„Stadt wollte Gebiet eigentlich nicht“

Ausschuss ebnet Weg zur Vorrangfläche für Windenergie

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Langsamer als es hier erscheint, werden sich die Rotorblätter der Anlagen im Windpark Wohlsdorf drehen.

Mit dem Beschluss des Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP) wird der Landkreis einen Bereich zwischen Wohlsdorf und Rotenburg zur Vorrangfläche für Windenergie erklären. Das Unternehmen Windpark Wohlsdorf hat bereits entsprechende Pläne. Diese sollen nun in einem städtebaulichen Vertrag festgeklopft werden.

Rotenburg – So richtig glücklich war man im Rathaus zunächst nicht über das, was da am Rotenburger Stadtrand entstehen soll. Neun Windräder insgesamt, davon sieben auf Rotenburger Gebiet, sollen im Windpark Wohlsdorf gebaut werden. „Die Stadt wollte es eigentlich nicht, weil es sehr nah an der Wohnbebauung liegt“, erinnerte Andreas Weber (SPD) in der Sitzung des Planungsausschusses der Stadt an die Beteiligungsphase für das Regionale Raumordnungsprogramm, in der der Stadtrat zweimal dagegen interveniert hatte.

Doch wenn der Landkreis das RROP voraussichtlich im Mai beschließt, wird die Fläche im Bereich des Ahlsdorfer Forst und Wohlsdorf ein Teil von insgesamt knapp einem Prozent im Kreis sein, der für Windkraft genutzt werden kann. „Wenn das Regionale Raumordnungsprogramm so beschlossen wird, dann werden wir uns nicht großartig dagegen wehren können“, meinte Weber. Man habe sich aber nun entschieden, den Prozess nicht weiter zu verzögern. „Wir wollen uns eher an die Spitze der Bewegung stellen, wenn wir es eh nicht verhindern können.“ Schließlich könne man damit auch einen sinnvollen Beitrag zur Energiewende leisten. Auch Anlieger konnten sich während einer Veranstaltung bereits über das Projekt informieren. Aber nur wenige Anwohner seien gekommen, erklärte Weber. Nun ebnet die Verwaltung dem Unternehmen Windpark Wohlsdorf mit einem städtebaulichen Vertrag den Weg in die Umsetzung

Besonders hohe Windräder geplant

Die Windräder sind mit 250 Metern allerdings sehr hoch. „Der angrenzende Wald ist da kaum noch ein schützendes Element“, gab Weber zu, wog aber gleichzeitig ab, dass die Anlagen dafür deutlich wirtschaftlicher sind. Das bestätigte auch Dirk Trochelmann von der Firma Windpark Wohlsdorf, als er die Pläne näher erklärte. Eine einzelne Anlage könne 4400 Personenhaushalte mit Strom versorgen. Alle neun Anlagen kommen somit aufknapp 40.000 Haushalte. Damit könne sich die Stadt im Hinblick auf die Stromversorgung klimaneutral aufstellen. Pro Jahr produziere der Windpark 140 Millionen Kilowattstunden. Diese Effizienz werde erst durch die Höhe ermöglicht, gab Trochelmann den Ausschussmitgliedern zu verstehen. Von kleineren Windkrafträdern bräuchte man deutlich mehr, um diese Leistung zu erzielen. Die Rotorblätter, jedes ist 70 Meter lang, würden sich aufgrund der Beschaffenheit deutlich langsamer drehen, als man es von anderen Windrädern kennt. Dadurch werde auch weniger Lärm erzeugt. Ein Problem, das das Unternehmen bei der Planung umgeht, ist die nächtliche Lichtbefeuerung. „Die lässt sich regeln“, äußerte sich Weber erleichtert. Aktiviert werde sie nur, wenn tatsächlich Luftverkehr registriert wird.

Die Firma will außerdem eine Windparkstiftung einrichten, bei der pro Anlage und Jahr 2000 Euro einem gemeinnützigen Zweck zukommen. Geplant ist auch, einen Lehrpfad zu regenerativer Energie einzurichten. Dort könne man etwa Schulklassen erklären, wie die Technologie funktioniert.

Vorbehalte nicht gänzlich ausgeräumt

Trotzdem konnten die Vorbehalte gegenüber dem Vorhaben nicht gänzlich ausgeräumt werden. Klaus Rinck (CDU) erinnert etwa daran, dass sich die Rotenburger Kreistagsmitglieder seiner Partei sich gegen den Standort ausgesprochen hatten. „Wir konnten uns mit der Position im Kreistag leider nicht durchsetzen.“ Er werde sich enthalten, weil er einer Maßnahme nicht zustimmen könne, gegen die er sich deutlich positioniert hat. Es liege aber nicht daran, dass er das Vorgehen der Stadt nicht nachvollziehen kann. Heike Behr (SPD) schloss sich an, dass für die SPD-Kreistagmitglieder aus der Stadt Rotenburg das gleiche gelte. In der Abwägung komme sie aber zu einem anderen Schluss. „Wir haben vom Kreis dieses Vorranggebiet sozusagen vor die Füße gelegt bekommen, nicht zu meinem Vergnügen“, verdeutlichte sie. Man sollte nun aber das Beste draus machen.

Auch Ausschussmitglied Gunter Schwedesky (FDP) hat sich gegen den Windpark ausgesprochen. Die Anlagen seien für den Standort zu hoch. „Man wird sie von fast überall in Rotenburg sehen können.“ Schwedesky kritisierte auch, dass durch die Höhe der Anlagen viel Schlagschatten entstehen wird. Dirk Trochelmann reagierte darauf und erklärte, dass es eine Richtlinie gebe, die festlegt, dass nur ein bestimmtes Maß an Schattenwurf pro Anlage entstehen darf. Mittels eines Sensors könne das registriert werden, sodass die Windräder sich gegebenenfalls ausschalten. „Wir haben da ganz strenge Auflagen, die wir erfüllen“, betonte er. Der Planungsausschuss stimmte dem städtebaulichen Vertrag bei fünf Enthaltungen der CDU und FDP zu.

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