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Präventionsfachtag: Kinderschutz im Visier

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Ute Schwiebert und Thomas Teuber bereiten den 16. Rotenburger Präventionsfachtag vor, der am Dienstag im Buhrfeindsaal stattfindet.
Ute Schwiebert und Thomas Teuber bereiten den 16. Rotenburger Präventionsfachtag vor, der am Dienstag im Buhrfeindsaal stattfindet. © Menker

Bereits zum 16. Mal steht am kommenden Dienstag im Buhrfeindsaal an der Elise-Averdieck-Straße der „Rotenburger Fachtag – Prävention vor Ort“ auf dem Programm. Diesmal haben sich die Organisatoren für das Thema „Kinderschutz geht uns alle an“ entschieden. Alle 100 Teilnehmerplätze sind bereits vergeben, berichten Ute Schwiebert und Thomas Teuber von der Rotenburger Polizeiinspektion.

Rotenburg - Die Kriminalhauptkommissarin Ute Schwiebert und der Polizeihauptkommissar Thomas Teuber gehören dem Präventionsteam der Rotenburger Polizei an und kooperieren beim Rotenburger Fachtag „Prävention vor Ort“ erneut mit dem Interdisziplinären Zentrum für Kinder- und Jugendgesundheit des Agaplesion-Diakonieklinikums sowie mit dem Präventionsrat der Stadt Rotenburg. Beim Fachtag wie jetzt am Dienstag stehen immer Themen im Fokus, die für alle Bereiche interessant sind, die sich beruflich oder auch ehrenamtlich mit Kinder- und Jugendarbeit beschäftigen, sagt Teuber.

Drei Jahre lang hat es diesen Fachtag coronabedingt nicht gegeben. „Die Idee einer digitalen Variante haben wir schnell wieder verworfen“, erklärt Teuber in einem Gespräch mit der Rotenburger Kreiszeitung. Grund: „Diese Veranstaltung lebt vom Austausch und damit besonders von der Netzwerkarbeit.“ Mit zwei Fachvorträgen startet die Veranstaltung, anschließend stehen für die Teilnehmer fünf verschiedene Praxisforen zur Auswahl, ehe am Ende eine Abschlussrunde folgt.

Vernachlässigten, misshandelten oder gar missbrauchten Kindern wirksam und rechtzeitig zu helfen, gehöre nicht nur zum Schutzauftrag der zuständigen Behörden und Institutionen. Gefragt sei auch die Aufmerksamkeit der gesamten Gesellschaft, heißt es in der Einladung. Mit dem Präventionsfachtag wolle man daher das Thema Kinderschutz aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten. „Wir fühlen uns diesem Thema sehr verpflichtet“, betont Thomas Teuber. Im Fokus stünden dabei Mädchen und Jungen im Vorschul- sowie im Grundschulalter. Erzieher, Mitarbeiter des Jugendamtes, Sozialarbeiter sowie Grundschullehrer hätten sich angemeldet.

Kinderschutz habe sehr viel mit Vernetzung zu tun, erklärt Ute Schwiebert. „Das Thema beschäftigt zurzeit sehr viele Menschen“, sagt sie. Vor diesem Hintergrund hätten der Landkreis Rotenburg und die Polizeiinspektion bereits im Sommer vergangenen Jahres eine Kooperation zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor körperlicher Gewalt und sexuellem Missbrauch vereinbart. Schwiebert: „Dieses Thema ist weit umfassend, und auch wir als Polizei haben immer wieder damit zu tun.“ Ziel sei es, alle Beteiligten nun noch enger zusammenzubringen – Polizei, Ärzte und die Fürsorge. Mit dem Internet seien die Gefahren für Kinder und Jugendliche noch größer geworden in den vergangenen Jahren, Opfer einer Gewalttat oder eines Missbrauchs zu werden. Teuber erwähnt, dass auch heute noch von einem großen Dunkelfeld auszugehen sei. Darauf wiesen die zunehmenden Fälle großen Ausmaßes hin, die in vergangenen Jahren aufgedeckt worden sind.

Fachtag dient der Vernetzung

Damit einher gehe allerdings auch eine deutliche Zunahme an Arbeit für die Beamten der Polizei. „Es wird immer schwerer, das noch bewältigen zu können“, ergänzt Schwiebert. Aber: Die Polizeiinspektion stockt in diesem Bereich personell auf – das Thema ist einfach zu wichtig, um es nicht zeitnah zu bearbeiten.

