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Wieder mehr Praxis trotz Pandemie

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Von: Michael Krüger

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Andre Artinger
Andre Artinger koordiniert die studien- und Berufswahlorientierung am Ratsgymnasium. © Michael Krüger

Vieles fällt in der Pandemie flach - insbesondere für junge Leute. Das Rotenburger Ratsgymnasium ist nun aber eine der ersten Schulen, die wieder Berufspraktika durchführt.

Rotenburg – „Wirtschaft sucht Fachkräftenachwuchs“ – keine ganz neue Schlagzeile, und eine, die seit einigen Jahren sehr oft erscheint. In fast allen Branchen werden junge Leute händeringend gesucht, ideale Startvoraussetzungen auch für die Abiturienten des Rotenburger Ratsgymnasiums. Wenn die Pandemie nicht wäre: Vieles auch im Bereich der Berufsorientierung lag in den vergangenen zwei Jahren brach, Kooperationen mit Firmen und der Austausch stockten. Nun startet das Gymnasium als eine der ersten Schulen der Region den Neuanfang: Berufspraktika für die 135 Jugendlichen des elften Jahrgangs.

So manches Kopfschütteln musste André Artinger schon beobachten. Und viele klärende Gespräche führen, mit Eltern und Kollegen. Der Sport- und Politiklehrer koordiniert das Thema der Studien- und Berufswahlorientierung an dem Rotenburger Gymnasium und hat, während andere Schulen noch zurückhaltend sind, seine Schüler aktuell in die Büros und Arbeitsstätten der Region geschickt, um Erfahrungen außerhalb zu sammeln – soweit es Homeoffice und Hygienerichtlinien zulassen. Erfreulich: Lediglich 16 Schüler haben kurzfristige Absagen bekommen und werfen stattdessen vor Ort in Projekten verschiedene Blicke auf die Möglichkeiten der Berufswelt. „Auch unsere Schüler brauchen diese Einblicke in die praktische Arbeitswelt“, betont Artinger. Denn die alte Vorstellung, dass es nach dem Abi direkt weiter mit dem Lernen an der Uni geht, greift so nicht mehr – die Möglichkeiten sind vielfältiger geworden, die Interessen auch. „Immer mehr fangen direkt mit der Berufsausbildung an.“ Ob Lehre im Handwerksberuf, klassische Ausbildung oder Duales Studium: Die Anteil der Abiturienten an der Gesamtschülerschaft ist in den vergangenen Jahren genauso gestiegen wie notwendigerweise die Vielfalt der weiteren Wege.

Messen fallen aus oder gehen ins Netz

Daran orientiert sich natürlich auch das Ratsgymnasium. Es kooperiert mit dem Rotenburger Wirtschaftsforum, der Agentur für Arbeit, es gibt Beratungsgespräche oder Trainings mit dem Projekt „Jump!“ der Rotenburger Firma „Up Consulting“. Und doch blieb für die begehrten Nachwuchsfachkräfte zuletzt viel auf der Strecke. So musste das Ratsgymnasium im Januar den „Berufsweg-Parcour und Berufsinformationstag“ für die Oberstufe absagen beziehungsweise in den Sommer verschieben. Die benachbarten Berufsbildenden Schulen bauen ihre einst so erfolgreiche Präsenz-Ausbildungsmesse zu einem ganzjährigen Forum der Ausbildungs- und Berufsorientierung mit „hybriden Angeboten“ um, also vor Ort eher in kleinerem Rahmen, dafür mehr digitale Inhalte.

Das ist aber natürlich weitgehend die Theorie. Vor Ort zu sein, die Menschen im Beruf in der Praxis zu erleben, ist eine ganz andere Erfahrung. Und so seien auch die aktuellen Rückmeldungen aus der Schülerschaft, die in ganz unterschiedliche Branchen reinschnuppert, sehr positiv. Artingers Beobachtungen: „Alle Betriebe freuen sich auf Bewerber, die Firmen sind sehr um Schüler bemüht“ – und die meisten seien auch wieder offen fürs zwei- oder dreiwöchige Praktika, wenn es die Firmenstandards in der Pandemie zulassen. Von der Spedition über die Landesforsten und die Verwaltung bis hin zur IT-Firma und Bundeswehr reiche das Spektrum der aktuellen Praktikanten. Nur in einem Bereich seien derzeit weniger Schüler unterwegs, was aber deutlich mache, wie sehr gerade dort Nachwuchs gebraucht wird: in der Pflege.

Amelie Rathjen
Elftklässlerin Amelie Rathjen sammelt Erfahrungen als Journalistin – auch auf dem Wochenmarkt. © Guido Menker

„Abwechslung zu dem aktuellen Schulalltag“

Von Amelie Rathjen

Das Betriebspraktikum wollte ich gerne in der Redaktion der Kreiszeitung Rotenburg verbringen, da ich mich seit einiger Zeit sehr für Journalismus interessiere. Seit Beginn der Corona-Pandemie habe ich angefangen, mehr Artikel zu lesen und auch öfter Nachrichten zu schauen. Dadurch habe ich mich gefragt, woher die Redaktionen ihre Informationen bekommen und wie daraus letztendlich ein fertiger Artikel oder sogar eine ganze Zeitung entsteht. Das anstehende Praktikum in meinem Jahrgang am Rotenburger Ratsgymnasium hat mir die Möglichkeit geboten, diesen Beruf etwas kennenzulernen und neue Erfahrungen zu sammeln. Außerdem bietet es Abwechslung zu dem aktuellen Schulalltag.

Hier in der Redaktion hatte ich bis jetzt die Möglichkeit, bei mehreren Interviews dabei zu sein und eigene Artikel zu schreiben. Dadurch habe ich bereits einige Eindrücke von dem Job eines Reporters bekommen. Direkt am ersten Tag durfte ich zu einem Interview mit dem neuen Landrat Marco Prietz mitkommen, der zu dem Zeitpunkt 100 Tage in seinem Amt war.

Während des Interviews habe ich gemerkt, dass dieses nicht nur aus stumpfen Fragen und Antworten besteht. Sondern es entstehen zum Teil ganze Konversationen und es kommen neue Gesprächsthemen auf. Auch die Termine mit anderen Reportern verliefen ähnlich, wobei ich unterschiedliche Arbeitsweisen bemerkt habe. Der eine schreibt sich Notizen mit Block und Stift auf, während andere die Gespräche mit dem Handy aufzeichnen und diese später verschriftlichen. Wenn ich bei dem Termin dabei war finde ich es besonders interessant, den fertigen Artikel in der Zeitung zu lesen. Außerdem bekomme ich dadurch weitere Einblicke in andere Berufe. Zum Beispiel bei meinem ersten eigenen Auftrag: Ich sollte eine Stunde lang auf dem Wochenmarkt verbringen und das Geschehen beobachten. Dabei ging es nicht nur um das Beobachten, sondern ich habe auch ein paar Standbesitzer und Kunden befragt. Später habe ich dazu ein sogenanntes „60 Minuten“ verfasst, in dem ich den Markt in diesem Zeitraum möglichst genau wiedergeben sollte.

Während meines Praktikums habe ich gemerkt, dass es auf jeden Fall gut ist, einen Beruf auf diese Weise etwas genauer kennenzulernen. Denn selbst, wenn es einem nicht gefallen hat, hat man zumindest die Erfahrung gemacht und weiß, dass der Beruf nichts für einen ist. Mir persönlich gefällt das Praktikum sehr gut, auch wenn Termine alleine eine Herausforderung sind. Trotzdem könnte ich mir vorstellen, später in diesem Beruf zu arbeiten.

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