Einsatzbereitschaft gesichert, aber Aus- und Weiterbildung liegen auf Eis

Pandemie bremst Feuerwehr aus

Stadtbrandmeister Thorsten Reinsch weiß, welche Folgen die Pandemie und ihre Auswirkungen für die Feuerwehr haben.
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Stadtbrandmeister Thorsten Reinsch weiß, welche Folgen die Pandemie und ihre Auswirkungen für die Feuerwehr haben.

Die rund 250 aktiven Mitglieder der Rotenburger Feuerwehren sind zurzeit kalt gestellt: Zu den Einsätzen fahren sie raus, aber ansonsten können sie zurzeit nicht viel machen. Auch Lehrgänge fallen flach.

  • Aus- und Weiterbildung für Feuerwehrleute kann nicht stattfinden.
  • Stadtbrandmeister: „Das alles ist extrem frustrierend.“
  • Das Miteinander bricht zunehmend weg.

Rotenburg - Weitblick in einzelnen Entscheidungen zu beweisen, kann sich auszahlen. Irgendwann. Genau das bekommt die Rotenburger Feuerwehr während der seit bald zehn Monaten andauernden Pandemie zu spüren. „Wir haben zwar keine Mitglieder verloren, aber auch keine neuen dazubekommen“, sagt Stadtbrandmeister Thorsten Reinsch. 250 Feuerwehrleute sind im aktiven Dienst mit von der Partie. Sollten jedoch altersbedingt von ihnen welche ausscheiden, „werden wir viele von den Jugendlichen übernehmen können“, freut sich der Chef. Schon vor Jahren hat sich die Feuerwehr in der Kreisstadt ganz gezielt um Nachwuchs bemüht und daher nicht nur eine Jugendfeuerwehr, sondern auch eine Kinderabteilung nach und nach aufgebaut. Die Jugendabteilung sei „ein Pfund, mit dem wir wuchern können“.

„Wir fahren immer noch auf Sicht.“

Weitblick zahlt sich also aus – ist in der jetzigen Situation aber schwer zu beherzigen. „Wir fahren ja immer noch auf Sicht“, erklärt Reinsch. Allen voran die Aus- und Weiterbildung sei zurzeit ein „Riesenthema“. Denn was das angeht, läuft fast nichts mehr. Eine gewisse Zeit lang ist das zu verkraften, aber auf Dauer sorgen die Folgen der Pandemie für erhebliche Probleme. Der Stadtbrandmeister: „Bei einer mangelnden Weiterbildung besteht die Gefahr, dass etwas auf der Strecke bleibt.“ In letzter Konsequenz könne die aktuelle Entwicklung für Führungsprobleme sorgen.

Das Motto auch in der Rotenburger Feuerwehr laute „Wir leben in der Lage“. Das nerve zwar inzwischen gewaltig, weil die Pandemie die Kameraden ausbremst, aber der Schutz der Bevölkerung sei das Wichtigste. Das ändere sich trotz der derzeitigen Rahmenbedingungen auch im Einsatz nicht.

Wer im Einsatz unter Atemschutz eingreift, muss sich einmal im Jahr in Zeven einer Belastungsübung stellen. Das geht zurzeit nicht. Immerhin sei es im vergangenen Spätsommer gelungen, eine solche Übung ins Freie zu verlegen.

Im ersten Corona-Jahr sinkt die Zahl der Einsätze in Rotenburg

Für den Rotenburger Stadtbrandmeister Thorsten Reinsch werden die Folgen der Corona-Pandemie an vielen verschiedenen Stellen sichtbar. Unter anderem auch an der Entwicklung des Einsatzgeschehens. Das nämlich sei 2020 deutlich zurückgegangen – von rund 300 auf nur noch 250. „Ein verhältnismäßig ruhiges Jahr also für uns“, sagt er. Doch auch das gehört mit in die Statistik und zeigt, war in einer Pandemie mit erheblichen Kontaktbeschränkungen ebenfalls passiert: Um 100 Prozent sei die Zahl der Fälle mit dem Stichwort „Person hinter verschlossener Tür“ auf 20 gestiegen. Es gehe in der Regel um allein lebende Menschen, die Hilfe brauchen. Oftmals kommt sie aber leider zu spät. men

Laufbahnlehrgänge sind gestrichen

Aber da ist noch mehr, was die Arbeit der Feuerwehr und ihre organisatorischen sowie technischen Strukturen sichert: die Fortbildung. Atemschutz-, Funk- und Maschinistenausbildungen auf Kreisebene – auf Eis gelegt. Truppmann-, Gruppen-, Zugführer und Laufbahnlehrgänge auf Landesebene – vorerst gestrichen. Reinsch: „Es soll schon bald wieder langsam losgehen damit, aber ich halte das momentan noch nicht für zielführend.“

Seit Monaten schon sind es eigentlich nur die Einsätze, die eine Gelegenheit bieten, sich zu sehen. Veranstaltungen, regelmäßige Treffen, Übungsabende – auch das ist nicht machbar. Bei rund 250 Einsätzen im Jahr haben es vor diesem Hintergrund die Rotenburger Brandschützer noch relativ gut – in den kleineren Ortschaften sieht es da schon mau aus. Selbst Einsatzdienste zur Pflege und Wartung der Gerätschaften sind inzwischen personell stark reduziert. Wo im Normalfall zehn Feuerwehrmänner und -frauen zusammenkommen, sind es jetzt vielleicht noch zwei.

Zurzeit geht es nur noch um die „Vitalfunktionen“

„Das alles ist extrem frustrierend für uns alle“, schildert Reinsch nicht nur seine Gemütslage, sondern auch die der vielen anderen Mitglieder. Einige seien regelrecht traurig, die Feuerwehr gehöre bei vielen zum Alltag. Reinsch spricht von den grundlegenden „Vitalfunktionen“, um die man sich noch kümmern könne. Persönliche Belange blieben da auf der Strecke. Das Miteinander breche zunehmend weg und lasse sich auch über die sozialen Netzwerke nur bedingt ersetzen. „Immerhin lassen sich darüber einige Dinge auf kurzem Wege besprechen“, versucht der Stadtbrandmeister, dem Ganzen noch etwas Positives abzugewinnen. „Ohne die sozialen Netzwerke wären wir jetzt richtig aufgeschmissen.“ Eine Reihe von Gruppen würden genutzt. Denn letztendlich sei es wichtig dafür zu sorgen, „dass der Bogen nicht überspannt wird“, findet Reinsch. Sonst nämlich könnte es tatsächlich noch passieren, dass jemand abspringt.

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