Dichter am Tresen

Podiumsdiskussion mit Lars Klingbeil und Carsten Büttinghaus

Carsten Büttinghaus (l.) und Lars Klingbeil (r.) stellten sich beim „Bundestalk am Tresen“ den Fragen von Michael Krüger und Heiko Kehrstephan.
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Carsten Büttinghaus (l.) und Lars Klingbeil (r.) stellten sich beim „Bundestalk am Tresen“ den Fragen von Michael Krüger und Heiko Kehrstephan.

Am Sonntag ist Bundestagswahl - und zum Endspurt des Wahlkampfs saßen sich Lars Klingbeil (SPD) und Carsten Büttinghaus (CDU) beim „Bundestalk am Tresen“ gegenüber, zu dem das Rotenburger Wirtschaftsforum und die Rotenburger Kreiszeitung in den Stadtspeicher in Rotenburg geladen hatten.

Rotenburg – „Vielleicht bieten sie sich ja am Ende des Abends das Du an“, spekulierte Heiko Kehrstephan zu Beginn der Podiumsdiskussion „Bundestalk am Tresen“, zu der das Rotenburger Wirtschaftsforum und die Rotenburger Kreiszeitung eingeladen hatten. Vor zwei Wochen fühlten er und Redaktionsleiter Michael Krüger Lokalpolitikern auf den Zahn, am Donnerstag im Stadtspeicher saßen sich die Bundestagskandidaten Carsten Büttinghaus (CDU) und Lars Klingbeil (SPD) gegenüber.

Und auch, wenn die Kontrahenten längst beim Du angekommen sind und zumindest an diesem Abend einen lockeren Umgang miteinander pflegten: Ein Duell auf Augenhöhe war es nicht.

Lars Klingbeil (r.) will erneut per Direktmandat in den Bundestag.

Das lag an den Hintergründen der Kandidaten, mit denen sie am Donnerstag in den Stadtspeicher kamen. Auf der einen Seite der Neuling im Politgeschäft, der sich ohne viel Erfahrung zum Ziel gesetzt hat, die „CDU-Erbfolge“ auf das Direktmandat, wie Krüger in seiner Moderation bemerkt, wieder herzustellen. Auf der anderen Seite der Bundestagsabgeordnete, der seit vier Jahren als Generalsekretär auf der großen Politbühne agiert. Und dieser Unterschied spiegelte sich auch im Verlauf der Diskussion wider, in der sich beide souverän und vorbereitet präsentierten.

Inhaltliche Differenzen bei beiden wurden an diesem Abend dagegen wenig deutlich, immer wieder nickte der eine bei Statements des anderen.

Im Vorfeld hatte Büttinghaus dafür geworben, zwei Vertretern des Wahlkreises ins Parlament zu verhelfen, und da Klingbeil über einen Listenplatz abgesichert sei, ihm die Erststimme zu geben. Diesen Appell bemühte er mehrmals im Laufe des Abends, auch beim Thema Corona und der 2G-Regelung in der Gastronomie- und Veranstaltungsbranche vermied er klare Aussagen, wie künftig mit der Pandemie umzugehen ist. Ins Schwimmen geriet er auch bei einer Nachfrage Krügers zur Kommunalwahl, wo Büttinghaus für den Bispinger Gemeinderat kandidierte, den Einzug dort jedoch deutlich verfehlt hatte.

Gedichte auf Bierdeckeln

Der Herausforderer aus Bispingen kam allerdings mehr in Fahrt, als die Koalitionsfrage auf den Tisch kam. Und auch als beide Kandidaten eine kurze Musikpause nutzen sollten, ein Gedicht über Rotenburg auf Bierdeckeln zu schreiben, gerät Büttinghaus’ Werk mit dem Verweis auf die Wahl gewitzter und pointierter. Und als Klingbeil im Fall der Digitalisierung an den Schulen die Einrichtung eines nationalen Bildungsrates ankündigte, betonte Büttinghaus, wie „peinlich“ es ihm gewesen sei, im Jahr 2021 überhaupt noch für Digitalisierung zu werben. „Da haben wir den Zug verpasst.“

Klingbeil wiederum hatte die jahrelange Erfahrung als Parlamentarier auf seiner Seite sowie seine Verbindungen in der SPD-Parteispitze – und spielte diese Karte auch gerne aus, beispielsweise, wenn es um Zwei-Minuten-Telefonate mit Kanzlerkandidat Olaf Scholz oder das Werben um Fördermittel für Projekte in seinem Wahlkreis ging. Deutlich wurde Klingbeil zudem in der Frage nach Koalitionsoptionen: „Die Linke liegt jetzt bei sechs Prozent, und ich hätte gar kein Problem, wenn die aus dem Bundestag rausfliegen.“

Carsten Büttinghaus (l.) kämpft als Neuling um den Wählerauftrag im Wahlkreis.

Und ihm gelang der schlagfertigere Wahlslogan für den Kontrahenten, den beide verfassen sollten. „Auch gegen den Strom“ war Büttinghaus’ Vorschlag für Klingbeil, der konterte deutlich treffsicherer mit „Eigentlich grün“, für die nicht wenigen „grünen“ Positionen, die Büttinghaus während des Wahlkampfes immer wieder deutlich gemacht hatte.

„Wählen Sie den Besten“, lautete die Wahlempfehlung der Moderatoren zum Abschluss. Wenn, auch gemessen an Applaus und vermutlich auch dank des Erfahrungsvorsprungs, die Runde im Stadtspeicher eher an Klingbeil ging – am Ende zählt das Ergebnis am Sonntagabend um 18 Uhr. Schließlich sind Wähler immer für eine Überraschung gut.

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