Präventionsbeauftragter Thomas Teuber von der Polizeiinspektion Rotenburg über Einbruchskriminalität im Landkreis

„Immer wieder eine neue Täterklientel“

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Hauptkommissar Thomas Teuber hat sich auf Einbruchsschutz spezialisiert. Seit 2001 ist er Kriminalpräventionsbeauftragter bei der Rotenburger Polizei.

Rotenburg - Von Lars Warnecke. Wohnungseinbrüche sind im Landkreis Rotenburg an der Tagesordnung. Wer sind die Täter, wer die Opfer? Wie geht die Polizei gegen das organisierte Verbrechen vor? Und wie kann man sich gegen Einbrecher schützen? Thomas Teuber kennt die Antworten. Der 54-jährige Hauptkommissar, Familienvater von zwei Kindern, ist Beauftragter für Kriminalprävention bei der Polizeiinspektion Rotenburg.

Herr Teuber, ist bei Ihnen zu Hause schon mal eingebrochen worden?

Thomas Teuber: Gott sei Dank noch nicht. Wobei sich jeder Hausbesitzer, nicht nur ich, mit dem Gedanken befassen muss: Irgendwann komme ich nach Hause, und es hat einen Einbruch gegeben. Aber man hofft es natürlich nicht, und ich bin froh, dass ich noch kein Opfer eines Einbruchs geworden bin.

Wie bewerten Sie die Fallzahlen im Landkreis Rotenburg? Ist es allgemein so, dass es mehr Einbrüche gibt als früher?

Teuber: Das muss man sicher ganzheitlich sehen. In den letzten zwei, drei Jahren sind die Zahlen tatsächlich gestiegen, da liegen wir aber mit dem Landes- und Bundestrend gleichauf. Wenn wir noch weiter zurückgehen, Mitte der 90er Jahre, haben wir eine Vielzahl von mehr Einbrüchen gehabt, vielleicht sogar doppelt so viele Fälle wie in den vergangenen Jahren. Was auffällt: 2014 hatten wir im Landkreis von der Tendenz her rund ein Viertel und somit erheblich weniger Wohnungseinbrüche als noch im Vorjahr. Da lagen wir bei 439 Fällen. Wobei man betonen muss, dass unter diese Zahl auch Tatversuche fallen. 2013 entsprach das einem Anteil von einem Drittel.

Und wie steht es um die Aufklärungsquote?

Teuber: Wenn man das bundesweit betrachtet, heißt es ja immer wieder, dass die Aufklärungsquote für Wohnungseinbrüche relativ gering ist. Es wird von Zahlen zwischen zehn und 15 Prozent gesprochen. Bei uns in der Inspektion haben wir 2013 eine Aufklärungsquote von exakt 33 Prozent gehabt, damit liegen wir also eine ganze Ecke über dem Bundes- und Landesdurchschnitt.

Woran liegt das?

Teuber: In erster Linie daran, dass wir von der Polizeiinspektion Rotenburg – vor dem Hintergrund angestiegener Delikte – vor zwei Jahren eine Ermittlungsgruppe gebildet haben, die zentral für den ganzen Landkreis die Wohnungseinbrüche bearbeitet. Die Kollegen können sich die Fälle viel genauer anschauen und stehen im ständigen Austausch mit den Beamten aus den Nachbarlandkreisen. Dadurch haben wir schon viele Tatverdächtige ermitteln können, und daher sind wir auch bei dieser Quote gelandet.

Wer ist überhaupt einbruchsgefährdet?

Teuber: In unserem ländlichen Raum sind das vor allem Bewohner von Einfamilienhäusern. Man muss aber auch klar sagen, dass es viel vom Glück und Zufall abhängt, ob ich Opfer eines Wohnungseinbruchs werde oder nicht. Die Taten ereignen sich ja in der Regel bei Abwesenheit der Bewohner. Wenn ich aufgrund einer bestimmten Familienstruktur nur selten totale Abwesenheit im Haus habe, gibt es auch keinen Einbruch. Ich mache das fest: Vor Jahrzehnten lebten noch oft drei Generationen unter einem Dach, da war fast immer einer Zuhause. Dadurch war eine Tatgelegenheit erst gar nicht geboten.

