Die Pötte sind voll

Landwirte wissen bald nicht mehr, wohin mit der ganzen Gülle

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Im vergangenen Jahr regnete es so häufig, dass die Landwirte die Gülle nicht mehr auf die teilweise unter Wasser stehenden Acker- und Grünflächen bringen konnten. 

Rotenburg - Von Guido Menker und Rainer Klöfkorn. Mit Gülle lässt sich Geld verdienen. Wer ein großes Lager zur Verfügung und darin noch Platz hat, ist in diesen Tagen ein gefragter Mann. Denn viele Landwirte geraten an den Rand ihrer Lagerkapazitäten. Sie wissen bald nicht mehr, wohin mit der ganzen Gülle. Carsten Hipp, Geschäftsführer beim Kreislandvolkverband Rotenburg-Verden, bringt es auf den Punkt: „Die Pötte sind voll.“

Auf den Punkt gebracht hatte es vor kurzem auch Reinhard Zakrzewski, der als Wetter-Experte regelmäßig für die Rotenburger Kreiszeitung in den Himmel schaut: 2017 gab es Regen im Überfluss. Und zwar so viel, dass die Landwirte die Gülle nicht mehr auf die teilweise unter Wasser stehenden Acker- und Grünflächen bringen konnten. 

Die Folge: Viele Behälter sind bis zum Bersten gefüllt. Und die Sperrfrist zum Ausbringen von Gülle läuft erst Ende dieses Monats ab. Hipp: „Doch wer weiß, wie es dann aussieht?“ Auf wassergesättigte, tiefgefrorene oder auch schneebedeckte Böden darf keine Gülle aufgebracht werden. Mit dem bevorstehenden Ende der Sperrfrist muss das aktuelle Problem also noch lange nicht vom Tisch sein – und täglich kommen weitere Güllemengen hinzu.

Ernteerträge geringer als in den Vorjahren

Es trifft die Landwirte derzeit. In vielen Orten waren und sind die bewirtschafteten Flächen gar nicht oder nur eingeschränkt befahrbar. Das hat Konsequenzen: Die Ernteerträge fielen im Vergleich zu den Vorjahren geringer aus, teilweise musste auf den dritten Grasschnitt ebenso verzichtet werden wie auf die Ansaat von Wintergetreide. Und jetzt noch das Problem mit der Gülle. Die Tanks sind vielerorts randvoll, während die Tiere weiter neuen Dünger produzieren. Eigentlich soll der Lagerraum so groß sein, dass er für mindestens sechs Monate ausreicht. 

Carsten Hipp: „Doch selbst die Landwirte, die noch größere Kapazitäten vorhalten, stoßen so langsam an ihre Grenzen.“ Er spricht in diesem Zusammenhang einen Havarie-Erlass des Landes an, der das Ausbringen von Gülle in kleinen Mengen möglich machen kann. Aber: „Voraussetzung für eine solche Duldung ist die nachweisbare Prüfung aller möglichen Alternativen, wie zum Beispiel Lagerung in benachbarten Betrieben mit Aufnahmekapazitäten oder Aufnahme bei einer Güllebörse oder Biogasanlage sowie Reaktivierung stillgelegter, aber betriebsbereiter Lageranlagen“, heißt es in dem Erlass. 

Erst wenn es keine Alternativen mehr gibt, kann die Untere Wasserbehörde grünes Licht geben. Hipp: „Es gibt schon reichlich Anrufe, aber bislang hat bei uns noch kein Landwirt Gebrauch davon gemacht.“ Doch auch das kann sich bald ändern.

Carsten Hipp

„Die aktuelle Lagersituation für Gülle und Gärrest stellt die gesamte Landwirtschaft vor eine Herausforderung, weil sie so schwierig ist wie selten zuvor“, sagt der Geschäftsführer vom Maschinenring Zeven, Ralf Schomacker. Für die Landwirte sei sie mit erheblichen Kosten verbunden, sofern überhaupt Lagermöglichkeiten ausfindig gemacht werden könnten. 

Eine weitere Möglichkeit wäre, die Gülle zu separieren, also die Feststoffe von der Flüssigkeit zu trennen, um die Tanks zu entlasten. Hipp: „Das ist noch keine gängige Praxis und kostet ebenfalls Geld.“ Die Maschinenringe suchen deshalb überregional nach Lagerstätten. Fündig werden sie vor allem in Regionen mit weniger Viehhaltung, zum Beispiel in einigen Nachbarlandkreisen, sagt Schomacker. Gülletransporte erfolgten aber auch in entferntere Regionen, sogar bis nach Süd-Niedersachsen.

Höhe Kosten möglich

Für das Wetter ist niemand verantwortlich zu machen, dennoch reagierten einige Landwirte ungehalten, weiß Hipp. Grund: Sie müssen künftig noch mehr Güllelagerraum schaffen. Berechnungsgrundlage seien beispielsweise für Kühe 21 Kubikmeter Gülle pro Jahr gewesen – diese Zahl ist auf 30 Kubikmeter erhöht worden. 

Das könne, so Carsten Hipp, für einen Betrieb mit 100 Kühen zusätzliche Kosten in Höhe von 75.000 Euro nach sich ziehen. Das – gepaart mit der neuen Düngemittelverordnung – sei eine Zäsur. Mit weiteren Betriebsaufgaben müsse man daher rechnen.

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