Opulenter Chor mit fantastischen Solisten zelebriert Bachs Weihnachtsoratorium

Wie eine große flauschige Wohlfühldecke

Mal beseelt, meist jedoch hochkonzentriert: Karl-Heinz Voßmeier lieferte hohe Qualität ab.
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Mal beseelt, meist jedoch hochkonzentriert: Karl-Heinz Voßmeier lieferte hohe Qualität ab.

Rotenburg - Von Ulla Heyne. Ein bisschen ist es mit dem Weihnachtsoratorium wie mit „Dinner for One“ oder „Weihnachten bei den Hoppenstedts“: Für viele Musikliebhaber fester Bestandteil des Jahreslaufs, glaubt man es in- und auswendig zu kennen – und doch erlebt man es immer wieder neu. Das war bei den am Montagabend bei den vom Kammerchor Rotenburg, dem Barockorchester „Bremer Ratsmusik“ und diversen Solisten grandios aufgeführten Kantaten Eins bis Drei in der Stadtkirche nicht anders.

Zu verdanken war dies dem Kantor und Dirigenten der rund 50 Musiker, Karl-Heinz Voßmeier. Denn er hatte nicht nur bis zur letzten Probe mit der Aufstellung des Rotenburger „Elitechors“ experimentiert, sondern war noch einen Schritt weiter gegangen: Mit Nicole Pieper (Alt), Mirko Ludwig (Tenor), Carsten Krüger (Bass) und Jan Hübner hatte er zusätzlich zu den „Eigengewächsen“ Solisten verpflichtet, die auch den Chor stimmstark unterstützten. Ein Novum: „Diese ständige Umstellung, das kann nicht jeder“, so Voßmeier.

Diese Herausforderung gemeistert hatte unter anderem Nicole Pieper, bereits zum vierten Mal für Konzerte in der Stadtkirche verpflichtet. „Für jeden und mit jeder Kantorei hätte ich das nicht getan“, gab die erfolgreiche Solistin zu, „aber aus dem Chor heraus zu singen ist dann auch ein besonders intensives Erleben“.

Selbiger – von Voßmeier zu einem großen Unisono-Klangkörper zusammengeschweißt – sorgte bei den fast 300 Zuhörern für manche Gänsehaut nach dem Gänsebraten: So auf den Punkt gebracht, in den an das „Vom Himmel hoch“ anknüpfenden Passagen wie eine große, flauschige Wohlfühldecke, und bei aller Opulenz selbst in den jubelnden Passagen noch mit dezidierten Crescendi – das goutierte das Publikum und Voßmeier hatte alles Recht, immer wieder beseelt zu lächeln. Das „Neuerfinden“ altbekannter Musik, „die mit Leben erfüllt sein will“, so sein erklärtes Ziel, es gelang vortrefflich: Die Choräle zum Jubel der Geburt des Heilands bildeten einen schönen Kontrast zu den kammermusikalisch begleiteten Soli und Duetten, bei denen besonders die Bläser, allen voran Inge Marg an der Oboe d’Amore, immer wieder Akzente setzten.

Der Luxus, die Solopassagen durch unterschiedliche Solisten zu besetzen, sorgte für immer wieder andere Klangfarben – etwa der transparente Sopran von Heidrun Voßmeier im ersten Teil kontrastierte fein mit gedeckteren Tönen im Duett „Deine Liebe macht uns frei“ ihrer Mutter Dorothea mit Torsten Gödde.

Wer nach verdientem minutenlangen Applaus auf eine Zugabe gewartet hatte, wurde enttäuscht – allerdings nicht für lange: Schon am Freitag sind die Kantaten vier bis sechs zu hören. Ob altbekannt oder wieder ähnlich rasant: Das „Jauchzet, Frohlocket“ des ersten Teils hat das Potenzial zum Paradigma.

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