Serie „Frauen an der Spitze“: Antje Jäger ist ein Vorbild

Die Rotenburger Power-Frau von Simbav

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Die freiberufliche Hebamme und Vorsitzende des Vereins Simbav, Antje Jäger, trägt durch ihren Einsatz für ein soziales Miteinander verschiedener Gesellschaftsschichten in Rotenburg bei.

Rotenburg - Von Heinz Goldstein. Die Hebamme und Simbav-Vorsitzende aus Rotenburg, Antje Jäger, ist sich ganz sicher, dass einige Frauen besondere Stärken bereits in die Wiege gelegt bekommen haben.

„Sie sind ihnen angeboren. Zusätzlich werden weibliche Kraft und Stärke durch die täglichen Belastungen, Lebensumstände und Lebenserfahrung weiterentwickelt und geprägt“, erklärt Jäger, die für ihr beispielhaftes Engagement und ihre weibliche Durchsetzungskraft bereits den Ehrenteller der Stadt Rotenburg erhalten hat. Zudem ist sie vom Landesfrauenrat Niedersachsen als landesweites Vorbild für weibliches Engagement ausgezeichnet worden. Im Gespräch mit der Kreiszeitung erzählt sie von ihrer sozialen Verantwortung im Verein Simbav (Schwangere, Information, Mütter, Babys, Austausch, Väter), ihrer Arbeit als freiberufliche Hebamme und was sie persönlich so stark gemacht hat.

Seit 1998 wohnt Antje Jäger in Rotenburg. Nach Aufenthalten im Ausland, so als Kind zum Beispiel in Indien und Afrika, sowie als Erwachsene in verschiedenen deutschen Städten, hatte sie vor dem Umzug in die Kreisstadt zuletzt in Berlin und davor in Bremen gelebt. Sie hat zwei Brüder und eine Schwester. Jäger ist verheiratet und Mutter von drei Kindern – und das obwohl sie seit 1982 als Hebamme gearbeitet hat und gezwungen war, Familie und Beruf zu vereinbaren.

Wichtiger Anlaufpunkt für betroffene Familien

„Man muss viel Stärke entwickelt haben, um einen solchen Beruf trotz Familie ausüben zu können.“ Aufgrund der beruflichen Situation ihres Mannes, habe sie auch oft alleine klarkommen müssen, zumal auch die Großeltern nicht in der Nähe lebten, um sie zu entlasten. Durch die vielen Umzüge habe es für sie nie familiäre Ressourcen gegeben, auf die sie hätte zugreifen können. Zwischendurch hatte sie sich 2002 noch als Familienhebamme zertifiziert. Das alles seien auch Gründe dafür, dass ihre Persönlichkeit stark ausgeprägt sei. Zudem waren die eigenen Erfahrungen die Initialzündung für die Gründung des Vereins Simbav in Rotenburg gewesen.

„Heute wie damals sind besonders junge Familien nach der Geburt eines Kindes überfordert“, stellt Jäger fest. Bei der Gründung von Simbav vor elf Jahren habe es in Rotenburg nur eine Krippe und für Kinder ab drei Jahren die Kigas in der Kreisstadt gegeben. Der Verein Simbav – mit der Hebamme Jäger als Vorsitzende – wurde schnell ein wichtiger Anlaufpunkt für betroffene Familien.

Mehr als 80 Personen engagieren sich

Mit Angeboten wie unter anderem Gruppen für Krabbler, Alleinerziehende, Zwillings- und Teenie-Mütter, betreutes Schwimmen, Musikförderung, Papa- und Opa-Treff sowie gemeinsames Kochen und viele weitere Aktivitäten. In elf Jahren habe der Verein eine rasante Entwicklung gemacht und eine wichtige soziale Aufgabe in der Kreisstadt übernommen, so Jäger. Mehr als 80 Personen engagieren sich bereits sporadisch bis regelmäßig bei Simbav.

Dass es gelungen ist, ein Miteinander von verschiedenen Gesellschaftsschichten unter ein Dach zu bekommen, ist ein Verdienst der starken Rotenburger Hebamme, wird von offizieller Seite der Kreisstadt immer wieder betont. Bei allem Engagement bleibt sie bescheiden: „Es geht hier an erster Stelle um Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren und nicht um mich. Ich bin zwar Vorsitzende, aber das Projekt lebt von allen Mitgliedern des Vereins.“ Die Rotenburgerin ist nicht nur die Vorsitzende von Simbav. Sie war viele Jahre aktives Mitglied im Hebammenverband Niedersachsen und ist Mitglied der Steuerungsgruppe „Frühe Hilfen“ im Landkreis Rotenburg.

Ehrenteller der Stadt

Zudem setzt sie sich in der Öffentlichkeit für ihren Berufsstand ein und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Die Öffentlichkeit hat Jägers Kompetenz und den ehrenamtlichen Beitrag, den sie für die Gesellschaft geleistet hat und noch immer leistet, honoriert. Als sichtbares Zeichen zeigt sie den Ehrenteller der Stadt und die Auszeichnung vom Landesfrauenrat Niedersachsen. Eine solche Auszeichnung erhalten nur Frauen, die mit ihrer Stimme, Kompetenz und ihrer Nähe zu den Menschen vor Ort einen vielfältigen und unverzichtbaren Beitrag für die Gesellschaft leisten, heißt es in einer Informationsbroschüre des Landesfrauenrats. Jäger fühlt sich in Rotenburg wohl und will sich auch zukünftig weiter sozial engagieren.

Zur Serie: Sie haben sich bis an die Spitze von Unternehmen oder Verwaltungen hochgearbeitet, leiten Mitarbeiter an und bilden den Nachwuchs aus. Und manch eine hat es gar in einer Männerdomäne an die Spitze gebracht. In unserer neuen Serie erzählen wir in loser Folge weibliche Erfolgsgeschichten aus dem Altkreis – und lassen die Frauen selbst zu Wort kommen.

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