„UP Consulting“ erhält Auszeichnung als „Digitaler Ort“

Per App zum Traumberuf

Bürgermeister Andreas Weber (SPD, v.l.) sowie die CDU-Landtagsabgeordneten Eike Holsten und Marco Mohrmann (r.) freuen sich mit „UP-Consulting“-Geschäftsführer Andreas Grewe und Staatssekretär Stefan Muhle (CDU) über die digitalen Fortschritte in puncto Schüler-Berufsorientierung.
+
Bürgermeister Andreas Weber (SPD, v.l.) sowie die CDU-Landtagsabgeordneten Eike Holsten und Marco Mohrmann (r.) freuen sich mit „UP-Consulting“-Geschäftsführer Andreas Grewe und Staatssekretär Stefan Muhle (CDU) über die digitalen Fortschritte in puncto Schüler-Berufsorientierung.
  • Ulla Heyne
    vonUlla Heyne
    schließen

Rotenburg – Wenn man Lars Grewe Glauben schenkt, dann spielt sich hinter den Türen seiner Personal- und Unternehmensberatung gerade eine digitale Revolution ab. Schon 1996, als der Rotenburger Visionär sich anschickte, mit „UP Consulting“ den Bereich der Bildungsorientierung für Schüler zu erobern, bescheinigte ihm das Handelsblatt, „kurz vor dem Durchbruch“ zu sein. „Nun ist es wirklich soweit“, konstatierte der Mittfünfziger in der vergangenen Woche vor geladenen Gästen, darunter die Landtagsabgeordneten Eike Holsten und Marco Mohrmann (beide CDU) sowie Bürgermeister Andreas Weber (SPD).

Grund zu dieser Annahme gab es genug: Der Anlass der – eigentlich zum 25. Firmenjubiläum in großem Kreis geplanten – Zusammenkunft war die Auszeichnung als „Digitaler Ort“ durch das Land Niedersachsen. 17 Institutionen, vor allem Schulen und Betriebe, haben den Titel in diesem Jahr von der Digitalagentur verliehen bekommen; „UP Consulting“ gehört zu den ersten im Kreis.

Staatssekretär Stefan Muhle (CDU) erklärte den Hintergrund der von der jüngsten Regierung ins Leben gerufenen Aktion, die den Geehrten Rückhalt auf ihrem digitalen Weg, aber auch öffentliche Aufmerksamkeit und Anerkennung verschaffen soll. Die Digitalisierung als politischer Schwerpunkt sei bundesweit als Thema verschlafen worden, „auch im Landesparlament sind wir noch nicht so weit, wie wir sein sollten“. So sei die durch die Pandemie forcierte Digitalisierung nicht primär durch Akzente der Politik vorangebracht worden, „sondern sie ist einfach von unten passiert“. Einen solchen Ort zu sehen, „wo die digitalen Könner losgehen und einfach machen“, war ihm den Weg aus Hannover mit der Plakette im Gepäck wert gewesen – laut Grewe nach diversen Auszeichnungen wie dem German Design Award und dem Innovationspreis „die erste, die wirklich das würdigt, was wir seit 25 Jahren machen“.

Der Zeitpunkt für die Einführung der „Berufsweg-App“ zur Berufsorientierung mit dem Smartphone für Schüler hätte für Grewe und seine Mitstreiter nicht günstiger sein können, fallen derzeit durch die Pandemie doch sämtliche Präsenz-Termine wie Berufsmessen, Speeddatings oder Trainings flach. Tatsächlich habe die Programmierung allerdings statt der geplanten sechs Monate rund zweieinhalb Jahre und einen hohen sechsstelligen Betrag in Anspruch genommen, wie der Firmengründer erläuterte. Die Überlegung hinter dem niederschwelligen Kommunikationsmittel, das Unternehmen und potenzielle Auszubildende unkompliziert auf einer für Jugendliche attraktiven Ebene zusammenbringen soll: Bei den „Jump!“-Trainings, etwa dem Bewerbertraining, mit denen das Unternehmen seit 25 Jahren auf dem Markt ist, habe man sich die Frage nach der Nachhaltigkeit gestellt. „Die Euphorie hält vielleicht drei Tage vor oder auch eine Woche, aber dann ist das Thema aus den Köpfen heraus – und sagen Sie mal einem Jugendlichen: ‚Ruf doch mal in dem und dem Betrieb an‘“, so Grewe.

