Frauenklinik-Chefarzt möchte weitere OP-Verfahren etablieren

Pauker setzt auf Erfahrung

Dr. Wladimir Pauker ist seit Ende vergangenen Jahres Leiter der Frauenklinik am Rotenburger Diakonieklinikum. Foto: Witte

Rotenburg - Von Farina Witte. Mittlerweile ein halbes Jahr ist Dr. Wladimir Pauker bereits Leiter der Frauenklinik des Agaplesion Diakonieklinikums Rotenburg. Eine Zeit, in der der 53-Jährige bereits die Vorzüge seiner neuen Wirkungsstätte schätzen gelernt hat. „Es gibt wenige Häuser, in denen die Kompetenzen so gebündelt sind“, freut sich der Chefarzt über die gute Zusammenarbeit mit den anderen Abteilungen. Und diesen Vorteil möchte er sich auch für die Weiterentwicklung der Frauenklinik zunutze machen. Ebenfalls neu an der Frauenklinik sind einige Oberärzte. Sein Team, verrät Pauker in einem Gespräch mit der Kreiszeitung, verfüge über viel Erfahrung.

Ein Ziel des Arztes ist es, verschiedene OP-Verfahren an der Frauenklinik zu etablieren. Und dabei könnten sich Pauker und die Oberärzte unter anderem mit den Kollegen der chirugischen Abteilung absprechen und von deren Erfahrung profitieren, meint der Chefarzt. Auch abseits operativer Eingriffe hat der Chefarzt vor, die Frauenklinik weiterzuentwickeln. „Wir würden gerne weitere Zentren etablieren“, meint Pauker und erläutert, dass neben dem bestehenden Brustkrebszentrum etwa ein Endometriose-Zentrum denkbar sei. Bei Endometriose treten Zysten, Entzündungen und Verwachsungen im Bereich der Gebärmutter, der Eierstöcke und des Darms auf, die operativ möglichst vollständig entfernt werden. Zu Paukers Schwerpunkten gehören außerdem die minimalinvasive Chirurgie und die gynäkologische Onkologie. In beiden Fällen möchte Pauker seine Kompetenzen erweitern und auf diesen Gebieten forschen. Er nennt dabei auch die Behandlung von Brustkrebs, auf das sich die Frauenklinik mit dem zertifizierten Zentrum noch weiter spezialisieren möchte.

Mit Dr. Hans-Peter Hagenah hat Pauker einen erfahrenen Leiter der Geburtshilfe in seiner Mannschaft. Hagenah hat gemeinsam mit Tobias Hesse interimsweise die Frauenklinik geleitet, nachdem der vorherige Chefarzt Dr. Werner Stein die Rotenburger Frauenklinik verlassen hatte. Im Bereich der Geburtshilfe setzten die Ärzte in Rotenburg vor allem auf Beratung. Die sei wichtig, wenn es um die Frage der natürliche Geburt oder einem geplanten Kaierschnitt geht. „Bei uns ist auch die natürliche Geburt aus der Beckenendlage erste Wahl“, erklärt Pauker. Vor der Geburt könnten die Ärzte auch noch versuchen, das Baby zu drehen. Eine Geburt aus der Beckenendlage komme zwar seltener vor, aber Pauker habe damit sogar persönlich gute Erfahrungen gemacht. „Meine Kinder, Drillinge, sind so auf die Welt gekommen“, berichtet der insgesamt vierfache Vater. Konkret der Wunsch nach einem Kaiserschnitt sei selten, spricht Pauker seine Erfahrung an. Vor allem das Alter der Schwangeren und mögliche Vorerkrankungen spielten eine Rolle, wenn es darum geht, sich für oder gegen einen Kaiserschnitt zu entscheiden. „Bei der ersten Geburt sollte man versuchen, den natürlichen Weg zu wählen“, so Pauker. Ihm und seinen Ärzten sei daran gelegen, die werdenden Eltern zu beraten. „Wir sind bestrebt, ihnen dann jeweils auch die andere Seite der Medaille aufzuzeigen“, betont der Chefarzt. Im Gespräch könne der geeignete Weg gefunden werden.

