Pferde flüchten in Panik

Wölfe oder Hunde jagen 28 Weidetiere – Jürgen Cassier sammelt Spuren

Am Dienstagabend haben zwei Raubtiere bei Parnewinkel regelrecht Jagd auf 28 Pferde gemacht, die in Panik gerieten und aus ihrer Weide ausbrachen. - Foto: Oertel
+
Am Dienstagabend haben zwei Raubtiere bei Parnewinkel regelrecht Jagd auf 28 Pferde gemacht, die in Panik gerieten und aus ihrer Weide ausbrachen.

Parnewinkel - Von Stephan Oertel. Pferdehalter in der Region treibt eine große Sorge um: Der Wolf. Nachdem Isegrim am Wochenende bei Oerel eine Reiterin verfolgt hat, machten Dienstagabend zwei Raubtiere bei Parnewinkel (Geminde Selsingen) regelrecht Jagd auf Pferde. In ihrer Panik brachen die Tiere aus der Weide aus – ganz in der Nähe der Bundesstraße.

Ein Jäger hatte von einem Hochsitz aus beobachtet, wie zwei Wölfe aus dem Wald kamen und die Pferde über die Weide jagten. Die brachen in ihrer Panik ein Loch in den Zaun und flohen. 28 Tiere entkamen. Bis es dunkel wurde waren Johann und Steffen Brunkhorst sowie einige Mitarbeiter damit beschäftigt, ihre Pferde wieder einzufangen. Doch einige büxten gleich wieder aus. Die Tiere hatten solche Angst, dass sie nicht auf der Weide bleiben wollten, schildert Silke Brunkhorst. Am frühen Mittwochmorgen setzten die Halter die Suche fort. Sie brauchten noch Stunden, bis sie das letzte Tier eingefangen hatten. Für die Brunkhorsts sind die Sorgen damit aber noch lange nicht vorbei. Was passiert, wenn die Raubtiere wiederkommen? Können sie die Stuten und Fohlen wie geplant bald ins Freie lassen? Und können sie ihre Tiere überhaupt noch rauslassen?

Letzteres ist für die Parnewinkelerin eine eher rhetorische Frage. Die Pferde werden hier nun einmal auf der Weide gehalten – seit vielen Jahrzehnten, betont sie. Das Problem ist in ihren Augen der Wolf. „Der gehört einfach nicht in die Zivilisation“, findet die Tierärztin und Pferdehalterin. Vorschläge, Pferdeweiden mit Wolfsdraht zu umzäunen, hält sie für weltfremd. Das möge für kleine Weiden funktionieren, nicht aber für Kilometer lange Strecken. „Wie soll das realisiert werden?“, fragt sie.

Die Polizei handelt schnell

Pferde seien Fluchttiere. Und dass an dem Abend und in der Nacht nichts Schlimmeres passiert sei, sei auch der Polizei zu verdanken. Die hatte umgehend Warnungen herausgegeben und Schilder an der nahen Bundesstraße angebracht, damit Kraftfahrer dort besonders aufmerksam sind und langsam fahren. Ein Zusammenstoß zwischen einem Auto und einem Pferd hätte schlimm enden können. Ein ähnlicher Vorfall hatte im März bei Rosebruch drei Pferden, die von der Weide geflüchtet und auf die Kreisstraße 210 gelaufen waren, bei einem Unfall das Leben gekostet.

Für Wolfsberater Marcel Pommerencke ist der Vorfall in Parnewinkel in jedem Fall sehr ernst zu nehmen – unabhängig davon, ob es sich tatsächlich um Wölfe gehandelt hat. Eigentlich gehörten Pferde nicht ins Beuteschema eines Wolfs, es sei aber nicht unnormal, dass Isegrim Tiere verfolge, wenn diese fliehen. Er sei eben ein Raubtier.

Wolfsberater Jürgen Cassier hatte sich noch am Mittwoch an Ort und Stelle umgesehen und mit den Brunkhorsts sowie mit dem Jäger gesprochen, der sich sicher sei, Wölfe gesehen zu haben. Tatsächlich fand Cassier Fellspuren, die er nun samt seines Berichts ins Wolfsbüro nach Hannover schickt. Die Landesbehörde werde voraussichtlich auch das Gespräch mit den Haltern suchen, um mit ihnen mögliche Schutzmaßnahmen zu erörtern. Es gibt eine Wahrscheinlichkeit, dass es Wölfe waren, sicher ist das aber noch nicht, bemerkte Cassier, der bis zur Klärung dieser Frage von Kaniden (Hundeartigen) spricht.

Wie Pferde auf Wölfe reagieren, ist laut dem Wolfsberater aktuell Thema in Hannover. Dort will der Landtagsabgeordnete Marco Mohrmann (CDU) den Vorfall zum Anlass nehmen, Umweltminister Olaf Lies (SPD) auf die Dringlichkeit baldiger Lösungen hinzuweisen. „Aus Sicht der CDU-Landtagsfraktion sind die Voraussetzungen zur Feststellung des guten Erhaltungszustands der Wölfe gegeben. Daher müssen die rechtlichen Voraussetzungen zur Bestandsregulierung zügig vorangetrieben werden“, erklärt er. Der Vorfall in Parnewinkel zeige, dass die Weidetierhaltung durch die Rückkehr des Wolfes in große Schwierigkeiten kommt. Ob es sich bei einem der Raubtiere um dasselbe handelt, das bei Oerel eine Reiterin verfolgt hat, lässt sich aus Sicht der Wolfsberater nicht sagen. Zumal auch dort offen sei, ob es tatsächlich ein Wolf gewesen ist. Sicher ist aber, dass Wölfe auch in dieser Region unterwegs sind. 

zz

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Meistgelesene Artikel

Pyroland: Böllerverbot trifft Unternehmen schon wieder

Pyroland: Böllerverbot trifft Unternehmen schon wieder

Pyroland: Böllerverbot trifft Unternehmen schon wieder
Polizei und Ordnungsamt kontrollieren Corona-Regeln

Polizei und Ordnungsamt kontrollieren Corona-Regeln

Polizei und Ordnungsamt kontrollieren Corona-Regeln
Bauausschuss kippt Pläne für Visselhöveder Tagespflege

Bauausschuss kippt Pläne für Visselhöveder Tagespflege

Bauausschuss kippt Pläne für Visselhöveder Tagespflege
Jeddingen bekommt einen Dorfladen

Jeddingen bekommt einen Dorfladen

Jeddingen bekommt einen Dorfladen

Kommentare