Ölsuche: Umweltverbände bitten darum, PRD die Betretungsrechte zu verweigern

Klare Empfehlung: „Nein“

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Für die Erkundung werden Vibroseis-Fahrzeuge und Geophone eingesetzt. PRD benötigt nun allerdings die Rechte, um die erforderlichen Flächen betreten zu können.

Scheeßel - Von Guido Menker. Die kanadische Explorations- und Produktionsgesellschaft „PRD Energy“ ist im „Erlaubnisfeld Sittensen“ auf der Suche nach Erdöl. Dafür muss es auch Privatgrundstücke betreten. Aber: „Niemand sollte der Ölindustrie erlauben, sein Grundstück zu betreten und Messpunkte zu errichten.“ Darum bitten mehrere Umweltverbände die Bürger der betroffenen Orte in den Gemeinden und Samtgemeinden Scheeßel, Fintel, Sittensen und Zeven. Auch in den betroffenen Gemeinden regt sich politischer Widerstand.

Ungeachtet dessen bereiten die Firma PRD und das von ihr beauftrage Unternehmen Geophysik GGD die Untersuchungen vor und holen Betretungserlaubnisse ein. Dass jetzt die Umweltverbände dazwischenfunken, passt dem Unternehmen überhaupt nicht. Was bedeutet das? Müssen die Grundstückbesitzer in den kommenden Wochen mit Besuchern rechnen, die mit Geldscheinen wedeln? „Nein“, sagt PRD-Sprecherin Gabriele Junker, „das können wir nicht machen. Wir hoffen einfach, dass wir den Menschen die Angst nehmen können.“ Erkaufen wolle man sich die Betretungsrechte nicht.

Das Gebiet rund um den Salzstock unter dem Hatzter Moor soll mit einem Gitternetz aus vielen tausend Anrege- und Messpunkten überzogen werden, schreibt Roland Meyer vom Nabu Rotenburg. „Auf diese Untersuchungen sollen möglichst Bohrungen folgen und auf die Bohrungen Förderungen. Wäre dem nicht so, würde sich PRD das Geld für die Seismik sparen“, sagt Meyer. „Alle wollen die Erderwärmung auf höchstens zwei Grad begrenzen. Dann darf aber nur noch ein Drittel der bereits bekannten Vorkommen an fossilen Rohstoffen verbrannt werden“, meint er. Falk Lutosch vom Klimabündnis Rotenburg: „Daher ist überhaupt kein übergeordneter Nutzen der geplanten Förderung möglicher kleiner Lager in unserer vergleichsweise dicht besiedelten Region erkennbar. Es geht vor allem ums Geld.“ Dem fehlenden übergeordneten Nutzen stünden die mit dem Rütteln und den Sprengungen verbundenen möglichen Gefahren für die Natur, die Häuser und die Straßen gegenüber, führt Manfred Radtke vom BUND aus. „Und wenn dann anschließend gebohrt und gefördert wird, sind Austritte von Gefahrstoffen und mögliche Gesundheitsgefährdungen zumindest nicht auszuschließen.“ Als Beispiel für mit Förderungen verbundene Verschmutzungen verweist Dieter Höper von der AG Umwelt und Natur aus Sittensen auf die erschreckenden Quecksilbernachweise im Raum Söhlingen. Thomas Lauber, Biologische Schutzgemeinschaft Wümme (BSW): „Der Kreis Rotenburg trägt bei weitem genug Belastungen durch die Öl- und Gasindustrie. Wir müssen sehr deutlich machen, dass wir gegen neue Förderungen bei uns sind. Nach den klaren Voten etlicher politischer Gremien ist es ein zweites starkes Signal, wenn viele Bürger das Betreten ihrer Grundstücke untersagen.“ Wer die Erlaubnis schon erteilt habe, solle sie möglichst widerrufen.

Auf einem Infoabend in Sothel habe PRD zugesagt, kein Grundstück ohne Erlaubnis des Eigentümers zu betreten. Die Umweltverbände erwarteten, dass sich das Unternehmen an diese Zusage hält.

„Wir als PRD Energy (...) bedauern, dass die lokalen Zeitungen von Bündnis90/Die Grünen und den Naturschutzverbänden im Landkreis Rotenburg als Instrument genutzt werden, um sich gegen unser Vorhaben zu stellen“, heißt es auf Anfrage der Kreiszeitung.

PRD habe den Menschen seine Untersuchungen nahe gebracht. „Darin haben wir auch die Auswirkungen der Erkundungsarbeiten auf die Umwelt, das Grundwasser, den Menschen und die Sachgüter dargelegt“, heißt es. Eine spätere Gewinnung des Erdöls stehe in übergeordnetem Interesse. Denn Erdöl sei mehr als ein Energierohstoff und aus unserem Alltag nicht wegzudenken. Gebe es am Ende zu wenige Betretungsrechte, würden notfalls Messpunkte geändert und das Messfeld verkleinert.

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