Poetry-Slammer Karsten Lieberam-Schmidt begeistert mit Witz und Originalität

Immer gut betont und manchmal irre schnell

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Karsten Lieberam-Schmidts Texte sind nicht immer leicht, aber stets originell.

Rotenburg - Von Bettina Diercks. Großen Unterhaltungsfaktor hat Poetry-Slammer Karsten Lieberam-Schmidt am Sonntag im „Schmidt‘s“ bewiesen. Die Texte schräg, die irischen Songs klasse. Davon hätte der Reinbeker Agraringenieur vielleicht noch ein paar mehr bringen können.

„Ralf, wie lange darf ich reden?“, fragte Lieberam-Schmidt zu Beginn den Kneipenwirt Ralf Schirdewahn. „So lange Du redest“, lautete dessen Antwort. „Ich habe für sechs Stunden was dabei“, stellte Lieberam-Schmidt amüsiert klar.

Der Reinbeker fühlte sich als Irland-Fan im „Schmidt’s“ sichtlich wohl. Durch den Auftritt wurde dem Hamburger Autoren ermöglicht, sich selbst einen Herzenswunsch zu erfüllen. Zum Auftakt gab es irisches Liedgut, prompt setzte Pub-Feeling ein. „Das wollte ich schon immer einmal, eine Lesung mit einem Lied beginnen“, sagte der Slammer, der seit 1997 im Geschäft ist und vor kurzem seine „Slam-Volljährigkeit“ gefeiert hat. So erzählte er es dem Publikum. Aus diesem Grund hatte er einen Querschnitt seines Schaffens in der Tasche.

Lieberam-Schmidt kam zunächst auf den ersten deutschen Poetry-Slammer überhaupt zu sprechen: Heinz Erhardt. Erheiterte Zustimmung aus dem Publikum. „Der Weinberg hängt voll Reben, der Hund an Herrchens Blick, der eine hängt am Leben, der andere am Strick“, zitierte der Poetry-Profi, der in Rotenburg auch eins seiner „härteren“ Werke vortrug. Darin, wie in keinem seiner anderen Stücke, betonte der Autor, kämen recht häufig die Ausdrücke „geil, scheiße, fuck“ vor. „Wahnsinn“ heißt der Text und tatsächlich kommt mitunter der Verdacht auf, dass Lieberam-Schmidt während des Schreibens recht schräg drauf war. Unter Drogen steht zumindest der Protagonist der Geschichte, der einen ziemlichen verklärten Blick auf das Geschehen um sich herum beweist.

Insgesamt sind Lieberam-Schmidts Texte oft recht skurril und wahrhaft farbenfroh. Dazu passt das Wort „verhaltensoriginell“, das in „Die Diagnose“ vorkommt. Urkomisch ist „Kein Banküberfall“, mit dem der Reinbeker das 17. Bremer Krimi-Festival im vergangenen Jahr für sich entscheiden konnte. In „Kein Banküberfall“ will der Räuber kein Geld, die Bombe explodiert nicht, die Kugel des Polizisten trifft nicht und die beiden Damen, die sich neben dem Schalterbeamten in der Bank befinden, sollen sich auch nicht hinlegen. Und sind enttäuscht. „Gönnen Sie ihnen doch den Spaß“, fordert der Bankdirektor. Fortan tauchen die beiden Frauen immer wieder kichernd – auf dem Boden liegend – in der Szenerie auf.

Witz und Originalität beweist Lieberam-Schmidt auch mit „Bei Hempels unter dem Sofa“. Darunter findet die Putzfrau allerhand, alles fein säuberlich beschriftet. Dabei entpuppt sich das Telefon mit Wählscheibe als harmloser Anfang. Da sind der erste Mensch, das eingefrorene Mammut, die Telefonnummer für Elvis und das Bernsteinzimmer. Das wird natürlich erstmal auf Vordermann gebracht, bevor es unter dem Sofa weiter geht und die Reinigungskraft dann auf den Mann ihres Lebens stößt. Eine ausgeprägte Fantasie hat der Mann aus Schleswig-Holstein.

Gut betont und pointiert, manchmal irre schnell flitzt Lieberam-Schmidt durch die um die Ecke gedachten Texte und macht das Zuhören zwar nicht immer leicht, doch der Spaßfaktor bleibt stets erhalten.

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