Die App, die inzwischen sogar Microsoft als potenziellen Kooperationspartner auf den Plan gerufen hat, soll diese Lücke schließen und das Thema Berufswahl und Vernetzung mit möglichen Arbeitgebern ab der achten Klasse spielerisch in die Köpfe der Schüler bringen, „auch wenn in Corona-Zeiten die aktuelle Herausforderung nicht mehr darin besteht, dass die Unternehmen geeignete Azubis finden, sondern dass sie überhaupt noch ausbilden“, so Muhles Diskurs zur aktuellen Situation. Er tut sich mit Überschriften wie „Schulen kehren zurück zur Normalität“ schwer: „Ich würde mir ein Umdenken in Richtung Digitalität wünschen.“ Bürgermeister Weber, nach eigenem Bekunden „stolz, dass so etwas Revolutionäres aus Rotenburg kommt“, gab zu bedenken, dass Lehrer mitziehen müssten: „Ich wünsche euch, dass ihr diese Lehmschicht durchdringt.“

Das ist laut stellvertretendem Geschäftsführer Sebastian Saul auch dank der pädagogischen Begleitbücher für die Lehrer durchaus der Fall: „An vielen Schulen, mit denen wir im Kontakt sind, ist schon Grundwasser zu sehen“, blieb er im Bild. Niedersachsenweit wird die App seit ihrer Einführung vor einem Jahr bereits von rund 50 Schulen genutzt, im Landkreis sind es fünf, darunter die IGS Rotenburg, die IGS Zeven, die Oberschule Selsingen und die KGS Sittensen. Neben dem Schwerpunkt Niedersachsen, wo die Digitalpioniere durch ihren Beruforientierungsparcours seit mehreren Jahrzehnten an vielen weiterführenden Schulen bekannt sind (auch Eike Holsten selbst erinnerte sich noch aus seiner Schulzeit am Zevener St.-Viti-Gymnasiums daran), sind neben Nordrhein-Westfahlen auch die ersten Schulen in Bayern und in der Schweiz an Bord. Und damit nicht genug: Anschließend an eine Kooperation mit Professorin Margit Pickler, Inhaberin des Lehrstuhls Berufsorientierung einer österreichischen Universität, wollen die Rotenburger dieses Thema auch in der universitären Lehrerausbildung etablieren.

Der nächste Coup: Schüler sollen Unternehmen aus dem Landkreis besuchen, um sie selbst in die App einzupflegen – mehr Abdeckung geht wohl kaum. Den Gang ins Rathaus können sie sich sparen: Andreas Weber will schon jetzt ein Abo für die Stadt. Er begrüßt, „wenn Schülern berufliche Irrwege erspart werden – ich selbst sollte Agrarwissenschaften studieren, wollte Pastor werden und bin schließlich Polizist und nun Bürgermeister.“

So funktioniert die Berufsweg-App

Durch Online-Tests zur Kompetenzfeststellung, die die Teilnehmer selbst auf dem Handy ausfüllen, ermittelt die App anhand von Neigungen, Kompetenzen und Motivation mögliche Berufsfelder der Schüler, die in der Cloud gespeichert werden. Teilnehmende Betriebe und geeignet erscheinende Kandidaten werden sich gegenseitig vorgeschlagen und können sich ein „Like“ schicken. Im Idealfall entsteht daraus ein Kontakt, der zum Speeddate und möglicherweise zu einem Ausbildungs- oder Anstellungsverhältnis führt. „Bei der Stange gehalten werden die Jugendlichen durch ein Belohnungssystem ganz ähnlich wie bei Pokémon-Go“, erklärt Geschäftsführer Lars Grewe, „bloß, dass sie keine Pikachus sammeln, sondern Betriebe.“

Die Anreize zur Benutzung der App belassen es nicht bei virtuellen Herzen: für vom Schüler vorgenommene Aktionen, zum Beispiel das Versenden einer E-Mail an ein Unternehmen, gibt es Kommunikationspunkte. Wer durch Netzwerken eine bestimmte Anzahl an Punkten erreicht hat, sichert sich nicht nur den Eintrag in der „Hall of Fame“, sondern, so der Plan der Rotenburger, dank Kooperationspartnern auch Gutscheine beispielsweise für einen Kinobesuch. Für die Unternehmen ist der Basiseintrag kostenlos; wer Kontakt mit den potenziellen Mitarbeitern aufnehmen will, muss allerdings dafür einen bestimmten Betrag zahlen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Wie werde ich Klempner/in?

Wie werde ich Klempner/in?

Die Saison überrascht mit krassen Kontrasten

Die Saison überrascht mit krassen Kontrasten

Akku-Staubsauger bieten Komfort mit Luft nach oben

Akku-Staubsauger bieten Komfort mit Luft nach oben

Verstappen überrascht Mercedes - Vettel motzt in Silverstone

Verstappen überrascht Mercedes - Vettel motzt in Silverstone

Meistgelesene Artikel

Neuanfang in der Gemeinde

Neuanfang in der Gemeinde

„Wir weisen keine Kinder ab“

„Wir weisen keine Kinder ab“

Die ganze Welt unter einem Dach

Die ganze Welt unter einem Dach

Dem Herzen auf die Sprünge helfen

Dem Herzen auf die Sprünge helfen

Kommentare