Philip Göttert sorgt für weihnachtliche Beleuchtung des Heimathauses

Der Typ, der Olli Pocher rausschmiss

Lassen das Heimathaus weihnachtlich erstrahlen: Philip Göttert und Angelika Pütz.
+
Lassen das Heimathaus weihnachtlich erstrahlen: Philip Göttert und Angelika Pütz.

Das Rotenburger Heimathaus wird am Wochenende, 18. und 19. Dezember, festlich illuminiert. Dafür sorgt Philip Göttert. Der 39-Jährige war im Sommer Produktionsleiter beim Strandkorb Open Air in Hartenholm und stand danach für einige Tage ungewollt im Rampenlicht: Ein Video zeigt ihn, wie er Comedian Oliver Pocher vom Gelände schmiss, nachdem dieser sich nicht an das Hygienekonzept gehalten hatte. Den Clip sahen Millionen Menschen.

Rotenburg – Mit einem vorweihnachtlichen Lichterspiel sowie Gedichten und Geschichten möchte das Team des Rotenburger Heimathauses die Besucher am Wochenende 18. und 19. Dezember, jeweils von 17 bis 20.30 Uhr, auf die Festtage einstimmen. Veranstaltungstechniker Philip Göttert sorgt zum dritten Mal für die Illumination des Hauses und des Bauerngartens. Der Eintritt ist frei.

Für den 39-Jährigen geht ein besonderes Jahr zu Ende: Im August stand er für einige Tage ungewollt im Rampenlicht. Millionen Internetnutzer und Fernsehzuschauer verfolgten in einem mehrminütigen Clip, wie Göttert mit Comedian Oliver Pocher diskutierte und er den Künstler schließlich mit Unterstützung der Polizei vom Konzertgelände des Strandkorb Open Airs in Hartenholm verwies. Zahlreiche Medien berichteten darüber, nachdem Pocher selbst das Video auf seinem Instagram-Profil veröffentlicht hatte. Ihm folgen dort 1,9 Millionen Menschen.

Bei der Konzertreihe war Göttert als Produktionsleiter eingesetzt – eigentlich, um im Stillen für einen reibungslosen Ablauf auf und neben der Bühne zu sorgen. Doch an diesem Abend wurde er unfreiwillig selbst Teil der Show. „Es wäre mir lieber gewesen, dass es nicht so weit gekommen wäre. Aber ich hatte keine andere Möglichkeit und musste reagieren“, berichtet der zweifache Vater, der sich mit gemischten Gefühlen an die Ereignisse erinnert: „Der Künstler hatte sich nicht an das Hygienekonzept gehalten. Nach diesem Abend waren noch drei weitere Shows geplant und ich wollte sicherstellen, dass diese nicht abgesagt werden müssen.“ Es gebe schließlich viele Menschen, die von einer solchen Produktion leben: Neben den Künstlern vor allem die Bühnenhelfer, der Sicherheitsdienst und die Mitarbeiter des Caterers.

Für diesen Abend war eigentlich nur der Auftritt des Sängers Pietro Lombardi vorgesehen. Da dieser aber ein enger Freund Pochers ist, war der Entertainer vor Ort, um den Sänger zu unterstützen –zunächst nur hinter, dann aber auch auf der Bühne. „Nachdem sich Oliver Pocher bereits zwei Wochen vorher bei seinem eigenen Auftritt nicht an das Hygienekonzept gehalten hatte, hatte ich ihn noch einmal darauf hingewiesen, dass er die Bühne nicht verlassen darf“, erinnert sich der Produktionsleiter. Das beeindruckte den eigenwilligen Künstler offenbar wenig, wie Göttert kritisiert: „Er sagte daraufhin: ,Was willst Du machen, wenn ich es doch tue?‘ Ich habe ihm dann erklärt, dass ich keine Wahl hätte und die Polizei rufen würde, worauf er nur sagte: ,Das traust Du Dich nicht.‘“ Pocher legte es danach darauf an, wie Göttert vermutet, verließ die Bühne und setzte sich sogar ohne Maske zu Gästen in die Strandkörbe.

Was in den Minuten danach passierte, ließ Pocher von seinen Begleitern filmen. In dem Video, das danach bei zahlreichen Fernsehsendern gezeigt wurde und noch immer bei Youtube abrufbar ist, ist zu sehen, wie Göttert trotz der Provokationsversuche Pochers ruhig bleibt und ihn schließlich dazu auffordert, das Gelände zu verlassen. Weil dieser Widerstand leistet, greift schließlich die Polizei ein – und zu.

