Peter Pröhl begeistert Zuschauer im Kantor-Helmke-Haus mit seiner Interpretation von Goethes Tierepos

Gelungene Rezitation von „Reineke Fuchs“

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Peter Pröhl liest aus „Reineke Fuchs“.

Rotenburg - Rund 80 Zuhörer erlebten am Freitag bei Peter Pröhls Lesung aus Johann Wolfgang von Goethes „Reineke Fuchs“ im Rotenburger Kantor-Helmke-Haus nicht nur einen literarischen Abend, sondern historisches Kulturgut. Denn genauso schlitzohrig wie der Fuchs präsentierte sich auch Pröhl. Mühelos gelang es ihm, Goethes Tierepos in zwölf Gesängen hörbar zu machen. Gekonnt sprang er zwischen den Stimmen der verschiedenen Figuren hin und her – sei es König Nobel, Reineke Fuchs, Isegrim, Lampe dem Hasen oder Bellyn dem Widder. Fast konnte man den Eindruck gewinnen, je länger der Abend andauerte, desto mehr ereiferte sich Pröhl in Text und Rollen. Musikalisch ergänzt wurde die Rezitation von Gert Lueken (Saxophon und Klarinette) und Ulrike Brocks am Klavier.

Die Geschichte, die das Epos erzählt: Reineke lebt friedlich mit seiner Familie auf seiner Burg. Ein königlicher Bote, der Bär namens Braun, überbringt dem Fuchs die Nachricht, dass er zum König kommen soll, da er wegen diverser Schandtaten (Kategorie Mord und Totschlag) angeklagt ist. Mit viel List und Tücke und ziemlich skrupellos entledigt sich Reineke nicht nur der Boten, die ihn holen wollen. Mit Lügengeschichten über seine Taten kann er seinen Kopf aus der Schlinge ziehen. Sogar, als er nach weiteren Vorfällen zum Tode verurteilt wird.

Wie Reineke Fuchs‘ Trickkiste aussieht, schilderte Goethe 1793. Selbst das hat schon etwas diebisches: Goethe bediente sich dabei einer prosaischen Fassung von Johann Christoph Gottsched. Der wiederum orientiert sich an „Reynke de vos“, der niederdeutschen Originalfassung aus dem Jahr 1498. Bekannt ist der Stoff allerdings schon seit dem Mittelalter.

In einigen Passagen, wenngleich es ein Tierepos ist, erinnert Reineke stark an das alltägliche Gebaren der Menschen: List, Verleumdung, Lüge – und sich so aus prekären Situationen rettend. Andererseits beweist er vielleicht einfach, wie losgelöst er vom höfisch-hierarchischen System lebt. Fintenreich windet er sich dort heraus. Etwas, was Wolf und Bär nicht schaffen – folgsam, tolpatschig bleiben sie treu dem König ergeben und tappen in die ihnen gestellten Fallen.

Zu sehen waren im Rahmen der Lesung auch einige der wundervollen Illustrationen von Wilhelm von Kaulbach (1804 - 1874), die er im Auftrag zu Goethes Buch „Reineke Fuchs“ fertigte.

bd

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