Podiumsdiskussion zur 1. Mai-Tour: Dialog bringt erste Ergebnisse

Die Wurzel allen Übels

+
Andreas Weber im Dialog in der Aula.

Rotenburg - Von Stefanie Heitmann. Die Angst von Bürgermeister Andreas Weber (SPD) vor Beginn der Debatte um die Tour zum Bullensee am 1. Mai war unbegründet: Rund 130 Jugendliche und Erwachsene waren am Dienstagabend in die Aula der Realschule in Rotenburg gekommen, um über die Zukunft des traditionellen Marsches zu sprechen. Weber stellte ein Selbstverpflichtungskonzept vor, dass bei manchem Zuhörer auf Unmut stieß und hitzige Diskussionen auslöste. Am Ende gab es jedoch einen Kompromiss.

Es gibt nicht viele Veranstaltungen, die in Rotenburg für Jugendliche angeboten werden. Eine der wenigen Höhepunkte ist die Tour zum Bullensee am 1. Mai. An dieser feuchtfröhlichen Tradition nehmen mittlerweile mehrere tausend Menschen teil. Die Eigendynamik dieser Masse und jede Menge Alkohol hätten zu vielen Problemen geführt, hieß es von Seiten der Verwaltung. Die Stadt hatte deshalb das Mitführen von Glasflaschen und Trinken von Alkohol im Bereich des Mühlendes für den 1. Mai verboten.

Doch nachdem sich in den sozialen Netzwerken heftiger Widerstand dagegen formierte, setzte die Verwaltung nun auf Dialog. Es gehe nicht darum, die Jugendlichen zu bevormunden, so Weber. Dennoch sei die Tour so nicht mehr tragbar. „Wir hatten Einsätze wegen Vandalismus, Körperverletzungen und auch Sexualstraftaten“, sagte Polizeioberrat Jörg Wesemann. „In zwölf Stunden Bullensee-Tour gab es dreimal so viele Einsätze wie in 24 Stunden beim Hurricane Festival.“ Zudem sei es für Rettungswagen kaum möglich gewesen, zu Einsätzen zu fahren, da viele Menschen die Wege blockierten und sogar Rettungskräfte angriffen. Das Baden im Bullensee und das Nutzen mancher Wege sei wochenlang wegen Glasscherben und Müll nicht möglich. Warum die Bullensee-Tour seit einigen Jahren immer mehr aus dem Ruder läuft, ist für Weber eindeutig: „Die Wurzel allen Übels ist der Konsum von zu viel Alkohol.“

Um aber einen Kompromiss zu finden, stellte Weber eine Art Selbstverpflichtungskonzept vor. Das beinhaltete unter anderem die Verpflichtung, im Gebiet rund um die Schule am Grafel, die als Start- und Sammelpunkt dient, keinen hochprozentigen Alkohol zu trinken. Straftaten sollen mit dem Handy dokumentiert und gemeldet werden. Bei Vandalismus und dem Mitführen von Glasflaschen mit hartem Alkohol droht ein Bußgeld von 200 Euro. Die Kosten von rund 10000 Euro für Aufräum- und Reinigungsarbeiten, die durch die Selbstverpflichtung entfallen, sollen in Projekte für Jugendliche fließen. Es soll eine Art „Wegezoll“ in Höhe von fünf Euro gezahlt werden, und laute Musik aus großen Anlagen auf den Bollerwagen soll es auch nicht mehr geben.

„Das Bauen und Herrichten der Bollerwagen ist doch Teil der Tradition“, entgegnete ein junger Mann aus dem Publikum. Besonders diese Auflage empfanden viele als Gängelei. „Wenn man nach diesen Punkten geht, dürfte es keine einzige Kohl-Tour mehr geben“, hieß es im Publikum. Die Verpflichtung sei mit heißer Nadel gestrickt, um acht Wochen vor der Tour schnell etwas auf die Beine zu stellen. „Es geht hier die ganze Zeit darum, warum die Tour nicht mehr stattfinden soll, aber Sie fragen nicht, warum wir die Tour überhaupt machen“, bekam Weber ebenfalls zu hören. Die Einschränkungen würden vor allem die friedliche Mehrheit treffen. „Das Problem sind doch nicht die Jugendlichen, die heute Abend nach einer Lösung suchen und den Dialog wollen. Es sind die, die nicht anwesend sind“, so ein weiterer Anwesender.

Polizei und die Vertreter der Stadt appellierten an die Tour-Teilnehmer: „Es gibt keinen Veranstalter, der Ansprechpartner ist. Wir würden uns freiwillige Helfer wünschen, die am Tag unterstützen und auch beim Aufräumen helfen“, sagte Weber. Rund 250 Freiwillige würden gebraucht. Beim Publikum stieß die Idee auf Zustimmung: Viele trugen sich in die Listen für Hilfstätigkeiten ein. Weber sah darin den Schritt aufeinander zu und rückte in einem Punkt vom Verpflichtungspaket ab: „Die Musikanlagen auf den Bollerwagen können weiter wie gehabt genutzt werden.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Rio tanzt nicht mehr: Der geplatzte Olympia-Traum

Rio tanzt nicht mehr: Der geplatzte Olympia-Traum

Diese sieben Promis erlitten einen Schlaganfall

Diese sieben Promis erlitten einen Schlaganfall

Alleskönner-Alu oder Edel-Carbon: Rahmen für Radler

Alleskönner-Alu oder Edel-Carbon: Rahmen für Radler

Bilder: Freiburg gewinnt Hinspiel gegen Domzale

Bilder: Freiburg gewinnt Hinspiel gegen Domzale

Meistgelesene Artikel

Auto prallt frontal gegen Baum - Fahrerin schwer verletzt

Auto prallt frontal gegen Baum - Fahrerin schwer verletzt

Das Herz der Stadt ist seit 30 Jahren autofrei

Das Herz der Stadt ist seit 30 Jahren autofrei

Aus Freundschaft wurde er zum Straftäter

Aus Freundschaft wurde er zum Straftäter

Open-Air-Disco in Brockel am Samstag

Open-Air-Disco in Brockel am Samstag

Kommentare