Pinguinforscher Klemens Pütz bereitet sich auf die nächste große Reise vor

Im tiefsten Süden

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Dr. Klemens Pütz, Pinguinforscher und wissenschaftlicher Direktor des Antarctic Research Trust.

Bremervörde - Von Wieland Bonath. „Dort im Futterhäuschen“, sagt Klemens Pütz und deutet durch sein Arbeitszimmerfenster in den winterlichen Garten seines Hauses in Spreckens bei Bremervörde, „dort haben sich gerade drei Schwanz meisen niedergelassen“. Ein schönes Bild, über das sich der Diplom-Biologe immer wieder freut. Aber die große Leidenschaft des 55-jährigen Wissenschaftlers sind seit 25 Jahren ganz andere Federvögel, nämlich die watschelnden Frackträger, die Pinguine.

Pütz ist gerade mit der Vor- bereitung einer neuen Expedition zu „seinen“ Pinguinen beschäftigt: In Süd-Chile will er sich mit dem Polarforscher und Buchautor Arved Fuchs treffen. Fuchs, der 1989 als erster Mensch im Laufe eines Jahres den Nord- und den Südpol erreichte und die Antarktis mit Reinhold Messner durchquerte, will in diesem Jahr mit seiner Crew und dem Haifischkutter „Dagmar Aaen“ zu einer schwierigen Reise in weitgehend unerforschte Bereich aufbrechen, nämlich zu den vier kleinen Inseln Noir, Ildefonso, Diego Ramirez und de los Eskedos, die zu Chile und Argentinien gehören.

Eine Expedition, mit der der 62-jährige Fuchs auf die Problematik „Mensch und Umwelt“ aufmerksam machen will. Genau zu dieser Expedition hatte sich Arved Fuchs mit Klemens Pütz den passenden und kompetenten Begleiter ausgesucht: Der einzige deutsche Pinguinforscher, der sich seit einem Vierteljahrhundert mit den Rätseln dieser eleganten Schwimmvögel beschäftigt, wird dabei Fel- senpinguine in seine Forschungsarbeit einbeziehen.

Pütz wird eine Reihe von Felsenpinguinen mit Satellitensender ausrüsten, die über einen bestimmten Zeitraum hinweg Daten über das Leben und Verhalten der geheimnisvollen Tiere senden. Ein weiterer Baustein für ein deutlicheres Bild der Pinguine.

Klemens Pütz, geboren in Bonn, promovierte an der Christian-Albrechts-Universität Kiel über die Ernährungsökologie von Kaiser- und Königspinguinen. Nach seiner Arbeit in der Pinguin-Forschungsgruppe der Uni Kiel und am Alfred-Wegener-Institut Bremerhaven war er auf den Falklandinseln als Fischerei-Inspektor und wissenschaftlicher Berater von Falklands Conservation tätig. Gleichzeitig gründete Pütz zusammen mit Kollegen den Antarctic Research Trust (ART), als dessen wissenschaftlicher Direktor er noch heute tätig ist.

Der Biologe mit den vielen Wirkungsstätten siedelte vor 14 Jahren in den Landkreis Rotenburg über. Pütz zieht es jedoch immer wieder hinaus in die Welt: Er untersuchte an der Vogelwarte Hiddensee die Steuerung des Vogelzugs am Beispiel der Heringsmöwe, mehrere Male pro Jahr reist er in Bereiche der südlichen Halbkugel mit der fast menschenleeren Antarktis und den Pinguinen als zentralem Ziel.

„Pinguine haben Ausstrahlung, weil sie nicht wie ein ,anständiger‘ Vogel rum- laufen, sondern sehr menschenähnlich, weil sie hervorragend an ein Leben im Wasser angepasst sind und dort in ihrem eigentlichen Lebensraum phantastische Leistungen vollbringen. Kaiserpinguine zum Beispiel tauchen bis 500 Meter tief und können sich über 20 Minuten unter Wasser aufhalten“, so der Wissenschaftler über seine Faszination für diese einzigartigen Vögel. Gut zwei Drittel der Pinguine, so Pütz, seien von der International Union for Conservation of Nature (IUCN) als bedroht eingestuft worden. Die Zerstörung des Lebensraums und die Vergiftung der Umwelt gehörten zu den Ursachen, so der Wissenschaftler.

Die kürzlich von vielen Politikern „gefeierte“ Klimakonferenz in Paris kommentiert Pütz so: „Ich bin Berufsoptimist, aber es gibt im Zusammenhang mit der Antarktis als Kontinent viele große Fragezeichen.“ Der Biologe, Wissenschaftler, Naturschützer und Buchautor wird nicht aufgeben, dafür ist er von seiner Sache zu sehr fasziniert. Er sagt es mit diesen Worten: „Ich mache so lange weiter, wie es mir Spaß macht.“

Und Klemens Pütz sagt auch dieses, gerichtet an die Adresse der Naturschützer und Ignoranten: „Nur was man kennt, kann man schützen.“ Er freue sich darüber, dass die Besucherzahlen in der Antarktis wieder ansteigen – auf etwa 40000 Menschen aus vielen Teilen der Erde zuletzt pro Jahr. Er selbst leitet Expeditionsreisen für maximal 350 Teilnehmer. Zwischen zehn Tagen und drei Wochen führt er durch eine großartige Natur zu „seinen“ Tieren.

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