Die vergangenen Jahre hätten zugleich gezeigt, dass sich mit dem Fachtag sowohl der Austausch als auch die Vernetzung grundsätzlich auf diesem Wege verbessern ließen. „Der Fachtag in dieser Form ist innerhalb unserer Polizeidirektion Lüneburg einmalig. Das wird uns auch bestätigt“, so Teuber. Da liegt es eigentlich nahe, dass der Fachtag Schule macht und sich auch in anderen Kommunen etabliert. Interessierte Anfragen gebe es zwar immer wieder, aber ganz so leicht sei es nicht, das Konzept eins zu eins zu übertragen. „Das hängt schon sehr von den örtlichen Gegebenheiten ab und braucht zugleich Leute, die das in die Hand nehmen“, ist Teuber überzeugt. So, wie hier in Rotenburg, wo die drei Chefärzte des Interdisziplinären Zentrums am Diako mitmischen.

„Alleine könnten wir das alles so gar nicht machen“, sagen Teuber und Schwiebert. Auch finanziell. Denn die 25 Euro, die die Teilnehmer pro Nase zahlen, reichen nicht aus. Aufgrund der Kooperation indes konnte sich der Fachtag zu einem Aushängeschild entwickeln. Die Themenvielfalt dabei ist groß. Cyber-Crime, sexueller Missbrauch, Mobbing und Prävention vor Ort waren schon Themen, die im Fokus standen. „Es sind immer Themen, die uns, aber auch die Gesellschaft besonders beschäftigen“, erklärt der Polizeihauptkommissar.

Medizinerin berichtet über rechtsmedizinische Aspekte bei Verletzungen und Misshandlungen

Zum Auftakt des Präventionsfachtags mit der Überschrift „Kinderschutz geht uns alle an“ am kommenden Dienstag im Buhrfeindsaal an der Elise-Averdieck-Straße hält Theresa Engelmann vom Institut für Rechtsmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover einen Vortrag mit dem Titel „Rechtsmedizinische Aspekte im Kinderschutz“. Darin werde sie Aspekte bei Verletzungen und Misshandlungen erläutern und zugleich aus der Praxis ihrer Arbeit berichten.

Im Anschluss daran tritt Sabrina Döhlinger an das Rednerpult. Sie arbeitet im Dezernat Jugend des Landkreises Hameln-Pyrmont und berichtet über das „Präventionskonzept gegen sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche“. Angestoßen durch den schweren Missbrauchsfall Lügde, habe der Landkreis Hameln-Pyrmont nicht nur bestehende Strukturen und Abläufe im Jugendamtsbereich überprüft, sondern auch ein umfangreiches Präventionskonzept gegen sexualisierte Gewalt entwickelt, heißt es im Vorfeld der Veranstaltung am Dienstag mit 100 Teilnehmern. Döhlinger werde in ihrem Fachvortrag Einblicke in die Entwicklung des Konzeptes geben.

Im zweiten Teil des Fachtages stehen Praxisforen für die Teilnehmer zur Auswahl. Zusammen mit Christina Lohmann vom Zentralen Kriminaldienst der Rotenburger Polizei geht es um Informationen über die Ermittlungsarbeit bei Kindeswohlgefährdungen. Ilka Germar von der Zentralstelle Jugendsachen im Landkriminalamt Hannover bietet ein Webinar für den Unterricht an. Nicole Krampe und Klaudia Kisselt von der Rotenburger Wildwasser-Beratungsstelle vermitteln Infos über ein Präventionsprogramm für den Schutz vor sexuellem Missbrauch für Kinder ab vier Jahren. Einblicke in die Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte zu Prävention und Intervention bei sexualisierter Gewalt bietet Christine Eichholz von der Landesstelle Jugendschutz. Und Klaus Henner Spierling von der Kinderschutzgruppe am Diakonieklinikum Rotenburg informiert unter der Überschrift „Interdisziplinäre und Mehrgenerationenperspektive auf das Kindeswohl“ über familiäre Alltagsbelastungen und Kinderschutz im Spiegel des klinischen Alltags.

Alle Plätze für den Fachtag sind bereits vergeben. „Wir mussten sogar Absagen erteilen“, sagt Thomas Teuber, einer der Organisatoren. Grund: Coronabedingt stehen nur 100 Plätze zur Verfügung. men

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