Ohne Karte geht es nicht

ADFC-Tourenleiter gibt Tipps für längere Radtouren

Praktische Hilfe: In einer kleinen Tasche verstaut gibt es extra Erste-Hilfe-Sets für unterwegs.
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Praktische Hilfe: In einer kleinen Tasche verstaut gibt es extra Erste-Hilfe-Sets für unterwegs.

Rotenburg – In diesem Sommer schwingen sich Menschen, die auf Urlaubsreisen verzichten, öfter auf das Fahrrad, um die Gegend zu erkunden. Eine gute Planung ist auch hier das A und O, bestätigt Manfred Petersen.

Der Kreisvorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) gibt einige Tipps für diejenigen, die sich auf eine Halb- oder Ganztagstour aufmachen wollen.

Das Fahrrad

Egal, ob das Rad regelmäßig genutzt wird, oder nur selten aus dem Schuppen oder der Garage geholt wird: Es gibt ein paar Teile, die vor einer längeren Tour auf jeden Fall überprüft werden sollten. „Bremsen, Klingel und Beleuchtung“, so Petersen, müssen funktionieren. Auch die Schrauben sollten festsitzen. „Den Reifendruck sollte man kontrollieren“, empfiehlt der Rotenburger. Von Vorteil seien ein bequemer Sattel und ein Fahrradschloss zum Anschließen. Wer den Proviant nicht schultern möchte, transportiert ihn am besten auf einem stabilen Gepäckträger – idealerweise in einer Fahrradtasche –, spricht Petersen aus seiner Erfahrung.

Das muss mit

Der Inhalt einer Tasche, egal ob geschultert oder auf dem Gepäckträger verstaut, ist gar nicht so üppig. Trotzdem empfiehlt es sich, auf ein paar Eventualitäten vorbereitet zu sein. „Rechnen muss man ja meistens mit Sonnenschein – deshalb ist Sonnenschutz wichtig“, findet Petersen. Davon abgesehen sei es auch praktisch, wenn Insektenschutz mit verstaut wird. Für Stiche, die es dann vielleicht trotzdem gibt – sei es von Mücken oder Wespen – , sei ein Brand- und Wundgel von Vorteil. Petersen hat selbst eins in der Tasche und sagt, dass es schon auf der ein oder anderen ADFC-Tour zum Einsatz gekommen sei. Ebenso Verbandsmaterial. Gerade wer eine längere Tour plant, meint Petersen, ist mit einem speziellen Erste-Hilfe-Set für unterwegs gut bedient. „All das gehört schon zur Grundausrüstung.“ Auch genügend zu Trinken im Gepäck sei wichtig und bei Bedarf ein kleiner Snack.

Die Kleidung

Bei schönem Wetter einfach in kurzer Hose losfahren? Keine so gute Idee, meint Petersen, je nach Strecke ist es wahrscheinlich, dass man auch mal auf dichter bewachsenen Wegen fährt. Und da lauert Zecken-Gefahr. Aber auch andere Vorkommnisse sollten Radfahrer kalkulieren, wenn sie eine längere Strecke vor sich haben. Viele seien erst mal aufgeschmissen, wenn das Rad eine Panne hat. „Daher sollte man damit rechnen, auch mal ein Stück laufen zu müssen“, gibt der ADFC-Tourenleiter zu bedenken. Offene Schuhe oder gar Flips-Flops seien keine so gute Idee. „Festes Schuhwerk ist zu empfehlen“, so Petersen.

Die Planung

Im Landkreis Rotenburg gibt es ein gut ausgebautes Radwegenetz, findet Petersen, der auch selbst auf einigen Strecken davon regelmäßig unterwegs ist. Er gebe dann bei den entsprechenden Stellen, etwa dem Touristikverband Landkreis Rotenburg, Feedback, ob die Beschilderung gut und ausreichend ist oder ob ihm sonst etwas auffällt. Das sei gerade für Auswärtige oder jene, die nicht so regelmäßig mit dem Fahrrad unterwegs sind, wichtig. Informationen zum Radwegenetz gebe es zum Beispiel im Info-Büro der Stadt. Wer sich für eine ausgewiesene Tour entscheidet, könne ruhig auch mal die Strecke einige Kilometer in eine Richtung fahren und dann wieder zurück. „Es muss nicht immer eine Rundtour sein“, findet Petersen. „Manchmal sieht man so auf dem Rückweg vieles, was man vorher nicht wahrgenommen hat. Man wechselt so einfach mal die Perspektive.“

