Polizei warnt: Autofahrer lassen sich unterwegs immer wieder ablenken

Der gefährliche Blick zum Handy

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Schnell mal schauen, welche Neuigkeiten die Kreiszeitung auf Facebook postet, ist im Prinzip immer eine gute Idee. Nur am Steuer sollte man das lassen. Sich mit dem Smartphone während der Fahrt abzulenken, kann tödlich enden.

Rotenburg - Von Stephan Oertel. Mal eben telefonieren, die passende Musik oder das Navigationsgerät einstellen, etwas aufheben, eine Nachricht schreiben: Nicht wenige sind davon überzeugt, dass sie das locker während der Autofahrt erledigen können. Die Konzentration aber gilt in solchen Momenten nicht uneingeschränkt dem Straßenverkehr. Das kann fatale Folgen haben.

Als die junge Frau die soeben eingetroffene SMS von ihrem Freund las, freute sie sich über den Gruß und dass er im Moment an sie denkt. Sie ahnte nicht, dass er da bereits mit dem Tod rang. Die Nachricht hatte er während der Autofahrt in sein Handy getippt und abgeschickt, dabei aber das Fahrzeug vor ihm viel zu spät bemerkt. Der Mann starb wenig später. Das ist zwar ein besonders krasser Fall, immer wieder aber kommt es zu schweren Unfällen, weil Fahrer abgelenkt sind, berichtet Heiner van der Werp, Sprecher der Polizeiinspektion Rotenburg.

Wie viele Unfälle es dadurch im Landkreis Rotenburg gibt, lasse sich nicht ermitteln. Die Dunkelziffer dürfte aber hoch sein, vermutet er. Wenn sich die Ermittler nicht erklären können, warum jemand von der Fahrbahn abgekommen oder auf ein anderes Fahrzeug aufgefahren ist, geben sie häufig Unaufmerksamkeit als Unfallursache an. Das kann bedeuten, dass der Fahrer abgelenkt war. Beweisen lässt sich das aber in der Regel nicht, weil der Fahrer kaum zugeben wird, telefoniert zu haben.

Vermutete man früher oft, dass Rehe bei einem unerklärlichen schweren Unfall im Spiel gewesen sind, bezieht die Polizei inzwischen auch Ablenkung im Auto verstärkt in ihre Überlegungen ein. Im Zweifel wird dann schon mal ein Handy überprüft. Denn daran lässt sich oft erkennen, wann zuletzt telefoniert oder eine Nachricht verschickt worden ist.

Doch es sind nicht nur die mobilen Kommunikationsgeräte, die Autofahrer ganz nebenbei bedienen. Das Versicherungsunternehmen DA Direkt hat jetzt anhand einer Umfrage die „Top 10“ der Ablenkungen beim Autofahren ermittelt. Ganz oben steht die Suche nach heruntergefallenen Gegenständen, direkt dahinter folgen Telefonieren und Nachrichten schreiben. Etwa jeder zweite Befragte habe diese Punkte für sich angegeben. Die Einstellung von Bedienelementen für Radio, Navi, Klimaanlage und Co. wurde ebenfalls häufig genannt. Fast jeder Dritte isst oder trinkt schon mal unterwegs und jeder vierte kümmert sich um die Körperpflege oder um ein Kind. Eine solche Liste hat die Polizei für den Landkreis Rotenburg nicht, nach Einschätzung von Heiner van der Werp ist sie aber realistisch. „Man braucht ja nur mal an einer roten Ampel in den Rückspiegel gucken und sehen, was der Fahrer hinter einem macht“, bemerkt er.

Schon ein Telefonat über die Freisprechanlage lenkt ab, sagt der Polizeisprecher. Aber das Handy am Ohr oder gar eine Nachricht schreiben und mit einer Hand das Auto steuern: „Das geht gar nicht.“ Die Polizei appelliert denn auch immer wieder, sich am Steuer ganz auf den Straßenverkehr zu konzentrieren. Das gilt auch für Lastwagenfahrer. Er sei fassungslos, wenn er höre, dass manche nebenbei ihren Laptop bedienen, fernsehen, lesen oder Kaffee kochen. Das habe gerade auf der Autobahn schon zu manch schweren Unfall geführt. Während ihrer Streifenfahrten achten die Beamten daher immer auch darauf, ob sich die Fahrer ablenken.

In Gefahr bringen sich übrigens auch Radfahrer und Fußgänger, die unterwegs telefonieren oder ihr Handy bedienen und dabei den Verkehr um sich herum aus den Augen verlieren. Auch dadurch ist es schon zu Unfällen gekommen.

zz

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