Ohne kommerziellen Druck

„Songs & Whispers“: Klangwelten jenseits des Mainstream in Rotenburg

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Die kanadische Band „Raleigh“ bietet als Trio in der Michaelskirche ungewöhnliche Klänge.

Rotenburg - Haben kommerziell nicht unbedingt lukrative Veranstaltungen ihre Berechtigung? Diese Frage stellte sich für Frank Lumplesch vom Kirchenvorstand und Initiator der „Songs & Whispers“-Konzerte in der Michaelskirche beim Auftritt von „Raleigh“ am Dienstag nicht.

Denn die Kirche war mit knapp 60 Zuhörern gut besucht, und bei den Auftritten vorwiegend aus der Singer-/Songwriter-Szene steht eben nicht der kommerzielle Erfolg im Vordergrund („Dann hätten wir nach einem Jahr schon wieder dichtmachen können“, so Lumplesch), sondern der Gedanke, die Kirche für die Allgemeinheit zu öffnen, einen Raum für Begegnungen und Gespräche zu schaffen – und für Musikgenuss. All das bewahrheitete sich beim Besuch der kanadischen Band „Raleigh“.

Gleich vorweg: Deren Musik mit zweistimmigem Gesang, Bass, Gitarre und Cello – und das alles elektronisch – bewegte sich jenseits dessen, was die Reihe sonst an eher eingängigem Folk nach Deutschland holt. Zumindest in diesem Punkt gab es für Lumplesch, für den es „immer spannend ist, ob da 20 Zuschauer sitzen oder 80“, keine Überraschungen: Der Musikfreund hatte sich vorab auf Youtube informiert und gewusst, „dass es anspruchsvoll und etwas kantig werden würde.“

Die oft sphärischen, musikalisch dichten Kompositionen, das verschachtelte Zusammenspiel der drei Instrumente und zwei Stimmen verwiesen auf die Musikgeschichte des amerikanischen Kontinents. Trotz aller elektronischer Effekte und viel Hall atmeten die Stücke der drei gemeinsam aufgenommen Scheiben Retro, zwischen Joni Mitchell und der frühen Susanne Vega.

Auf Ikone Patti Smith nahm Songschreiber Brock Geiger sogar explizit Bezug: Ein Song war nach dem Lesen ihrer Autobiografie „Just Kids“ entstanden. Fast schade, dass ob des Halls die Texte nicht immer zu verstehen waren – wenn sie ebenso ausgeklügelt und komplex waren wie die Musik, so entgeht dem Zuhörer etwas. Wie bei „Landscapes“, wo das Summen der Zikaden beim Wandern durch die Rocky Mountains sich am Ende als Hochspannungsleitung herausstellte, erklärte Frontmann Geiger.

„Die Zuhörer sind ruhig, hören ganz genau zu“

Die drei Kanadier schätzten die Location, auch wenn das Konzept des herumgehenden Hutes in der Heimat eher unüblich sei: „Die Zuhörer sind ruhig, hören ganz genau zu – das ist zunächst etwas ungewohnt“, berichtete Bassist Will Maclellan von seinen ersten Europa-Erfahrungen. Er schwärmt vom „alten Kontinent“: „Überall ist man von Geschichte umgeben!“ Geiger und Clea Anais (E-Cello) waren bereits zum zweiten Mal mit dem Format „Songs & Whispers“ unterwegs – und hatten in dieser Auflage mit rund 20 Gigs vorsichtshalber ihren Drummer zuhause gelassen.

„Das ergibt einen völlig neuen Ansatz für die Songs, die sonst eher rockig sind und mehr abgehen“, erzählte Maclellan. Der gebremste Schaum ist einigen Stücken wie „Dead End Tracks“, wie viele Songs an diesem Abend vom jüngsten Album „Powerhouse Bloom“, anzumerken. Andere Lieder wie „Acetone“ kamen so wunderbar reduziert, lakonisch und filigran daher, dass man einen Drummer nicht mal ansatzweise vermisste.

Bianca Paliwoda und Samuel Louis, beide zum ersten Mal unter den Zuhörern, waren begeistert. Paliwoda hatte von ihrer Schwester von der Konzertreihe erfahren: „Was hier für ein tolles Format läuft, hatte ich bisher gar nicht mitbekommen – und das, obwohl ich Rotenburgerin bin!“ Louis pflichtete bei: „Das war große Klasse, heute Musik zu hören, die man sonst eher vergessen hat!“ Für beide steht daher auf jeden Fall fest: „Nächstes Mal sind wir wieder dabei!“

Wenn sie Glück haben, wird die Reihe fortgesetzt – die Entscheidung soll nächste Woche im Kirchenvorstand fallen. 

hey

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