Eine ausgewiesene Strecke könne nach einer Karte gefahren werden, es gibt aber auch entsprechende Apps, in denen die Routen schon eingespeichert sind. Anbieter gibt es mehrere, erklärt Petersen. Der ADFC arbeite seit einiger Zeit mit „komoot“. Der Vorteil sei, dass solche Anwendungen auch kleinere Wege berücksichtigten, während das bei Google Maps nicht der Fall sei. Dort würden Radfahrer eher entlang der Hauptstrecken geführt.

Generell ließen sich digital auch gut individuelle Routen planen. „Da gilt es, vorher zu überlegen: Was will ich?“, meint der Rotenburger. So könne eine Einkehr im Restaurant geplant werden, oder es geht nur durch Feld und Flur. „Dann sollten Radfahrer ausreichend zu Essen dabei haben.“ Ziele anpeilen, das sei generell hilfreich, besonders wichtig aber, wenn Kinder dabei sind. „Kinder brauchen ein Ziel“, ist Petersens Erfahrung. Er meint damit durchaus mehrere Zwischenstopps auf der Tour. Gerade denen, die nicht so häufig die Straßen und Wege im Landkreis mit dem Drahtesel erkunden, rät Petersen zur ausgewiesenen Route.

Unterwegs

„Wenn man sich als ungeübter 20 bis 30 Kilometer vornimmt, weiß man abends, was man getan hat“, schätzt der ADFC-Tourenleiter. Ganz genau könne er, als jemand, der regelmäßig 70, 80 oder mehr Kilometer an einem Tag fährt, das nicht sagen. Zumal viele Faktoren eine Rolle spielten. „Zum einen kommt es natürlich auf die generelle gesundheitliche Verfassung an“, so Petersen. Wer nicht regelmäßig in die Pedale tritt, sollte sich nicht zu viel zumuten, schließlich seien dann die Bewegung und das Sitzen im Sattel für längere Zeit ungewohnt. Auch die Witterung spiele dabei eine Rolle, welche Tourenlänge sich anbietet.

Zehn Kilometer gibt Petersen als ungefähren Richtwert an für Trinkpausen. Für ganz wichtig hält er es, immer eine analoge Karte dabei zu haben. Denn auch wenn man digital geplante Touren herunterladen kann, könne es immer sein, dass etwas mit dem Handy ist – etwa ein leerer Akku oder es wird bei einer Pause geklaut. Eine geeignete Karte mit dem eingezeichneten Radwegenetz im Landkreis gebe es ebenfalls im Info-Büro in Rotenburg.

E-Bikes

Mehr und mehr kommen auch Pedelecs zum Einsatz – die sind gerade für Langstreckenfahrer reizvoll. Das beobachtet auch Petersen. So seien bei den ADFC-Touren, die aktuell allerdings Corona-bedingt nicht stattfinden, meistens ebenso viele E-Bike-Fahrer wie normale Radfahrer dabei. Auch wenn die Meinungen teilweise auseinandergingen, halte er die motorisierten Räder für sinnvoll. „Viele Leute, die damit fahren, würden sonst gar keine Freude mehr am Radfahren haben“, spricht er an, dass sich häufig Ältere ein Pedelec anschaffen. Der Vorteil sei auch, dass die Räder fast jede Strecke schaffen. Gerade die neuen Modelle hätten leistungsstarke Akkus, die um die 100 Kilometer Reichweite schafften.

Einfach drauf losfahren biete sich aber nicht an. Denn die Handhabung sei eine andere: „Wenn ich mit 15 Stundenkilometern eine Vollbremsung mache, ist das etwas anderes, als wenn ich das mit 25 Stundenkilometern mache.“ Petersen rät daher Neu-E-Bikern, sich auf kürzeren Strecken an das Gefährt zu gewöhnen, es quasi einzufahren.

Von Farina Witte

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