Paket nicht ausgehändigt, weil der zweite Vorname in der Anschrift fehlt

Rotenburger beschwert sich über Post-Vorschriften

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Karl Döhmer zeigt seinen Reisepass und ein Paket, das bei ihm angekommen ist.

Rotenburg - Von Elisabeth Stockinger. Karl Döhmer ist verärgert, von „frustriert“ spricht er gar. Der 70-Jährige echauffiert sich über einen Vorfall, der sich vor einer Woche im Postbank Finanzcenter an der Großen Straße in Rotenburg zugetragen hat. Postbank und Deutsche Post hingegen reagieren gelassen, man habe sich nur an die gängigen Vorschriften gehalten.

Was war passiert? Karl Döhmer hatte am Sonntag eine Benachrichtigung in seinem Briefkasten vorgefunden, dass ein an ihn adressiertes Paket nicht zugestellt werden konnte. Dieses könne er aber am darauffolgenden Werktag in der Filiale an der Großen Straße abholen. Döhmer machte sich auf den Weg zur Post, zeigte seinen Führerschein vor und hoffte, die Sendung problemlos mit nach Hause nehmen zu können. „Der Führerschein reichte als Ausweis allerdings nicht“, erzählt er. Also habe er von zu Hause seinen Reisepass geholt und sei erneut in der Post-Filiale vorstellig geworden. „Der nette Mann teilte mir dort aber mit, dass er mir das Paket immer noch nicht aushändigen dürfe.“ Grund: Der Reisepass ist auf den Namen „Karl Paul Döhmer“ ausgestellt, das Paket allerdings an einen „Karl Döhmer“ adressiert.

„Mir wurde die Ausgabe verweigert. Ich war sprachlos“, berichtet Döhmer weiter. Seinen zweiten Vornamen „Karl“ habe er seit jeher nie benutzt, auch nicht bei dem Abschluss von Verträgen oder anderen offiziellen Dokumenten. Sowohl im Reisepass als auch im Personalausweis ist allerdings der vollständige Name vermerkt. „Wir leben in Absurdistan“, beschwert er sich. „Das ist für mich Korinthenkackerei.“ Auch der erneute Gang zur Postbank-Filiale sei nicht von Erfolg gekrönt gewesen: Das Paket wurde an den Absender zurückgeschickt.

Maike Wintjen, Pressesprecherin der Deutsche Post DHL Group, gibt zu, dass die Aushändigungsvorschriften der Deutschen Post „sehr eng ausgelegt“ seien. Doch es gehe immerhin um die Haftung. „Wir müssen sehr dezidiert vorgehen“, betont sie. „Das dient dem Schutz unserer Kunden.“ Die Post schließe jedes Mal einen Vertrag mit dem Absender, das Paket ordnungsgemäß an den Empfänger auszuhändigen. „Dazu sind wir verpflichtet.“ Aus gutem Grund: „Es kann sich schließlich um vertrauliche Sendungen handeln, für die es spezielle Auflagen gibt“, so Wintjen. Wie zum Beispiel um Sendungen, die nicht in Kinderhände gelangen sollten.

Ralf Palm, Pressesprecher der Postbank in Bonn, bestätigt Wintjens Aussage. „Als Vertragspartner der Deutschen Post gelten für uns die gleichen Regularien.“ Wenn der Name nicht korrekt übereinstimme, könne die Aushändigung des Pakets verweigert werden. „Es kann durchaus vorkommen, dass ein Mitarbeiter dies nicht so genau nimmt. Fakt ist aber: Das Regelwerk gilt in all unseren Filialen.“ In Döhmers Fall habe es sich im Übrigen um ein Paket gehandelt, das mittels des sogenannten Postident-Verfahrens verschickt wurde. Der Empfänger muss sich gegenüber dem Filial-Mitarbeiter identifizieren. „Unsere Kunden verlassen sich darauf, dass die Sendung sicher beim Empfänger ankommt“, betont Palm. „Deshalb legen wir absoluten Wert auf eine saubere Legitimation.“

Karl Döhmer wird sein Paket in naher Zukunft doch noch erhalten, über einen kleinen Umweg. Der Absender wird neben der Kundenadresse eine Versandadresse einrichten und das Paket erneut abschicken. Diesmal dann an „Karl Paul Döhmer“.

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