Jan Plewka inszeniert beim Stiftungskonzert den „Klang der Stille“

Plausch mit Mrs. Robinson

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Verhaltene Momente und große Gesten: Jan Plewka kann beides.

Rotenburg - Von Ulla Heyne. Jan Plewka zelebriert die Stille – ganz getreu dem Motto des Stiftungskonzerts „Sound of Silence“ am Sonntagabend in der Rotenburger Stadtkirche. Bei spärlichem Licht betreten die fünf Musiker nacheinander die Bühne, jeder in ein Buch vertieft. Texte wollen sie vortragen, verkündet der bärtige Mittvierziger mit dem fast kahl geschorenen Schädel.

Wechselseitig rezitieren die Musiker die ersten Liedtexte von Simon & Garfunkel auf Deutsch: den des titelgebenden Songs ebenso wie „The Boxer“. Einige der rund 550 Zuschauer kichern verunsichert. „Ja, will der denn nicht singen?“, raunt jemand. Will er – aber nicht nur. Der Auftritt ist mehr als nur Konzert: Er ist Theater, Referenz, Hommage. Im Dialog mit der auf Leinwand eingeblendeten „Mrs. Robinson“ etwa schlüpft Plewka in die Rolle des jungen Benjamin, der sich in der Schlüsselszene der „Reifeprüfung“ beinahe von einer Freundin der Eltern verführen lässt.

Bei aller Wahrhaftigkeit, die der Sänger in seine Beschäftigung mit dem Thema legt, gibt es immer eine andere distanziertere Ebene. Etwa, wenn er die Leinwand-Partnerin unvermittelt fragt, warum sie denn so unscharf sei. Das gilt auch musikalisch: Plewka versucht gar nicht erst, bei den Liedern von Simon & Garfunkel Originaltreue zum Dogma zu erheben. Er macht aus den Vorlagen etwas Eigenes – nicht immer so extrem wie bei „Cecilia“, das statt fröhlicher Beschwingtheit in bedrohlichem Moll daherkommt.

„America“ kommt durch die leicht kantige Stimme des Hamburger Sängers wohltuend ohne Schwulst daher, „Feeling Groovy“ endet im Impro-Duo zwischen Bongos und Melodica. Möglicherweise peinliche Klippen wie das arg strapazierte „Bridge Over Troubled Water“ umschifft der Charismatiker, indem er von Anfang an das Publikum zum Keyboard singen lässt; das ist nicht immer schön, aber es verbindet. Warum der Melodica-Spieler eine Diskokugel auf dem Kopf hat, fragt sich zu diesem Zeitpunkt niemand mehr – eher schon, ob bei „Sound of Silence 2.0“ das exakt in die Stille zwischen zwei Strophen klingelnde Handy zur Inszenierung gehört (tut es). Und die beherrscht der äußerst präsente Plewka perfekt.

Stiftungskonzert in Rotenburg

Der Abend steigert sich: Vom Ulk-Mitmach-Stück „Joe“ über „50 Ways To Leave Your Lover“, bei dem er mit den Zuschauern in den Reihen kokettiert: „Schick sie auf den Mars, Lars!“ über intime Momente beim akustischen „Old Friends“ im Duo mit Gitarrist Marco Schmedtje bis zum rockigen „Mrs. Robinson“: Plewka transportiert Stimmungen.

Der Wittkopsbosteler Musiker Bobby Meyer war nach eigenem Bekunden zuerst skeptisch: „Mit der Stimme Simon & Garfunkel singen – ob das funktioniert?“ Das Ergebnis hat ihn so überzeugt, dass er sich das Programm heute bereits zum zweiten Mal ansieht.

Und am Ende sind sie doch wieder da, die empor gereckten Arme des Selig-Frontmanns, die große Pose. Da stimmt man doch gern ins kollektive „Ley La Ley“ ein, bevor er nach zwei viel zu kurzen Stunden wieder da ist: der Klang der Stille.

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