Rotenburg: 26-jährige Johanne Pagel arbeitet im Hospiz

Sozialarbeiterin mit offenem Ohr und guten Ideen

Johanne Pagel kümmert sich um den Sozialdienst im Rotenburger Hospiz „Zum Guten Hirten“.
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Johanne Pagel kümmert sich um den Sozialdienst im Rotenburger Hospiz „Zum Guten Hirten“.

Rotenburg – Für Johanne Pagel ist das alles eine große Herausforderung. Die 26-Jährige arbeitet seit dem 1. Juni im Rotenburger Hospiz „Zum Guten Hirten“. Für sie selbst und das ganze Team gehe es zunächst darum, Strukturen zu schaffen und damit für einen roten Faden zu sorgen. „Wir müssen alles hinterfragen“, sagt sie. Die junge Frau, die ursprünglich aus Cuxhaven kommt, jetzt in Bremen lebt und soziale Arbeit in Kombination mit Religions- und Gemeindepädagogik studiert hat, ist im Hospiz für den Sozialen Dienst verantwortlich.

Es ist eine Aufgabe, die sie erfüllt. Sie nehme immer viel Dankbarkeit mit nach Hause und verspüre eine große Freude, sagt sie. Das dürften die besten Voraussetzungen sein, um diese Aufgabe zu übernehmen. Ein Job zudem, der gerade jetzt, da Geschäftsführer Johannes Stephens eine neue Leitung für das Haus sucht, von großer Vielfalt geprägt ist. Die junge Frau begleitet die Gäste, ihre Angehörigen, die Mitarbeiter und die Ehrenamtlichen psycho-sozial, wenn das nachgefragt wird, sie kümmert sich um Veranstaltungen, zurzeit außerdem um das Aufnahmemanagement. Darüber hinaus kann sie den Gästen und ihren Angehörigen bei sozialrechtlichen, aber auch bei vielen organisatorischen Fragen helfen.

„Leben! Bis zum Schluss“ – dieses Motto vom diesjährigen Welthospiztag hat sich auch die neue Einrichtung am Therkornsberg auf die Fahnen geschrieben. „Dieses Haus ist kein Ort des Sterbens, sondern ein Ort des Lebens vor dem Tod“, betont Johanne Pagel. Es sei eine Arbeit, die ihr am Herzen liegt. „Und ich sehe mich auch als Multiplikatorin, denn das Thema hat gerade in meiner Generation noch nicht die Präsenz.“

Johanne Pagel selbst sei auch nur durch ein „Versehen“ darauf gekommen. Ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) hätte sie nach der Schule so, wie viele andere auch, gerne in einem Kinderheim in Afrika verbracht. Doch schließlich ist sie in einer Einrichtung in Israel gelandet, wo sie vor allem pflegerisch gefordert war – und zwar im Bereich eines Hospizes. Während des Studiums hat sie ein Praktikum in einer ambulanten Einrichtung gemacht – und schließlich dann hat sie sich für die Aufgabe im Rotenburger Hospiz entschieden. „Ich habe einfach festgestellt, dass ich das gut kann.“

An jedem ihrer Arbeitstage ist sie viel im Haus unterwegs, sucht den Kontakt zu den Gästen und den Angehörigen. „Die Begleitung ist sehr individuell, manchmal entwickelt sich ein sehr enges Verhältnis, manchmal weniger.“ Wer viel Besuch bekommt, greife eher weniger auf die Angebote des Sozialen Dienstes zurück, wer viel alleine ist, freut sich über Hilfe, über Gespräche, über gemeinsames Schweigen, Spaziergänge, Spiele oder eine gemeinsame Tasse Kaffee.

Die Fragen der Gäste seien sehr unterschiedlich. „Die einen fragen sich, warum sie nicht endlich sterben können, andere beschäftige viel mehr, warum ausgerechnet sie schon sterben müssen.“ Aber ganz wichtig seien auch die Gespräche, die eben gar nichts mit dem Sterben und dem Tod zu tun haben. „Leben bis zum Schluss“ – Pagel weiß, wie wichtig es ist, einfach da zu sein.

„Wir sind kein Sterbehaus, sondern eine große Wohngemeinschaft. Hier dürfen die Gäste leben“, ergänzt Johannes Stephens. Er und die junge Mitarbeiterin sprechen von einem Feingefühl, das mitzubringen sei. „Aber das alles ist eine große Teamarbeit“, weiß Johanne Pagel das Zusammenwirken mit den Kollegen zu schätzen. Man ergänze sich, denn kein Mitarbeiter sei nun einmal rund um die Uhr im Haus.

Das Hospiz als das letzte Zuhause – eine Situation, die ein hohes Maß an Kommunikation erforderlich mache. Schließlich bringe jeder Gast ganz eigene Bedürfnisse mit, habe jeder WG-Bewohner einen ganz eigenen Tagesablauf. „Jeder darf anders sein“, unterstreicht die Frau vom Sozialen Dienst. Sie unterbreite Angebote – einen Zwang gebe es nicht.

Die Angebote richteten sich auch an die Angehörigen; sie hätten ähnliche Fragen, ähnliche Unsicherheiten, Sorgen und Ängste. Um die kümmern sich auch eine Reihe von Ehrenamtlichen. „Etwa zehn von ihnen kommen regelmäßig zu uns“, berichtet Johanne Pagel. Eine Frau etwa komme mit ihren Hunden ins Haus und bereite mehreren Gästen damit eine große Freude. Eine andere Ehrenamtliche betreut sehr individuell einen Gast, liest ihm regelmäßig vor. Auch das Angebot zum gemeinsamen Schreiben gibt es. Ehrenamtliche sind aber auch dabei, die Nachtwache zu unterstützen, wenn der Abschied eines Gastes unmittelbar bevorsteht. Wichtig sei es, ein offenes Ohr zu haben – zum Beispiel, wenn Gäste einfach nur aus ihrem Leben erzählen und Erinnerungen teilen möchten.

Weitere Ehrenamtliche, die sich einbringen möchten, Ideen für Angebote haben oder offen sind bei der Betreuung der Gäste und Angehörigen, können sich jederzeit bei Pagel melden. Sie ist unter der Nummer 04261/ 8166712 zu erreichen. Wer mag, darf auch vorbeikommen. Das gilt auch für die Besucher – feste Zeiten gibt es nicht. Schließlich, so Johannes Stephens, gehe es „zu 100 Prozent um die Gäste“.

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