Peter Schweigert gründet Selbsthilfegruppen für Epilepsie-Erkrankte

Gewitter im Gehirn

Peter Schweigert gründet eine neue Selbsthilfegruppe für Epilepsie-Erkrankte.
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Peter Schweigert gründet eine neue Selbsthilfegruppe für Epilepsie-Erkrankte.

Peter Schweigert leidet an Epilepsie und möchte anderen Betroffenen helfen, ihre Alltagsprobleme zu lösen. Er gründet dafür eine Selbsthilfegruppe. Das erste Treffen ist für September geplant.

Rotenburg – Etwa 800 000 Menschen in Deutschland leiden an Epilepsie. Betroffenen sieht man die Erkrankung nicht an. Sie spüren oft nichts davon, dass sie einen Krampfanfall bekommen, und können sich anschließend häufig nicht daran erinnern.

Zurück bleiben Muskelschmerzen und nicht selten selbst verursachte Bissverletzungen an Zunge oder Lippen. „Es ist so, als ob plötzlich ein Gewitter im Gehirn tobt“, beschreibt es Peter Schweigert aus Rotenburg.

Mit 68 Jahren hatte er seinen ersten epileptischen Anfall, der vermutlich dadurch ausgelöst wurde, dass er stressbedingt zusammengebrochen war und für mehrere Minuten sein Bewusstsein verloren hatte. „Meine Ehefrau hat mich damals zum Glück schnell gefunden und reanimiert“, berichtet Schweigert, der heute 74 Jahre alt ist. Seinem ersten Anfall folgten viele weitere.

Im Oktober vergangenen Jahres ist Schweigert nach Rotenburg gezogen und möchte nun anderen Betroffenen und deren Angehörigen helfen, sich auszutauschen und Lösungen für alltägliche Probleme zu finden.

Im September startet er dafür eine Selbsthilfegruppe für Epilepsie-Erkrankte in Rotenburg. „Nicht alleine zu sein mit den Herausforderungen dieser chronischen Erkrankung, ist das Wichtigste. Wir pflegen einen würdevollen Umgang miteinander. Auch Jugendliche, die betroffen sind, können sich melden“, lädt Schweigert ein.

In seiner ehemaligen Heimat Traunstein hatte der gebürtige Bayer bereits eine Selbsthilfegruppe geleitet und dort positive Erfahrungen gesammelt. „Die Teilnehmer haben sich verstanden gefühlt“, berichtet er.

Seit sechs Jahren ist Schweigert in medizinischer Behandlung, hatte aber trotzdem im Schnitt einmal pro Woche kleinere Anfälle. „Es ist erst besser geworden, seit wir im Herbst vergangenen Jahres nach Rotenburg gezogen sind und ich hier im Klinikum in Behandlung bin. Mein Arzt hat mir ein zusätzliches Medikament verschrieben. Seit einem Monat hatte ich keinen Anfall mehr“, sagt Schweigert erleichtert und ergänzt: „Für Menschen, die an Epilepsie erkrankt sind, ist es wichtig, einen Arzt zu haben, dem sie voll und ganz vertrauen.“

Ich habe durch meine epileptischen Anfälle das Schwimmen verlernt. 

Peter Schweigert

Schweigert ist ehemaliger Berufssoldat und hatte als Kompaniefeldwebel die Führung über mehr als 80 Soldaten. Mit dem Ausbruch der Epilepsie nach der Pensionierung veränderte sich sein Leben – ein großes Stück Selbstständigkeit ging verloren. „Ich fahre freiwillig nicht mehr mit dem Auto und dem Fahrrad, weil ich weder mich noch andere gefährden will. Ich habe aus diesem Grund schweren Herzens auch den Bogensport und das Schießen im Schützenverein aufgegeben.“ Der ehemalige Rettungsschwimmer geht auch nicht mehr ins Wasser: „Ich habe durch meine epileptischen Anfälle das Schwimmen verlernt. Meine Ehefrau musste mich einmal vor dem Ertrinken retten. Auch mein Kurzzeitgedächtnis sowie mein Sprachzentrum leiden unter der Erkrankung, Schreiben fällt mir schwer.“

Schweigert, der über sich selbst sagt, dass er ein Mensch ist, der „immer 102 Prozent“ gibt, hat sich in den vergangenen Jahren viel Wissen über seine Erkrankung angeeignet. „Ich möchte dies mit anderen Betroffenen teilen. Ich gebe Tipps, wie Menschen im Ernstfall reagieren sollten, wenn beispielsweise ein Angehöriger einen Anfall hat.“

Am wichtigsten sei es, Ruhe zu bewahren: „Hat ein Erkrankter einen Anfall, so sollte man ihn möglichst nicht anfassen und Gegenstände, an denen er sich verletzen könnte, aus seiner Nähe entfernen“, rät Schweigert. Es sei außerdem wichtig, dem Erkrankten zum Schutz vor Bissverletzung nichts zwischen die Zähne zu schieben, woran er sich verschlucken könnte, um die Gefahr auszuschließen, dass er daran erstickt. „Epilepsie-Erkrankte verlieren die Kontrolle über ihren Körper“, warnt Schweigert.

Wichtig sei es zudem, die Anfallsdauer zu notieren. Für die weitere Behandlung könne es außerdem hilfreich sein, den Erkrankten bei seinem Anfall zu filmen, auch wenn dies im ersten Moment eine Überwindung darstelle. „Wenn der Anfall länger als fünf Minuten dauert oder der Erkrankte das Bewusstsein verliert, sollte ein Notarzt hinzugerufen werden“, sagt Schweigert. Wenn der Patient den Anfall überstanden hat und schläft, sollte er in die stabile Seitenlage gebracht werden.

Betroffene und Angehörige, die an der Selbsthilfegruppe Epilepsie interessiert sind, melden sich bei der Ziss – Informationsstelle Selbsthilfe Selbsthilfekontaktstelle im Landkreis Rotenburg – unter Telefon 04261/8518239, per E-Mail an ziss-rotenburg@t-online.de bei Veronika Czech oder Verena Kimpel.

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