Mathias Johannmeier erneuert Leitungen an der Klais-Orgel

Den Pfeifen geht es gut

Kantor Simon Schumacher (r.) macht sich ein Bild von den Schäden an den Zuleitungen für die Prospektpfeifen. Experte Mathias Johannmeier erklärt ihm das Problem. Fotos: Menker

Rotenburg – Die Klais-Orgel in der Rotenburger Stadtkirche ist nicht mehr stimmig. Der Grund dafür ist schnell erklärt: Die 56 Leitungen für die sogenannten Prospektpfeifen sind korrodiert. Bleifraß. Die Luftleitungen verziehen sich im Laufe der Zeit, und sie platzen auf. Luft kann entweichen. Aber: „Den Pfeifen geht es gut“, sagt Kantor Simon Schumacher, der vorbei schaut und sich ein Bild von der Situation verschafft, während sich Orgelbauer Mathias Johannmeier aus Stemwede an die Arbeit macht.

„Wir müssen alle Leitungen austauschen“, erklärt der 45-jährige Experte. Das klingt leichter als gesagt. Denn um an diese Leitungen zu gelangen, muss er zusammen mit seinem Kollegen fünf Register aus der Klais-Orgel ausbauen. Das sind 280 Pfeifen. Die kleinsten sind 20 Zentimeter, die größten drei Meter lang. Wer einen Blick in die Orgel wirft, kann erahnen, wie mühselig der Ausbau der Pfeifen und auch der alten Leitungen ist. Immerhin: Johannmeier kennt die Rotenburger Klais-Orgel wie seine Westentasche. Er war es, der 2001 die Generalüberholung des Instruments vorgenommen hat – acht Wochen lang ist er in diesem aus 19. Jahrhundert stammenden Gehäuse herumgekrabbelt, um alles wieder auf Vordermann zu bringen. „Eine solche Reinigung ist eigentlich alle 20 Jahre fällig“, sagt er. Die Orgel ist 1983 eingebaut worden.

Doch jetzt geht es nur um die 56 völlig aufgebrauchten und aufgeplatzten Leitungen. „Wir wissen das schon länger“, sagt Schumacher, aber erst in den vergangenen zwei Jahren seien die Auswirkungen des Bleifraßes hörbar geworden. „Wir hatten die Sorge, dass der Prozess ansteckend ist und auch andere Bauteile befällt.“ Diese Sorge kann der Orgelbauer Schumacher nehmen.

Es sind noch die ersten Leitungen aus dem Jahr 1983. Wie es zu dem Bleifraß kommt, weiß keiner so genau. Mit diesem Rätsel plagen sich nicht nur die Experten, sondern auch die Kantoreien vieler anderer Kirchen herum. Die alten Leitungen sind aus Blei, die neuen aus einem hochwertigen Aluminium gefertigt und mit Papier ummantelt. Damit sollte das Problem künftig vom Tisch sein.

Aus jeder der alten Leitungen, die Johannmeier herausarbeitet, rieselt der Bleizucker heraus. Das Zeug ist alles andere als gesund. Entsprechend vorsichtig müssen die beiden Fachmänner an den drei Arbeitstagen vorgehen. Nicht zuletzt damit erklärt sich der Preis für die Sanierung: 4 000 Euro. „Das Material macht nur einen kleinen Teil aus“, sagt Johannmeier, der mit der Arbeit an Orgeln groß geworden ist. Mit 16 hat er seine Ausbildung begonnen, inzwischen ist er seit 29 Jahren im Geschäft, seit zehn Jahren ist er selbstständig.

Die Klais-Orgel in Rotenburg mache ihm immer wieder Spaß. Er spricht von einer gewissen Verbundenheit. Die Orgel sei von überdurchschnittlicher Qualität, stelle an ihn als Techniker jedoch keine allzu großen Herausforderungen. „Diese Orgel ist klanglich sehr schön, nicht aufdringlich, nicht zu laut“, umschreibt der Herforder das Instrument, auf dem Schumacher außerordentlich gerne spielt. Johannmeier setzt noch einen drauf: „Diese Orgel kann das Repertoire der Orgelgeschichte spielen.“ Schumacher spricht von einer Allround-Orgel.

Werkzeuge liegen auf der Empore, in der Orgel ist ein Staubsauger zu finden, die herausgenommenen Pfeifen liegen für den Wiedereinbau bereit. Es sieht nach viel Arbeit aus, und es ist zu erkennen, dass jeder Handgriff sitzen muss. Doch Schumacher und auch Johannmeier nehmen sich gerne die Zeit, über dieses schöne Instrument zu sprechen. Beiden ist eine gewisse Leidenschaft anzumerken. Die ist sogar so groß, dass Simon Schumacher sich für einen kleinen Moment an die Orgel setzt.

Die Klais-Orgel

• Die Orgel von der Firma Klais aus Bonn ist 1983 in die Rotenburger Stadtkirche eingebaut worden. Sie befindet sich in dem unter Denkmalschutz stehenden Gehäuse des Rotenburger Tischlers Ernst Rinck aus dem Jahre 1965. Dieses kunsthandwerkliche Meisterwerk ist aus massivem Eichenholz gefertigt und wurde – um die neue Orgel unterbringen zu können – lediglich in der Höhe etwas verändert.

• Die Klais-Orgel wird von vielen Musikern gelobt. Sie muss allerdings alle zwei bis drei Jahre überprüft werden, spätestens alle 20 Jahre ist eine Komplettreinigung erforderlich. Diese Reinigung nimmt etwa acht Wochen in Anspruch. Zuletzt war das 2001 der Fall. Eigentlich ist eine solche Arbeit wieder fällig – sie wird allerdings erst nach Abschluss der Fenstersanierung vorgenommen, die reichlich Dreck verursacht, schon bald starten soll und sich über mehrere Jahre erstrecken wird. Das erklärt Kantor Simon Schumacher.

• In der Orgel befinden sich 2 240 Pfeifen – aus Holz, aus Blei und aus einer Blei-Zinn-Legierung.

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