Kommen die Täter vor allem nachts?

Teuber: Das ist eine weit verbreitete Annahme, stimmt aber nicht. Die Tatzeiten ereignen sich meistens am späten Nachmittag oder frühen Abend, im Winterhalbjahr, wenn es schon dunkel ist. Da kann es schon eine ganze Ecke helfen, wenn man den Tätern vorgaukelt, dass jemand da ist – indem man zum Beispiel in mehreren Zimmern das Licht anlässt. Wenn die Täter aber meinen, dass niemand da ist, wird vielleicht nochmal vorher an der Haustür geklingelt und es kommt unter Umständen zum Einbruchsversuch.

Die Täter spähen also gar nicht erst vorher das Haus aus?

Teuber: Wir müssen davon ausgehen, dass es sich zumeist um Zufallstaten handelt. Wir bekommen immer wieder von Geschädigten zu hören, dass die Täter doch ganz bewusst bei ihnen eingebrochen sein müssten und ihr Haus zuvor beobachtet hätten. Das ist aber nicht der Fall. Wir wissen aus Vernehmungen von erwischten Personen, dass sie sich häufig gar nicht mit den örtlichen Begebenheiten auskennen. Die wissen noch nicht einmal, in welchem Ort sie einen Einbruch begangen haben, geschweige denn, wer in dem Haus wohnt. Sie biegen im Dunkeln von der Autobahn ab, fahren durch mehrere Dörfer durch, und dann schlagen sie irgendwo zu. Klar, es gibt auch örtliche Täter, aber wir glauben, dass die Einbrüche im Landkreis vor allem von überörtlichen Tätern begangen werden, die nur nach der Gelegenheit schauen. Dabei suchen sie sich sicher das schönere, neuere Haus als das ältere. Das ist aber nicht deren erstes Kriterium. Ihnen geht es darum, schnell in das Haus hineinzugelangen, um genauso schnell wieder den Tatort zu verlassen – und dabei natürlich bloß nicht entdeckt zu werden.

Also steckt dahinter das organisierte Verbrechen von außerhalb?

Teuber: Grundsätzlich muss man davon ausgehen, dass es sich nicht um Personen handelt, die den Tag über einem geregelten Beruf nachgehen und abends einen Einbruch begehen. Das ist schon organisiert, ja. Was wir in den letzten beiden Jahren gerade für unseren Bereich festgestellt haben: Wohnungseinbrüche werden von unheimlich vielen unterschiedlichen Menschen begangen. Man kann also pauschal nicht sagen: das ist klassisch die osteuropäische Bande, wie es noch in den 90ern hieß. Natürlich gibt es auch die. Aber wir haben beispielsweise auch schon etliche Chilenen ermittelt, die legal als Touristen eingereist sind oder sich illegal in Deutschland aufhalten und hier ihr Unwesen treiben. Übrigens ein Phänomen, das für ganz Mitteleuropa gilt. Warum gerade Chilenen, und nicht zum Beispiel Peruaner oder Brasilianer, das wissen wir auch nicht. Wir haben aber auch schon Täter aus Bremen, Hamburg oder Hannover gehabt – junge Erwachsene, die ganz normal in Deutschland leben, sicherlich aber auch schon eine kriminelle Vergangenheit hinter sich haben. Wir müssen immer davon ausgehen, dass wir es jedes Mal wieder mit einer anderen Klientel zu tun haben. Und es handelt sich auch nicht immer um den gleichen Ablauf. Es gibt Täter, die sogar schon mit der Bahn angereist sind.

In der Presse ist immer von Tätern, also mehreren Personen, die Rede.

