Landschaftswart bemängelt fehlende ökologische Vielfalt 

Die Ordnung als Feind

Seit anderthalb Jahren ist Manfred Radtke der Rotenburger Landschaftswart. - Foto: Röhrs

Rotenburg - Von Matthias Röhrs. Manfred Radtke hockt in den Rotenburger Nödenwiesen und betrachtet interessiert das Mädesüß, schnuppert an den feinen Blüten. „Das ich echte Natur“, urteilt er. Die mögen feuchte Böden, er selbst habe einige an einem Gartenteich stehen. Ein paar hundert Meter zuvor, an der Nödenstraße, fiel sein Urteil über einige Büsche Kirschlorbeeren wesentlich vernichtender aus. „Die braucht kein Mensch“, hieß es dort, während er auf die intakten Blätter deutete. „Nicht einmal die Insekten.“

Seit anderthalb Jahren ist Radtke der vom Landkreis bestellte und für die Stadt Rotenburg zuständige Landschaftswart. Und damit nicht nur in der Peripherie unterwegs. „Richtig weh“ tue es, wenn er in die Gärten der Neubaugebiete gucke, sagt er. „Das sieht immer ordentlich aus, ist aber ökolgisch tot.“ Die tief in den Menschen verankerte Ordentlichkeit: ein Feind für die Natur in der Stadt. So nackt und kahl seien die Gärten kein geeigneter Ort für Insekten. Die Natur hat keine Chance, sich auszubreiten. „Aber da kann man niemanden reinreden.“

Als Landschaftswart ist Radtke der erste Ansprechpartner vor Ort, wenn es um Natur und Umwelt geht. Jede der 13 Kommunen im Landkreis Rotenburg hat einen. Insgesamt 107 Anfragen erreichten Radtke im Jahr 2015. Für 2016 waren es bis Montag zwischen 60 und 70 – wobei er nicht weiß, wie viele ihn tatsächlich als Landschaftswart ansprechen, oder aufgrund seines Engagements beim BUND oder bei anderen Naturschutzprojekten. Zwar sind er und seine zwölf Kollegen in erster Linie für Artenschutz und geschützte Gebiete zuständig, doch Anfragen bekommt er aller Art. Wie mit einer verletzten Fledermaus umgehen? Was tun, wenn ein Wespennest über der Haustür entsteht? Wo er helfen kann, tut er es. Wo nicht, leitet er die Anfrage an die entsprechende Stelle weiter. Selbst tätig werden Radtke und seine Kollegen fast nie. „Wir reagieren eher, als das wir agieren“, sagt er.

Radtke sieht sich als eine Art Filter. Anfragen annehmen, gegebenenfalls Fotos vom Sachverhalt machen, dokumentieren und, sofern notwendig, an den Landkreis weiterleiten. Er selbst hat trotz Dienstausweis keine Befugnisse gegenüber Umweltsündern. „Wenn ich etwas sehe, dann spreche ich es an, aber Stress will ich auch nicht haben“, sagt er. Dann geht er den Weg über die untere Naturschutzbehörde im Kreishaus, der er unterstellt ist. Ende dieses Jahres läuft die zweijährige Pilotphase der Landschaftswarte aus. Dann muss der Kreistag entscheiden, ob er das Projekt verlängert. Für Radtke hat sich das System bewährt.

Zwar gebe es keinen „Klassiker“ unter den Anfragen, doch häufig geht es um Grünlandumbruch. Dann muss Radtke losfahren, sich persönlich ein Bild davon machen und online über Kartenmaterial vom Katasteramt überprüfen, ob eine Unrechtmäßigkeit seitens des Landwirts vorliegt. Ist dem so, informiert er die Stadt. Die muss als Eigentümer dafür sorgen, dass der ordnungsgemäße Zustand wieder hergestellt wird.

In Rotenburg sei man hierbei allerdings auf einem guten Weg. „Wir wollen das Thema überpflügte Wegränder Ende 2017 zu den Akten legen“, sagt Radtke.

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