Ausstellung 

Plakate dokumentieren Teil der Cohn-Scheunen-Geschichte

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Inge Hansen-Schaberg (v.l.), Bodo Lemme, Wolfgang Dörffler und Manfred Göx freuen sich über die neue Dauerausstellung in der Cohn-Scheune. Plakate der vergangenen Jahre zeigen, was dort schon alles stattgefunden hat und wie breit das Angebot ist. 

Rotenburg - Von Guido Menker. Der Platz ist rar. Da muss dann auch das Treppenhaus der Rotenburger Cohn-Scheune herhalten, wenn es um eine Ausstellung geht. Seit Mittwoch ist eben dort etwas Neues zu sehen – eine Ausstellung von Plakaten, die seit 2006 für Veranstaltungen zugunsten oder eben auch in der Cohn-Scheune geworben haben. Vorträge, Filme, Lesungen und Musik, Aktivitäten sowie Sonderausstellungen – da ist im Laufe der vergangenen zwölf Jahre so einiges zusammengekommen.

13 Plakate haben Bodo Lemme, einst der erste Vorsitzende des Fördervereins, sowie Wolfgang Dörffler zunächst ausgesucht, gerahmt und an den Wänden platziert. „Wir haben noch weit mehr“, sagt Bodo Lemme stolz, während er in einem Ordner blättert, in dem die kleinformatigen Entwürfe sauber verpackt gesammelt werden. „Die Ausstellung soll jetzt dauerhaft laufen“, unterstreicht die Vorsitzende Inge Hansen-Schaberg die Entscheidung des Vereinsvorstandes. 

Unterbrochen werde sie nur von Sonderausstellungen – denn der Platz ist rar. Da wird jeder Winkel benötigt. Die Ausstellungsräume bieten rund 120 Quadratmeter. Das ist nicht viel. Aber bislang kommt der Förderverein sehr gut zurecht – sowohl bei der Museumsarbeit als auch im Bereich der Kultur-Werkstatt.

Die Idee dieser Ausstellung geht auf eine Frage zurück, mit der sich der Vorstand intensiv beschäftigt hat: Wie lassen sich neue Besucher erreichen? Rund 100 sind es über die Jahre betrachtet pro Monat. Mal mehr, mal weniger. An zwei Tagen in der Woche – immer mittwochs und sonntags von 14.30 bis 17 Uhr – steht die Tür der Cohn-Scheune gleich gegenüber der Rotenburger Stadtkirche offen. 

Die Familie Cohn hat eine bewegte und bewegende Geschichte

Bei zwei Euro Eintritt haben Gäste Gelegenheit, sich das Museum anzusehen und sich dabei vor allem auch mit der Geschichte der jüdischen Familie Cohn auseinanderzusetzen. Eine bewegte wie auch bewegende Geschichte. Die Cohn-Scheune hatte einst ihren Platz im Hinterhof eines Hauses an der Großen Straße und diente der Familie-Cohn lange Zeit als Schneiderwerkstatt. Später führte sie ein Schattendasein, bis sich Anfang des Jahrhunderts eine Gemeinschaft formiert hat, um das historische Gebäude zu sichern. 

2004 hat sie es abgetragen, eingelagert und damit erst einmal gesichert. 2010 fand die Scheune am Kirchhof einen neuen Standort. Dazwischen lagen schwierige Jahre für alle, die an diesem Projekt mitgearbeitet haben. Geld musste her. Viel Geld sogar. Und die Wahl des Standortes einen Steinwurf von der Stadtkirche entfernt löste über viele Monate heftige Diskussionen aus. Kritiker äußerten sich immer wieder, Befürworter kämpften dagegen an. 

Seit der Einweihung 2010 hat die Cohn-Scheune auch in der Rotenburger Gesellschaft ihren Platz gefunden. Und doch stellt Manfred Göx vom Vorstand fest, dass die meisten Rotenburger noch nie in der Cohn-Scheune waren.

Öffentliche Unterstützung bekommt der Verein nicht

Vielleicht kann die neue Dauerausstellung helfen, das zu ändern. Schließlich dokumentiert sie nicht nur, sondern sie verdeutlicht auch, wie vielfältig das Leben ist, mit dem der Verein es in den zurückliegenden Jahren gefüllt hat. Ein Verein übrigens, der für die laufenden Kosten keine öffentliche Unterstützung bezieht. Eintrittsgelder und Spenden müssen reichen. 

Das scheint recht gut zu funktionieren. Mehr noch: Mit interaktiven Computern kommt ein ganz wesentlicher Teil des Museums auch äußerst zeitgemäß daher. Viele Schulklassen buchen Führungen – auch das ist außerhalb der festen Öffnungszeiten nach Absprache möglich. Und während der Öffnung am Mittwoch und Sonntag sind immer auch zwei Mitglieder des Vereins ansprechbar; sie können Fragen beantworten und auch bei der geschichtlichen Einordnung helfen. 

Zurzeit sind es 13 Plakate, die hinter Glas fixiert zu sehen sind. Wird die Ausstellung von einer Sonderschau unterbrochen, nutzen Dörffler und Lemme die Zeit, um andere Plakate aus den vergangenen zwölf Jahren für diese Präsentation auszuwählen.

Förderverein Cohn-Scheune

• Der Förderverein Cohn-Scheune zählt zurzeit 114 Mitglieder. Der erste Vorsitzende des Vereins war Bodo Lemme, der das Amt 2008 an Michael Schwekendiek übergeben hat. Schwekendiek führte den Verein bis 2016. Seine Nachfolgerin ist Inge Hansen-Schaberg.

• Die Cohn-Scheune ist das einzige Museum dieser Art und Größe mit lokalem Bezug „weit und breit“, sagt Bodo Lemme.

• Die Cohn-Scheune ist das letzte existierende „Originalgebäude“ des Anwesens der jüdischen Familie Cohn, das in der Großen Straße 32 lag. Im 19. Jahrhundert gehörten Fachwerkscheunen zum typischen Bestand der innerstädtischen Wohnhäuser. Die cohnsche Scheune wurde 1834 errichtet und danach mehrfach umgebaut und erweitert.

•Kontakt zum Förderverein ist möglich per E-Mail an die Adresse info@cohn-scheune.de.

• Der Verein ist im Internet zu finden unter www.cohn-scheune.de. - men

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