Heute kann Göttert über die Geschichte schmunzeln, im Sommer war ihm danach noch nicht zumute: „Als ich zurück in meinem Hotelzimmer war, war das ein komisches Gefühl. Ich habe in der Nacht kaum geschlafen. Obwohl ich zur Maske extra noch eine Mütze aufgesetzt hatte, damit mich niemand erkennt, bekam ich nach der Veröffentlichung viele Anrufe und Nachrichten. Die Reaktionen waren aber zum Glück fast alle sehr positiv.“

Auf Zuspruch hoffen er und Angelika Pütz als Verantwortliche des Heimathauses auch bei der Veranstaltung an diesem Wochenende. Coronabedingt muss dort zwar der Punsch- und Glühweinausschank genauso ausfallen wie die Führungen. Der weihnachtliche Bauerngarten habe aber dennoch einiges zu bieten, betont Pütz: „Wir werden das Heimathaus beleuchten, auf dem Dach werden Projektionen zu sehen sein. Außerdem stehen an allen vier Hausecken Lautsprecher. Dort können die Besucher Gedichten, Geschichten und Tiefgründigem lauschen. Es geht dabei auch um Begriffe wie Gemeinschaft und Liebe, die in dieser Zeit eine große Rolle spielen.“

Wir brauchen kulturelle Veranstaltungen für unsere Seele – aber auch dafür, um unsere Rechnungen zu bezahlen. Es gibt viele in der Branche, die inzwischen aufgegeben haben. 

Veranstaltungstechniker Philip Göttert

Pütz war es wichtig, zum Abschluss des zweiten Coronajahres das Heimathaus noch einmal in den Mittelpunkt der Gesellschaft zu rücken. „Wir hatten in diesem Jahr etwa 50 Trauungen, zeitweise mit maximal 25 Gästen, dazu immerhin drei Konzerte – das Heimathaus wirkte aber oft ein wenig verlassen. Das werden wir an diesem Wochenende ändern und hoffen darauf, dass im kommenden Jahr wieder mehr möglich sein wird.“

Das wünscht sich auch Göttert: „Wir brauchen kulturelle Veranstaltungen für unsere Seele – aber auch dafür, um unsere Rechnungen zu bezahlen. Es gibt viele in der Branche, die inzwischen aufgegeben haben. Es ist nicht leicht, wegen der Abstandsregeln immer gefühlt vor leeren Räumen zu stehen. Zum Teil habe ich Konzerte vier Mal geplant, und dann wieder abgesagt – das ist schon hart. “ Er mache sich außerdem Sorgen um die langfristigen Folgen: „Wenn in Kindergärten, Schulen und Vereinen Veranstaltungen nicht stattfinden können, geht uns der Unterbau verloren und es wird umso schwerer, das alles wieder ins Laufen zu bringen. Konzert- und Theaterproben machen nur dann Spaß, wenn am Ende eine Aufführung steht.“

Nach vielen negativen Kommentaren hat Pocher das ursprüngliche Video von seinem Instagram-Profil inzwischen gelöscht, bei Philip Göttert hat er sich bis heute nicht entschuldigt. Für den Veranstaltungstechniker hatte die Geschichte am Ende aber doch noch etwas Gutes: „Ich habe mehrere Aufträge erhalten“, berichtet er. Er soll auch Produktionsleiter einer großen Open Air-Veranstaltung werden. „Aber um welche es dabei geht, das darf ich leider noch nicht verraten“, so Göttert, der ohnehin lieber im Stillen für einen reibungslosen Ablauf auf der Bühne sorgt, als selbst zum Teil der Show zu werden.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Scheeßel: Entgeltfreies Corona-Testzentrum auf Gemeindefläche sorgt für Unmut im Rat

Scheeßel: Entgeltfreies Corona-Testzentrum auf Gemeindefläche sorgt für Unmut im Rat

Scheeßel: Entgeltfreies Corona-Testzentrum auf Gemeindefläche sorgt für Unmut im Rat
Weiterhin Schule in Präsenz?

Weiterhin Schule in Präsenz?

Weiterhin Schule in Präsenz?
Ein paar Prozent Ungeimpfte bleiben

Ein paar Prozent Ungeimpfte bleiben

Ein paar Prozent Ungeimpfte bleiben
Visselhöveder Familie bangt um das Leben ihres Hundes

Visselhöveder Familie bangt um das Leben ihres Hundes

Visselhöveder Familie bangt um das Leben ihres Hundes

Kommentare