei bislang ausgeblieben. Auch bei der Verteilung der Aufgaben.

Von Nachhaltigkeit geprägt ist auch das Außengelände. „In Gemeinschaftsarbeit haben wir einen Naturschwimmteich angelegt“, berichten die Damen voller Stolz. Außerdem findet sich ein Hochbeet im Garten, der darüber hinaus nicht nur viel Platz zum Verweilen bietet, sondern im Sommer auch durch seine Blütenpracht besteche. Das ist auch gut so, denn inzwischen gehören auch mehrere Bienenvölker zum Projekt „LebensArt“. Und angrenzend an den großen Garten schlagen sich Heidschnucken den Bauch voll. „Wir haben einen Recycling-Garten“, so Michaela Hoppe-Dörhöfer. Dort, wo es möglich war, habe man zum Bau der Anlagen altes Material verwendet – aus Überzeugung. Und so fügt sich alles zu einem großen Bild zusammen, in dem es stimmig ist. Das Stichwort Klima bekommt hier eine weitaus größere Bedeutung. Es geht eben auch um das Klima im Miteinander der Menschen, die sich für diese Lebensform unter einem Dach – bei Beibehaltung eines ganz eigenen Bereiches – entschieden haben. Ein Haus, dass sich darüber hinaus immer wieder auch öffnet – mit kulturellen Veranstaltungen. Im Gemeinschaftsraum, aber auch im Garten. Kino-Abende, Konzerte – „wir hatten hier schon 50 Gäste, beim Filmabend im Garten waren es sogar 200“, freuen sich die Damen über das, was aus der Idee inzwischen so geworden ist.

Der jüngste Bewohner ist gerade erst sechs Monate alt, die Älteste von ihnen ist 72. Und sie ist gehörlos. Eine Situation, der sich die Gemeinschaft annimmt. „Immer montags treffen wir uns und üben die Gebärdensprache“, schildert Schwarze-Bruns, was sonst noch so läuft. Sabine Oldenbüttel unterstreicht: „Das ist wirklich bereichernd.“

Stellt sich eigentlich nur noch eine Frage: Was macht die Haus-WG mit den 500 Euro, die sie für den ersten Platz beim Rotenburger Umweltschutzpreis bekommen hat? „Darüber haben wir noch gar nicht abgestimmt.“ Aber man ist sich sicher, dass dieses Geld in eines der nachhaltigen Projekte fließen wird, die für „LebensArt“ von so großer Bedeutung sind und am Ende vielleicht auch zu einem kleinen Stück für ein noch besseres Klima beitragen. Denn das, so wird es deutlich, kann richtig großen Spaß machen.

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