Klare Sache in der Kreisstadt

Oestmann wird Bürgermeister in Rotenburg

Prost, Herr Bürgermeister! Torsten Oestmann mit seiner Frau Beate und Noch-Bürgermeister Andreas Weber (r.).
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Prost, Herr Bürgermeister! Torsten Oestmann mit seiner Frau Beate und Noch-Bürgermeister Andreas Weber (r.).

Bis zum Wahltag lag eine enorme Spannung in der Luft. Jetzt sind die Würfel gefallen: Torsten Oestmann (parteilos) wird neuer Bürgermeister der Stadt Rotenburg. Bei der Kommunalwahl am Sonntag setzt er sich mit 65,27 Prozent Prozent gegen seinen Mitbewerber Frank Holle (CDU) durch. Der Chef der Polizei in der Kreisstadt macht klar das Rennen.

Rotenburg – Es ist 21.03 Uhr, als das Handy von Torsten Oestmann klingelt. Eike Holsten, der Rotenburger CDU-Gemeindeverbandsvorsitzende, meldet sich und kündigt sich zusammen mit Frank Holle an – ein kleiner Besuch in der Eismanufaktur, wo eine Reihe von Sozialdemokraten und Grünen sowie der Volt schon lange in bester Stimmung sind, obwohl noch Ergebnisse aus mehreren Wahllokalen fehlen. Zu groß ist der Vorsprung. „Da kann nichts mehr schiefgehen“, weiß auch Oestmann, aber den Sekt gibt es erst, wenn alles klar ist. Frank Holle und Eike Holsten gratulieren etwas später – und trinken noch ein Bier mit.

Es ist ein Sieg, dessen Klarheit viele überrascht hat. „Dieses klare Ergebnis ist gut für Torsten Oestmann und für Rotenburg“, sagt Andreas Weber (SPD), der zum 1. November die Bürgermeisterkette an seinen Nachfolger überreichen wird. Weber freut sich über diese Rückendeckung für den 57-Jährigen, der seine ersten Schritte in der Politik unternimmt.

„Ich muss das erst einmal verarbeiten“, sagt der Wahlsieger, „dieses Ergebnis hat mich total überwältigt. Ich hatte natürlich auf einen Sieg gehofft, von diesem deutlichen Vorsprung aber nicht zu träumen gewagt.“ Er freue sich über diese Grundlage für einen guten Start – und auf seinen neuen Job. Seine Frau Beate kann das alles noch gar nicht fassen: „Ich bin sprachlos und habe Bluthochdruck.“ Sie müsse das alles erst einmal sacken lassen. Die beiden Söhne sind dabei, und auch Joris Oestmann, der – gesundheitlich angeschlagen und den Tränen nahe – zwischendurch das Wort ergreift: „Torsten, Du bist ein wunderbarer Sohn, wir sind stolz, dass Du das geschafft hast.“

Ein Wechselbad der Gefühle erleben an diesem Abend die etwa 50 Mitglieder der CDU, die ins Rotenburger Restaurant Harmonie gekommen sind. Nachdem sie zunächst mit ihrem künftigen neuen Landrat Marco Prietz feiern, wollen sie auch mit Frank Holle auf dessen Sieg bei der Bürgermeisterwahl anstoßen – doch daraus wird nichts.

„Für uns ist es ein Abend mit einem lachenden und einem weinenden Auge, weil wir uns für beide Kandidaten eingesetzt haben. Frank Holle hat sich ein Jahr voll reingehängt, und wir sind auch als Truppe sehr eng zusammengewachsen. Wir haben Seite an Seite mit ihm gekämpft und sind nun enttäuscht und traurig“, sagt der Rotenburger CDU-Chef Eike Holsten.

Trinken nach langem Wahlkampf ein Bier zusammen: Torsten Oestmann (l.) als Gewinner der Bürgermeisterwahl und sein Kontrahent Frank Holle.

Seine Erwartungen an den Wahlabend hätten sich nach dem, was ihnen während des Wahlkampf in der Stadt widergespiegelt worden sei, nicht erfüllt: „Wir hatten fest daran geglaubt, dass es ein enges Rennen werden würde. Deshalb bin ich überrascht. So habe ich das nicht erwartet.“ Es sei jedoch noch zu früh, um Gründe für die Niederlage zu suchen: „Ich bin noch nicht in die Analyse eingestiegen und kann das heute Abend auch nicht.“

Genauso sieht es Frank Holle, der erklärt: „Heute Morgen hatte ich ein gutes Gefühl. Auch ich bin deshalb enttäuscht und überrascht. Aber mein Kopf bleibt oben, und ich habe mir nichts vorzuwerfen. Mehr Wahlkampf geht nicht.“ Wer sich zur Wahl stellt, wisse, dass er auch verlieren kann: „Das ist bisher mein vierter Wahlkampf. Ich habe zweimal gewonnen und nun auch zweimal verloren.“ Ob er trotz seiner Niederlage weiterhin einen Platz im Rotenburger Stadtrat anstrebt, lässt er noch offen: „Dazu werde ich am Wahlabend keine Aussage treffen. Nach meinem intensiven Programm gönne ich mir 14 Tage, um mich zu berappeln und meinen Akku aufzuladen.“

Eike Holsten (l.) und Frank Holle sind enttäuscht über den Ausgang der Wahl.

Anders wenig überraschend die Reaktion bei den Grünen, die zusammen der SPD und der Volt Oestmanns Kandidatur überstützt hatten: „Das ist ja der Hammer“, freut sich Joachim Hickisch. Oestmann selbst kann nur spekulieren über die Gründe für das klare Rennen. „Ich bin hier groß geworden und kenne die Menschen. Vielleicht gefällt ihnen ja meine offene Art.“ Noch vor seinem Amtsantritt am 1. November will er sich im Rathaus blicken lassen und das Gespräch suchen – mit Andreas Weber und der Ersten Stadträtin Bernadette Nadermann. Und zugleich weiß Oestmann, dass er sich verabschieden muss von der Polizeiinspektion in Rotenburg. Dort beginnt umgehend die Suche nach einem Nachfolger. Der Polizei-Vizepräsident Hans-Jürgen Felgentreu meldet sich noch am Abend.

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