Ohne Test kein Zutritt

Polizei und Ordnungsamt kontrollieren Corona-Regeln

Ordnungsamtsleiter Thorsten Schiemann wirft einen Blick auf sein Klemmbrett.
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Auf seinem Klemmbrett hat Ordnungsamtsleiter Thorsten Schiemann eine Prüfliste, anhand derer kontrolliert wird, ob alle Regeln eingehalten werden.

Im gesamten Landkreis haben Polizei und Ordnungsamt Gaststätten, Friseure, Spielhallen und Nagelstudios besucht, um zu checken, ob die 2G-plus-Regel eingehalten, Masken aufgesetzt und Besucher erfasst werden.

Rotenburg – Der junge Mann auf dem Friseurstuhl kann weder einen aktuellen Corona-Test noch einen Impfnachweis vorweisen. Die Friseurin hinter ihm hat offenbar auch nicht danach gefragt. „Das geht gar nicht“, sagt Visselhövedes Ordnungsamtsleiter Mathias Haase und notiert sich den Vorfall. „Das ist schon ein dreister Verstoß gegen die neuen Corona-Vorschriften“, beurteilt Haase und schickt den halb-frisierten Mann nach Hause. Aber nicht, ohne ihm mitzuteilen, dass ihn wohl ein saftiges Bußgeld erwarten wird.

„Es ist noch mit heißer Nadel gestrickt“, sagt Rotenburgs Polizeisprecher Heiner van der Werp am Freitag, als Polizei und Ordnungsämter im gesamten Landkreis die Einhaltung der Corona-Regeln kontrollieren. Denn seit dem jüngsten Bund-Länder-Treffen ist klar: Diese werden jetzt noch einmal deutlich verschärft. „Die Politik ist vorangeschritten, die Zeit des Abwartens ist vorbei. Aber das ist nicht bis ins Letzte durchdacht“, meint van der Werp. „Wir versuchen jetzt, das auszuführen und zu kontrollieren, aber wir lassen unser Fingerspitzengefühl nicht aus den Augen. Wir müssen eine gute Regelung finden, die für alle vernünftig ist.“

An der Großen Straße und der Goethestraße in der Kreisstadt gibt es am Vormittag nichts zu beanstanden. „Die Geschäftsleute sind informiert und halten sich an die Vorschriften“, ist der Eindruck von Ordnungsamtsleiter Thorsten Schiemann, der mit seinem Stellvertreter Bernd Grünberg, zwei Beamten aus der Verfügungseinheit der Polizei Rotenburg sowie Kontaktbeamtem Fred Krüger Friseure, Nagelstudios und Spielhallen kontrolliert. Schiemann hat sein Klemmbrett mit einer Prüfliste dabei: Ist ein Hygienekonzept vorhanden? Der richtige Mundschutz? Werden die Abstände eingehalten, die Kontaktdaten notiert? Die Vorgaben hat das Gesundheitsamt gemacht, dass via Landkreis die Amtshilfe der Kommunen beantragt hat. Einen der Zettel muss er aber an diesem Vormittag nicht ausfüllen.

Die Fünfergruppe verlässt einen Friseur. Auch hier: „Nichts zu beanstanden, alles in Ordnung“, teilt Schiemann mit. Alle scheinen vorsichtiger zu sein, die Befürchtung mancher Friseure zu Beginn der Woche, dass nicht alle Kollegen sauber arbeiten, bewahrheitet sich zumindest in den gerade kontrollierten Läden nicht. Letztlich müssen die Inhaber immer im Hinterkopf haben, dass das Ordnungsamt ihnen bei allzu drastischen Verstößen den Laden dichtmachen kann. Das wäre zwar die allerletzte Lösung, sagt Schiemann, aber eine denkbare.

Wirtin Heike Schiemann lässt Gast Klaus Twiefel einen Test machen, bevor er in die Kneipe darf.

Auch über den Sommer und Herbst seien Kontrollen, die der Lage geschuldet zuletzt seltener durchgeführt werden mussten, meist zufriedenstellend gewesen. Die Verstöße haben eher im privaten Bereich gelegen, junge Leute, die Partys gefeiert haben, so der Polizeisprecher.

Doch mit wechselnd neuen Verordnungen und steigenden Infektionszahlen sind die Beamten wieder gefragt. Sie prüfen in dieser Woche nur die Einhaltung von 2G-plus, werden mit Inkrafttreten der neuen Regeln – unter anderem 2G im Einzelhandel – aber auch dort stärker nachschauen müssen, vermuten sie. „Es wird wieder mehr kontrolliert werden, weil die Coronalage angespannter wird“, so Schiemann.

Wie das beispielsweise im Einzelhandel ablaufen soll, scheint für alle noch ein wenig im Nebel zu liegen: Gerade in einer Kleinstadt wie Rotenburg, mit vielen inhabergeführten Geschäften in der Innenstadt wird das nötige Personal fehlen, um an den Türen die Nachweise einzufordern. Auch im Öffentlichen Personennahverkehr sollen künftig weitere Kontrollen stattfinden. Und nicht zuletzt hat die Polizei ohnehin bereits den ein oder anderen Bekannten im Auge, wo sie auf jeden Fall genauer hinschauen wird. „Überall, wo wir erforderlich sind, werden wir auch sein“, sagt der Sprecher. „Wir nehmen das ernst, wir setzen den dringenden Wunsch der Politik um. Aber wir müssen das unseren Gegebenheiten hier auch anpassen.“

Die Gastronomie kontrollieren sie in Rotenburg am Freitag noch nicht, auch Massagepraxen sowie Fitness- und Tattoostudios stehen noch auf der mit dem Gesundheitsamt vereinbarten Liste. „Das spricht sich jetzt rum, die Geschäftsleute sagen einander, dass wir unterwegs sind“, sagt Grünberg. Sie werden also unangekündigt an einem anderen Tag erneut losziehen.

Anders sieht es in Visselhövede aus: Dort sind Ordnungsamt und Polizei nämlich nicht nur in vier Friseurgeschäften gewesen, sondern auch in Gaststätten. So zum Beispiel in der Kneipe „Zur Waldesruh“ in Egenbostel. Dort kommt aber kein Gast ohne Test rein. „Da bin ich rigoros“, sagt Wirtin Heike Schiemann. An der Eingangstür hängen große Schilder. Darauf steht, dass die Gäste läuten müssen und schon mal um die Ecke in den Garten gehen sollen. Dort empfängt sie Schiemann und reißt einen Corona-Test auf. Das mit der Testlösung getränkte Wattestäbchen muss sich Klaus Twiefel aber selber in die Nase schieben und drehen. Nur bei dem Träufeln auf das Sichtfenster hilft Schiemann dem Über-80-Jährigen. Das Ergebnis: negativ. Twiefel darf zu seinen Freunden in die Gaststube. „So soll es sein“, freut sich Ordnungsamtsleiter Mathias Haase, der aktuell „noch eher beratend unterwegs ist“ und mittags bis auf den Vorfall in einem Friseurladen keine gravierenden Verstöße meldet.

Wie teuer es aktuell bei denen werden kann, ist noch nicht ganz klar: Der Bußgeldkatalog ist noch in Bearbeitung. Was aber laut van der Werp sicher ist: „Das wird empfindlich – und das wird man auch durchziehen.“

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