Poetry-Slam im „Schmidt´s“: Hauke Schrade sichert sich den Sieg

Die ganze Palette des zwischenmenschlichen Seins

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Sieger Hauke Schrade aus Delmenhorst räumte bereits in der Vorrunde die Höchstwertung ab.

Rotenburg - Von Ulla Heyne. Wahrlich facettenreich war sie, die zehnte Ausgabe des Dichterwettstreits „Wortfassetten“ am Sonntagabend im „Schmidt‘s“ in Rotenburg. Nicht nur, was das Feld der Teilnehmer betraf: Männlein und Weiblein, Neulinge und alte Hasen, Lokalhelden und überregionale Slammer – auch die Bandbreite der Themen der zehn Wortbeiträge, die Vortragskunst und die Mischung von ernst über skurril bis urkomisch ließ kaum zu wünschen übrig.

Dabei legte Hauke Schrade, zum ersten Mal in Rotenburg, mit seiner Sprachbetrachtung „Was, wenn Hochdeutsch versagt?“ die Messlatte in schwindelnde Höhe. Seine Gedanken zum Slammen auf Sächsisch oder Latein („Totgesagte waren vielleicht nur länger weg“), in denen er die Sprache zum Gegenstand machte, hatten etwas vom modernen Zauberlehrling; Höchstwertung von der Publikumsjury. Der Einzug ins Finale war früh gesichert, und Felix Chauvin mit einer ebenfalls starken Leistung – Phantomschmerzen bei Eierschneider und Nussknacker in „Kochen ist Mord“ – zog den Kürzeren.

Ähnlich stark der engagierte Vortrag von „Credo“ aus Bremervörde. Sein tiefsinniger Text „Der langsame Abschied“ zum Thema Demenz brachte ihn ins Finale, ebenso wie die lakonischen Betrachtungen von Lokalmatadorin Conny Fauck über den „persönlichen Klimawandel“, die Wechseljahre. Schonungslos philosophierte die Rotenburgerin über wechselwarme Frauen und die Kälteschockstarre kalter Partnerfüße und forderte einen Klimagipfel der anderen Art. So originell war das ursprünglich geforderte Thema „Umwelt“ wohl selten interpretiert worden.

Dieses Mal auffällig am Programm: kaum Politisches, dafür die ganze Palette des zwischenmenschlichen Seins. Der Generationenkonflikt, den „Angry Young Man“ Jonas Trochemowitz aus Scheeßel in seinem Text „Die Tante“ thematisierte, oder der „Laufpass vom Lover“, mit dem Nadja Salewski aus Sottrum die letzte der drei Vorrunden beendete.

Dass sich Vorrunden-Abräumer Hauke Schrade auch im Finale durchsetzte und auch mit seiner Zugabe über seine Heimatstadt Delmenhorst die Lacher auf seiner Seite hatte („Hier kennen sich Dealer und Polizist noch persönlich – und zum Uringeruch auf dem Bahnhof spielt klassische Musik!“) im Finale durchsetzte: fast schon Nebensache. Aber eine sehr schöne.

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