Wenig Widerstand im Landkreis

Netzbetreiber stellen Gasversorgung um

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Nur eine kleine Düse muss für die Gasumstellung an Heizung oder Herd ausgetauscht werden. 

Rotenburg - Von Michael Krüger. Die Gasversorgung in Deutschland wird umgestellt. Bisher geliefertes „Low Calorific Gas“ (L-Gas) aus den Niederlanden wird durch „High Calorific Gas“ (H-Gas) vor allem aus Russland ersetzt. Dafür müssen viele Heizungsanlagen technisch angepasst werden.

Das läuft in der Region auch weitgehend geräusch- und problemlos, einige wenige Hauseigentümer weigern sich jedoch, den zuständigen Monteuren Zutritt zu gewähren. Die ersten Gerichtsverfahren laufen. Denn weigert sich auch nur ein Haushalt im Netz, gerät das gesamte Projekt ins Stocken.

14.821 Hausanschlüsse im Landkreis Rotenburg muss EWE Netz auf die Anforderungen des neuen Gases im Verteilernetz umstellen. Keine große Sache eigentlich, weil im Prinzip nur eine kleine Brennerdüse an der Gasheizung oder am Gasherd ausgetauscht werden muss. 

Das ist nötig, weil das H-Gas einen höheren Methangehalt hat und bei der Verbrennung mehr Energie freisetzt. Die Düse muss dementsprechend feiner sein, weniger Gas verströmen – ansonsten drohen Maschinenschäden, im schlimmsten Fall könnte Gas entweichen, heißt es bei EWE-Sprecher Jens Witthus. 

Die Reparatur ist wichtig, um Gefahren auszuschließen

Auch wenn Explosionen oder ähnliche Schreckensszenarien weitgehend auszuschließen seien, teilt er doch auch mit: „Einige Bürger verweigern die Reparatur ihrer Erdgasheizung, obwohl von diesem Gasgerät aktuell eine Gefahr für Leib und Leben der Anwohner ausgeht.“

Tatsächlich waren es zuletzt drei Fälle in der Region, mit denen sich EWE intensiver beschäftigen musste – zwei aus dem Rotenburger Umfeld, einer in Sottrum. Zur Gasheizung einer Seniorin aus Sottrum hat das Unternehmen nach langen Verhandlungen mittlerweile Zutritt bekommen, bei den beiden weiteren Fällen steht die Umsetzung der per Bundesgesetz verordneten Umstellung noch aus. Die Monteure erhalten keinen Zutritt. 

Ein ordentliches Gericht muss nun klären, wie EWE vorgehen kann. Denkbar sind zwei Szenarien: Entweder wird angeordnet, dass die Monteure unter Polizeischutz die Häuser betreten und so die kleine Umrüstung vornehmen könne, oder die Häuser werden komplett von der Gasversorgung getrennt. 

Die Umstellung wird über eine allgemeine Umlage finanziert

Dann würden die Netzbetreiber den unterirdischen Hausanschluss mit Tiefbauarbeiten kappen. Will der Hauseigentümer doch wieder ans Netz, kann das einige Monate dauern – und teuer werden. Denn anders als die reguläre Umstellung, die für den einzelnen kostenlos ist und von der Gemeinschaft aller Gaskunden in Deutschland über eine Umlage refinanziert wird, muss der Hauseigentümer in diesem Fall alles selbst zahlen. Und das können einige Tausend Euro werden.

Bundesweit sind gut 40 von insgesamt mehr als 700 Gasnetzbetreibern von der Umstellung betroffen. Da das in den Niederlanden produzierte L-Gas schon in wenigen Jahren ausgehen wird, müssen andere Quellen vornehmlich in Norwegen und Russland angezapft werden. 

Bis zum Jahr 2027 sollen alle Voraussetzungen geschaffen sein, damit das etwas teurere, aber effizientere H-Gas fließen kann. Witthus zur Dringlichkeit: „EWE Netz kann in der Region Rotenburg das alternative H-Erdgas erst dann einleiten, wenn alle Erdgasgeräte in der Region überprüft und auf H-Erdgas umgestellt wurden. Wenn wir in der Region Rotenburg das Erdgas nicht einleiten können, baut sich eine Kaskade an weiteren Verzögerungen auf. Dann könnten wir auch zum Beispiel im Anschluss in Osterholz, Stade, Cuxhaven usw. das alternative H-Erdgas nicht einleiten, bis hin zur niederländischen Grenze.“

Etwa 700.00 Geräte müssen geprüft werden

EWE ist im Norden der größte Netzbetreiber mit rund 600.000 betroffenen Gebäude und rund 700.000 Erdgasgeräte, die überprüft werden müssen. Die Kernstadt in Rotenburg wird durch ein eigenes Gasnetz versorgt, das von den Stadtwerken betrieben wird. Hier ist das H-Gas bereits Standard. Nur einzelne Gebäude am Stadtrand werden von EWE versorgt.

Die Polizei hatte seit Bekanntwerden der Arbeiten mehrfach vor Ganoven gewarnt, die die Umstellung für ihre Zwecke missbrauchen wollen und sich als Monteure ausgeben. Diesbezüglich weist EWE ausdrücklich darauf hin, dass die von ihnen beauftragten Experten niemals Rechnungen stellen und sich nach vorheriger schriftlicher Anmeldung auch vor Ort ausweisen würden.

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