Die Politik will – aber Eltern zeigen kaum Interesse

Verlängerung für die Förderschulen Lernen im Kreis steht auf der Kippe

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Ob es an der Rotenburger Pestalozzischule nochmal einen fünften Jahrgang geben wird, ist weiter ungewisse. Eltern scheinen kaum noch Interesse an einer Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen zu haben.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Der Landkreis will seine drei Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen fünf weitere Jahre erhalten und nach den Sommerferien wieder Fünftklässler aufnehmen. Das hatte der Kreistag im März beschlossen, nachdem die Landesregierung diese Tür wieder geöffnet hatte, die für die Inklusionsbeschulung bereits geschlossen war. Nur: Das Interesse von Eltern, ihre Kinder in diese speziellen Förderschulen zu schicken, hält sich aber in Grenzen. Noch gibt es nicht genug Schüler für neue Klassen.

Die Kreisverwaltung hatte nach dem Beschluss am 14. März eine Abfrage unter den Grundschulen durchgeführt, welche Eltern von Kindern der jetzigen vierten Klassen, bei denen ein Unterstützungsbedarf Lernen vorliegt, diese gegebenenfalls in einer Förderschule beschulen lassen möchten. Die in der Kreistagssitzung am Donnerstag von Landrat Herrmann Luttmann (CDU) präsentierten Zahlen sind für die Befürworter ernüchternd: In Rotenburg sind es aktuell zehn Kinder, in Bremervörde sechs und in Zeven keins. Drei Elternteile in Rotenburg und zwei in Bremervörde wären bereit, ihre Kinder auch in einer Schule außerhalb ihrer Heimatkommune beschulen zu lassen. Da das Kultusministerium in einer Handreichung allerdings 13 Schüler pro Klasse an Förderschulen als Mindestzahl ansieht, könnte das Interesse möglicherweise nicht ausreichen. Aber es gibt noch eine Hintertür. Denn 13 Schüler gelten laut Luttmann nur für die Neueinrichtung von Förderschulen, nicht für die Fortführung. Zudem könnte es in ländlichen Regionen Ausnahmen geben.

Zudem seien aufgrund bisheriger Erfahrungen statistisch mehr Schüler mit Förderbedarf Lernen zu erwarten – gerade in Rotenburg, wo durch viele Heimeinrichtungen auch während laufender Schuljahre ein höherer Zugang zu verzeichnen sei. Für die Pestalozzischule in Rotenburg erwartet die Kreisverwaltung demzufolge statistisch 16 Schüler, für die Janusz-Korczak-Schule in Zeven zwölf und für die Schule am Mahlersberg in Bremervörde 14. „Damit scheinen in Zeven die Chancen auf Verlängerung der Förderschule Lernen am geringsten“, so Luttmann in seinen Ausführungen, die am Donnerstag auf einer Anfrage der SPD-Fraktion basierten.

Eigentlich sollten die Förderschulen Lernen in Niedersachsen auslaufen. Die große Koalition in Hannover hatte im Februar jedoch die Inklusionspläne gebremst und lässt mit einer Änderung im Schulgesetz den Schulträgern mehr Freiheit. Es wurde die Möglichkeit eingeräumt, dass Förderschulen mit Schwerpunkt Lernen in der Sekundarstufe noch bis zum Beginn des Schuljahres 2022/23 Schüler der Klasse 5 aufnehmen dürfen. Mit der Neuregelung erhält dieser Schultyp noch einmal mehrere Jahre Aufschub. So sollen die allgemeinbildenden Schulen mehr Zeit bekommen, sich auf die Aufnahme von Kindern mit Lern-Förderbedarf einzustellen.

Der Landkreis zog diese Option und hat am 30. April den Antrag auf Verlängerung für alle drei Förderschulen gestellt. Ein Rückmeldung darauf gibt es aber noch nicht. Luttmann: „Auf eine Entscheidung oder zumindest Anhörung durch Landesschulbehörde wird dringend gewartet.“ Denn so seien auch noch keine Anmeldungen möglich – und das nun zwei Wochen vor Beginn der Sommerferien.

Luttmann sieht wie seine Parteikollegen im Kreistag die Förderschulen auch als wichtige Schnittstelle zur Koordinierung der Inklusion in den Regelschulen, weil es die vom Land in Aussicht gestellten Förderzentren noch nicht gibt. Den Vorwurf eines zu teuren Systems von mehreren Schulen nebeneinander, wie ihn zuletzt der Landesrechnungshof erhoben hat, lässt er nicht gelten. Luttman: „Doppelstrukturen sind selten wirtschaftlich, wobei der Personalmangel weniger durch die Förderschulen als durch die Inklusion ausgelöst wurde. Die Wahlfreiheit der Eltern ist allerdings auch ein hohes Gut. Außerdem darf man das Wohl der Kinder nicht nur wirtschaftlich betrachten. Letztendlich muss das Kultusministerium größere Anstrengungen unternehmen, die Schulen ausreichend mit Pädagogen zu versorgen.“

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