15. Symposium der Neurochirurgischen Klinik am Agaplesion Diakonieklinikum

Präzise Navigation ist das Ziel

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Professor Herbert Kolenda (l.) präsentiert zusammen mit seinem Kollegen Telman Aliev, wie die computergestützte Navigation während einer Operation am Kopf funktionert. Der Schädel ist fixiert, eine Kamera erfasst die Instrumente.

Rotenburg - Von Guido Menker. Das 15. Symposium der Neurochirurgischen Klinik am Agaplesion Diakonieklinikum unter der Leitung von Chefarzt Herbert Kolenda im Buhrfeindsaal auf dem Mutterhausgelände an der Elise-Averdieck-Straße steht Mittwochnachmittag ganz im Zeichen der Neuronavigation.

Neuronavigation beinhaltet zwei Aspekte: Dahinter steckt ein computergestütztes Operationsverfahren aus der Neurochirurgie, das einerseits die Planung von Operationen und andererseits die räumliche Orientierung während des Eingriffes ermöglicht. Es geht im wahrsten Sinne des Wortes um eine präzise Navigation im Kopf des Patienten.

Das Agaplesion Diakonieklinikum ist mit Blick auf dieses Verfahren bestens aufgestellt und hat gerade erst eine Viertelmillion Euro in die Hand genommen, um es noch weiter zu verfeienern. Wie Professor Herbert Kolenda bei einer Präsentation des Verfahrens im Gespräch mit der Rotenburger Kreiszeitung erklärt, erspare es dem Patienten mindestens eine nicht nur kosten-, sondern auch zeitintensive Untersuchung, was zugleich auch die Gesamtbelastung reduziert.

Sowohl bei Operation am Gehirn – zum Beispiel bei der Entfernung eines Tumors – als auch bei bestimmten Eingriffen an der Wirbelsäule kommt das Navigationsgerät, hinter dem sich ein aufwändiges Computersystem verbirgt, zum Einsatz. Im Kern geht es darum, die zu behandelnde Stelle innerhalb des Kopfes auf den Millimeter genau zu treffen. Kolenda: „Wir bewegen uns mit den Instrumenten in einem dreidimensionalen Raum.“ Den Punkt zu finden, ist die eine Herausforderung, diesen dann auch so zu erreichen, dass nach dem Eingriff so wenig Schädigungen wie möglich zurück bleiben, ist die andere.

Das Diako ist seit 2006 mit einer Neuronavigation ausgestattet – und die ist nach und nach ergänzt worden. Heute sind Kolenda und sein Team in der Lage, auf die neueste Technik zurückgreifen zu können. Mehr noch: Durch das neue Gerät ist es möglich, dem Patienten zumindest eine große Untersuchung – dabei geht es um bildgebende Verfahren wie CT und MRT – zu ersparen. Im Klartext: Wenn der Patient zuvor erstellte MRT- und CT-Bilder mitbringt, reichen diese in der Regel schon aus, um das „Navi“ im OP mit den erforderlichen Daten zu füllen. Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich während des Eingriffes aber trotzdem: Sobald der Kopf von den Operateuren geöffnet wird, kommt es – wenn auch nur minimal – zu Verschiebungen des Gehirns. Um die Daten für das Navigationsgerät anpassen zu können, bedienen sich die Neurochirurgen eines Ultraschallgerätes. Kolenda spricht von der intraoperativen Bildgebung. So lässt sich alles neu justieren. Und dadurch wissen die Ärzte haargenau, wie sie den exakten Punkt im Kopf erreichen.

Der Eingriff selbst erfolgt über ein Mikroskop – und beim Blick dort hinein erhalten die Experten zugleich auch die Navi-Daten. Bei Operationen an der Wirbelsäule ist bei Einsatz der Neuronavigation eine ständige Durchleuchtung dank der computergestützten Wegweisung nicht mehr nötig. Das bedeutet für den Patienten, den Operateur und die Op-Mannschaft eine deutlich geringere Strahlenbelastung. Eine Kamera im OP erfasst übrigens während des Eingriffs die genaue Position jedes dafür eingelesenen Instrumentes und liefert ein Bild davon auf einem Bildschirm, sodass jederzeit zu erkennen ist, ob sich der Chirurg auf dem richtigen Weg befindet. Mittlerweile, so Kolenda, sind er und der leitende Oberarzt bei jeder OP in der Lage, von ihrem Schreibtisch aus eine Behandlung zu verfolgen. Auch Experten von außerhalb oder Studenten können mit Einwilligung des Patienten zugeschaltet werden. Der Computer macht es möglich.

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