Die erste Zeit am Rotenburger Klinikum habe er sehr positiv erlebt. Hilfe, um sich in dem großen Haus zurecht zu finden, benötige er jetzt nicht mehr. Dass er sich so gut in der neuen Aufgabe eingefunden hat, liege auch an seinen Kollegen. Zwei neue Oberärzte sind hinzugekommen, drei weitere Fachärzte sowie das gesamte Team der Assistenzärzte hätten sich positiv fachlich entwickelt und trügen viel für die Entwicklung der Klinik bei. „Eine Kollegin ist mit mir zusammen hier her gewechselt“, erklärt Pauker. „Insgesamt sind vier Oberärzte an der Frauenklinik tätig.“ An seiner Mannschaft schätze der Chefarzt vor allem die Erfahrung, über die sie alle verfügten. Der Start des Chefarztes an der Frauenklinik des Diakonieklinikums war auch geprägt von Vernetzung und dem Knüpfen von Kontakten, berichtet Pauker. Anfang Februar haben Pauker und sein Kollege Tobias Hesse gemeinsam mit dem Leiter der gynäkologischen Onkologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Professor Volkmar Müller, das Programm des Rotenburger Wintersymposiums mit dem Thema „Neues zum Mammakarzinom“ gestaltet. „Mehr als 80 Teilnehmer waren dabei“, berichtet der Chefarzt und erklärt, dass er und seine Kollegen stets versuchen, sich zu positionieren. Dazu gehöre auch die Kommunikation mit den niedergelassenen Fachärzten. „Wir stimmen uns eng mit ihnen bezüglich der besten Behandlungsstrategie für die Patientinnen ab“, meint Pauker.

Nur wenige Monate, nachdem Pauker die Leitung der Frauenklinik übernommen hatte, hat die Coronavirus-Pandemie auch die Arbeit seines Fachbereichs beeinflusst. Denn wie im gesamten Krankenhaus, mussten und müssen werdende Eltern mit einigen Einschränkungen leben. Schwangere dürften aktuell nur alleine, nicht in Begleitung des werdenden Vaters, zu ambulanten Untersuchungen oder der Geburtsplanung kommen. „Das ist nicht schön und für viele Eltern eine große, verständliche Belastung“, weiß Pauker. Dennoch bestehe weiterhin die Gefahr, an dem Virus zu erkranken, man halte sich daher an die geltenden Vorschriften der Landesregierung.

In den Kreißsaal dürften die Väter nach wie vor mitkommen und bei der Geburt dabei sein. Auch sei es ihnen später im Rahmen von Ausnahmeregelungen möglich, ihre junge Familie zu besuchen. „Der besondere Moment der Geburt und die Zeit danach sollen möglichst unberührt sein“, so Pauker. Dass Mutter und Kind sich wohlfühlen, stehe trotz etwaiger Einschränkungen an erster Stelle.

Zur Person: Seit 1997 ist Dr. Pauker in Deutschland tätig

Dr. Wladimir Pauker stammt ursprünglich aus Baku im heutigen Aserbaidschan und hat bis 1989 Humanmedizin an der Russischen Staatlichen Medizinischen Universität in Moskau studiert. In Russland arbeitete er in der Gynäkologie und Geburtshilfe in verschiedenen Krankenhäusern, beispielsweise im Wissenschaftszentrum für Frauenheilkunde, Geburtshilfe und Perinatologie – die größte Frauenklinik des Landes, schreibt das Diakonieklinikum zu seiner Vita. 1997 habe er dort den akademischen Grad erhalten, der dem deutschen Doktortitel entspreche. Der Plan, sich umfassend zu spezialisieren im gesamten Fach der Frauenheilkunde, führte ihn 1997 nach Deutschland. 2006 habe er die deutsche Approbation als Arzt erhalten.

Zu den Schwerpunkten des 53-Jährigen gehören unter anderem die gynäkologische Onkologie, die Urogynäkologie (AGUB II) und die Minimalinvasive Chirurgie (MIC II). Dr. Pauker konnte während seiner Tätigkeit in Bremen seine chirurgischen Kompetenzen in Minimalinvasiver Chirurgie (MIC III beantragt) sowie als Senior-Mammaoperateur in der Onko- und Brustchirurgie weiter ausbauen. Dr. Wladimir Pauker ist verheiratet und hat vier Kinder.

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