Landvolk-Kreisverband beteiligt sich am Aktionstag „Preise“

Preiskampf am Frühstückstisch

Wie viel bleibt vom Frühstück für Bauern über? „Zu wenig“, sagen die Erzeuger. Sie fordern faire Preise. - Foto: Krüger

Rotenburg -  Von Michael Krüger. 25 Cent für einen Liter Milch, 50 Cent für 200 Gramm Käse, 9 Cent für ein Ei und 13 Cent für 100 Gramm Wurst. Günstig? „Zu billig“, sagen die Bauern. 750 landwirtschaftliche Betriebe sind im Landvolk-Kreisverband Rotenburg-Verden organisiert. Und die meisten, sagt der Verbandsvorsitzende Jörn Ehlers, leiden.

Der aktuelle Preisverfall für landwirtschaftliche Produkte sei „wirklich dramatisch“. Ein Auf und Ab wäre in dieser Branche ganz normal, dass es aber – wie seit vielen Monaten – überhaupt keine Entspannung, insbesondere für Milchvieh- und Fleischbetriebe, mehr gibt, sei außergewöhnlich. Und gefährlich: „Auch wenn sich die Situation verbessert, wird es Jahre oder Jahrzehnte dauern, die angefallenen Verbindlichkeiten abzubauen.“ Landwirt Ehlers: „Beim morgendlichen Gang in den Stall müssten wir eigentlich das Portemonnaie aufmachen und Eintritt bezahlen.“ Mit dem bundesweiten Aktionstag „Preise“ am Mittwoch will auch das hiesige Landvolk auf die Misere aufmerksam machen.

Anders als andere Verbände setzen die Landwirte aus der Region dabei weniger auf spektakuläre Aktionen als auf Dialog. „Wir werden nicht mit der Kuh in den Supermarkt gehen“, beteuert Ehlers. Zwar seien kleinere Demonstrationen, um Zeichen zu setzen, möglich, aber nachhaltiger sei es, den Verbraucher für das Thema zu sensibilisieren und die Verantwortlichen an den Tisch zu holen. Das versucht das Landvolk in der kommenden Woche, wenn Branchenvertreter des Lebensmittelhandels zu Gesprächen auf zwei Milchviehbetrieben in Rotenburg und Verden geladen sind.

Die Landwirtschaft zahlt in vielen Branchen derzeit drauf, sagt der Landvolk-Chef. Die Kostendeckung sei nicht mehr gegeben. Für den Liter Milch bräuchten die Erzeuger eigentlich 35 bis 38 Cent, doch die vor allem von den Discountern Aldi und Lidl diktierten Preise liegen bei nur 25 Cent. Nicht anders bei Eiern oder Schweinefleisch – momentan ein Minusgeschäft. Ehlers: „Ein Verdrängungswettbewerb auf unsere Kosten.“ Das Bild, dass der Einzelhandel sich mit immer mehr „Öko“ und „Bio“ verpassen wolle, passe nicht zum Verhalten den Erzeugern gegenüber.

Die Gründe liegen gar nicht allein beim Kunden, der alles immer billiger haben wolle, sagt Ehlers. Hinzu kämen momentan vor allem die wegbrechenden Märkte in Russland und Asien, das Überangebot von Milch und eine zu Lasten der Landwirte „schlechter werdende Verteilung in der Wertschöpfungskette“. Im Klartext: Auch wenn die Verbraucher mehr Geld ausgeben, bleibt bei den Erzeugern eine immer geringere Marge. Ehlers Stellvertreterin Friederike Schloh aus Hellwege sieht kaum Chancen, dass der Lebensmittel-Einzelhandel seine Linie ändert. Allerdings könne der Konsument umdenken – und zurück zur „Kultur des Essens“ finden, die verloren gegangen sei. Lebensmittel müssten wieder eine Wertigkeit bekommen, auch über den Preis.

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