Vom Diako nach Dörverden 

Patienten-Dokument von Sascha Kray landet in einer Pflegeeinrichtung

Sascha Kray ist sauer auf das Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg. Nach einem Routineeingriff ist ein Dokument mit persönlichen Daten in Dörverden aufgetaucht. - Foto: Quebe

Rotenburg - Von Inken Quebe. Sascha Kray verlangt nicht viel. „Eine schriftliche Entschuldigung wäre das Mindeste“, sagt der 40-jährige Zevener. Und die hätte er gerne vom Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg. Behandelt wurde er dort zwar nur wegen eines ambulanten Routineeingriffs, der auch gut verlaufen ist. Aber: Eine Erklärung, wie ein Dokument aus seiner Krankenakte in einer Pflegeeinrichtung in Dörverden im Nachbarlandkreis Verden gelandet ist, hat er nicht. Und nur durch Zufall hat er es herausgefunden. Das Diako spricht von einem Einzelfall.

Man könnte wohl von einer Verkettung unglücklicher Zufällen sprechen – denn der Verlust eines Schreibens, auf dem auch sensible Daten zu Krays Person zu finden waren, ist nicht der einzige Vorfall, den der Erste-Hilfe-Ausbilder erlebt hat. Schon bei seinem ursprünglichen OP-Termin läuft es nicht rund. Eigentlich soll der nicht mal einstündige Routineeingriff am 25. April dieses Jahres um 15 Uhr losgehen. Bereits um 13.45 Uhr ist er in Haus D. Aber: „Dort hat man mir gesagt, dass ich gar nicht auf dem OP-Plan stehe.“ Man vertröstet ihn und schickt ihn auf Station 7. Dort ist Warten angesagt. Er hakt nach, wann er an der Reihe ist. „Man hat mir gesagt, dass es Komplikationen bei dem vorigen Patienten gibt. Ich solle in zwei Stunden wiederkommen“, blickt er zurück. Doch auch danach muss er noch warten: „Ich bin Typ-I-Diabetiker und hatte ja wegen der OP nichts gegessen.“ Die Klinikmitarbeiter, die Kray zu diesem Zeitpunkt schon als unfreundlich und patzig empfindet, geben ihm schließlich eine Infusion. Aber das Warten geht weiter. Um 18.45 Uhr heißt es dann: „Sie können nach Hause gehen. Sie werden heute nicht mehr operiert“, erinnert sich Kray.

Der 40-Jährige beschwert sich. Und seine Ansprechpartnerin verspricht, Nachforschungen anzustellen, was tatsächlich los war. Schließlich ruft der behandelnde Arzt an. „Er hat mir gesagt, dass dringend ein Verkehrsunfallopfer operiert werden musste“, erinnert sich Kray. Durch eine Bekannte findet er aber heraus: Auf dieser Station werden keine Unfallopfer notoperiert. „Ich hatte am Ende also drei Aussagen, weshalb ich nicht operiert werden konnte. Ich vermute, die haben mich einfach vergessen, auf den OP-Plan zu setzen“, sagt Kray, der noch am 26. April wieder ins Diako fährt, um ein Krankmeldungsschreiben mit dem neuen OP-Termin abzuholen. Zwei Tage später also der zweite Termin: „Da lief auch alles, wie geplant.“

Eine Kopie von genau diesem Schreiben – darauf sämtliche Daten zu seiner Person – taucht allerdings am 8. Mai in einer Pflegeeinrichtung in Dörverden auf. „Eine alte Klassenkameradin aus der Berufsschule hat sich bei meinem Lebensgefährten gemeldet und gefragt, ob er einen Sascha Kray kennt. Ihr war der Name bekannt vorgekommen“, berichtet der 40-Jährige. Die alte Klassenkameradin ist in der Pflegeeinrichtung in Dörverden tätig und war dort auf das Dokument gestoßen, das mit einem Bewohner der Einrichtung, der auch im Diako behandelt wurde, nach Dörverden gelangt sei. Ein Vergleich zeigt: Es ist tatsächlich Krays Schreiben.

„Menschen machen Fehler“

Wieder wendet sich der Betroffene an die Beschwerdestelle. Erneut will seine Ansprechpartnerin nachforschen und sich melden. Als schließlich Kray wieder anruft, heißt es: „Menschen machen Fehler.“ Außerdem solle er froh sein, dass es nur dieses Schreiben und nicht noch mehr Dokumente mit Informationen zu seiner OP sind. „Sie konnte mir aber nicht versichern, dass das tatsächlich nicht der Fall ist“, erzählt Kray. Einen Parkgutschein als Entschädigung, nach dem er fragt, könne das Klinikum auch nicht ausstellen.

Das Diako teilt mit, aus Datenschutzgründen nicht auf den Einzelfall eingehen zu können. Stattdessen bleibt man allgemein: „Nach Kenntnis unserer Datenschutzbeauftragten ist die Situation, dass ein patientenbezogenes Dokument an eine falsche Institution des Gesundheitswesens versandt wurde, in den letzten zehn Jahren bis heute ein einziges Mal vorgekommen.“ In der Stellungnahme heißt weiter, dass die Einrichtung das Dokument hätte zurückschicken müssen. In jedem Fall würde der Betroffene informiert. Es sei aber gelebte Praxis, dass „wir Fehler eingestehen und uns bei den Betroffenen entschuldigen“. Das Diako teilt außerdem mit, dass sich in den vergangenen Jahren bereits vieles geändert habe: „Wir wissen, dass es Prozesse gibt, die nicht ganz rund laufen und bei denen wir Verbesserungsbedarf haben.“ Dabei handele es sich fast ausschließlich um organisatorische Fragen.

Wäre es beim ersten Vorfall geblieben, Kray hätte sich damit abgefunden, sagt er. „Es kann aber nicht angehen, wie man mit privaten Daten umgeht. Jeder hätte damit in meinem Namen auf Rechnung bestellen können.“ Eine Erklärung, wie das Schreiben in eine 35 Kilometer entfernte Einrichtung gelangen ist, und eine schriftliche Entschuldigung bleibt ihm das Diako vorerst schuldig. Rechtliche Schritte will sich Kray noch offenhalten.

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