Teuber: Ja, in der Regel kann man auch davon ausgehen, dass es sich nicht um Einzeltäter handelt, sondern sie mindestens zu zweit unterwegs sind – alleine schon aus logistischen Gründen.

Wie geht die Polizei überhaupt vor, wenn ein Einbruch gemeldet wird, der bereits stattgefunden hat?

Teuber: Man muss unterscheiden: Ist das ein Ad-hoc-Einsatz oder nicht? Besteht der Verdacht, dass die Täter noch vor Ort sind, die Wohnungseigentümer die Täter also überrascht haben, wenn sie nach Hause gekommen sind, dann fahren möglichst mehrere Streifenwagen dorthin, um letztendlich noch eine Chance zu haben, die Einbrecher auf frischer Tat festzunehmen. Wenn sich beim Anruf der Geschädigten aber herausstellt, dass schon kein Täter mehr vor Ort ist, kommt es darauf an: Wenn unsere auf Spurensuche- und -sicherung spezialisierte Tatortgruppe, die grundsätzlich Wohnungseinbrüche aufnimmt, frei ist, fahren die Kollegen sofort hin. In der Regel aber wird ein Fahrzeug aus dem jeweiligen Streifendienst hingeschickt, und es wird erstmal nach Spuren geschaut, die gesichert werden müssen, damit sie später nicht verloren gehen. Und die Kollegen halten nach verdächtigen Fahrzeugen Ausschau, um so nicht vielleicht doch eine Fahndung einleiten zu können. Das Wesentliche ist aber die Tatortaufnahme durch Fachleute.

Kommt bei der Suche nach Fingerabdrücken eigentlich immer noch Rußpulver zum Einsatz?

Teuber: Ja, das geschieht immer noch ganz klassisch. Man soll es nicht glauben, aber es gibt immer noch Täter, die ihre Fingerabdrücke am Tatort hinterlassen.

Was ist denn an einem Einbruch das Schlimmste für die Opfer?

Teuber: Das ist total unterschiedlich. Wir müssen aber feststellen, dass es viele Menschen gibt, die nach einem Wohnungseinbruch traumatisiert sind, obwohl sie den Tätern gar nicht gegenübergestanden haben. Wenn der Einbruch in deren Abwesenheit stattgefunden hat, stellt sich bei vielen die Frage: Warum haben die ausgerechnet mich ausgesucht? Kannte ich die Täter womöglich? Auch der Gedanke, dass ein Fremder in die Privatsphäre eingedrungen ist, stellt eine immense Belastung dar. Das geht sogar soweit, dass es Menschen gibt, die irgendwann ihre Wohnung oder ihr Haus aufgeben und wegziehen.

Inwiefern steht die Polizei solchen traumatisierten Menschen zur Seite?

Teuber: Wir können natürlich keine psychologische Betreuung leisten. In der Regel vermitteln wir diese Personen dann an den Weißen Ring.

Was sind einfache Grundregeln in Sachen Einbruchsschutz?

Teuber: Grundsätzlich ist es wichtig, dass das Haus nach außen hin nicht leer oder unbewohnt aussieht. Mit anderen Worten, wenn ich länger weg bin, sollte man jemanden haben, der sich um das Haus kümmert. Das kann soweit gehen, dass man mit dem Nachbarn die Vereinbarung trifft, dass der sein Zweitauto auf der eigenen Hofeinfahrt abstellt. Wenn es dunkel wird, sollte es so sein, dass entweder durch eine Dauerbeleuchtung oder aber durch Zeitschaltuhren möglichst an mehreren Stellen im Haus die Zimmer hell erleuchtet sind. Erst danach würde ich über irgendetwas mit Mechanik oder über Alarmanlagen nachdenken. Außerdem ist zu überprüfen, wie gut die Verriegelung der Fenster und Türen ist. In der Regel wird beim Einbruch ja aufgehebelt. Es lohnt sich auf jeden Fall, etwas für den Einbruchsschutz zu tun.

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